Artemis III 2027 NASA plant große Generalprobe im Erdorbit

Artemis III sollte einmal die Mission werden, mit der Menschen erstmals seit Apollo 17 wieder den Mond betreten. Doch inzwischen hat NASA den Flug grundlegend verändert. Statt einer Landung am lunaren Südpol soll die vierköpfige Besatzung 2027 zunächst im niedrigen Erdorbit bleiben. Dort wartet eine Aufgabe, die für die weitere Rückkehr zum Mond kaum weniger wichtig ist: Orion soll erstmals mit den kommerziellen Mondlandern von SpaceX und Blue Origin zusammentreffen und Andockmanöver erproben.

Die neue Artemis III wird damit zu einer Generalprobe für jene komplizierte Abfolge von Starts, Rendezvous und Kopplungsmanövern, die später im Mondorbit funktionieren muss. NASA will möglichst viele technische Risiken beseitigen, bevor mit Artemis IV die nächste bemannte Mondlandung versucht wird. Gleichzeitig drängt die Zeit. NASA-Administrator Jared Isaacman peilt offiziell einen Start Mitte 2027 an. Bei einem Symposium an der Space Coast nannte er nach aktueller Berichterstattung sogar Juni 2027 als frühestmöglichen Termin. Einen festen Starttag hat NASA bislang allerdings nicht bekannt gegeben.

Warum Artemis III nicht mehr zum Mond fliegt

Die Änderung gehört zu einer größeren Neuordnung des Artemis-Programms, die NASA im Februar 2026 bekannt gab. Zuvor sollte Artemis III Menschen auf die Mondoberfläche bringen. Diese Aufgabe übernimmt nach der neuen Planung Artemis IV, deren Mondlandung für 2028 vorgesehen ist. Artemis III wurde dafür als zusätzliche bemannte Testmission in den Erdorbit eingeschoben.

Der Hintergrund ist die zunehmende Komplexität der geplanten Mondflüge. Orion kann zwar Astronauten zum Mond transportieren, ist aber nicht für eine Landung auf der Oberfläche ausgelegt. Dafür benötigt NASA ein Human Landing System, kurz HLS. SpaceX entwickelt auf Basis von Starship einen solchen Mondlander, während Blue Origin mit Blue Moon ein zweites System vorbereitet.

Beide Fahrzeuge unterscheiden sich erheblich von Orion und müssen später im Weltraum zuverlässig mit der NASA-Kapsel zusammenarbeiten. Genau diese Verbindung soll Artemis III erstmals unter realen Flugbedingungen mit Besatzung erproben.

Hinzu kommen Entwicklungsrisiken bei den Landern. Das US-amerikanische Government Accountability Office berichtete im Juli 2026, dass SpaceX bei mehreren wichtigen Entwicklungsschritten mehr als ein Jahr hinter früheren Zeitplänen liegt. Besonders anspruchsvoll sind unter anderem Treibstofftransfers im All sowie die Entwicklung und Erprobung der für die Mondlandung vorgesehenen Starship-Version. NASA arbeitet deshalb mit SpaceX und Blue Origin daran, die Missionsarchitektur zu vereinfachen und die Systeme rechtzeitig für spätere Mondlandungen einsatzbereit zu bekommen.

Der zusätzliche Testflug verschafft den Entwicklern nicht einfach nur mehr Zeit. Er gibt NASA vor allem die Möglichkeit, kritische Abläufe zunächst in relativer Nähe zur Erde auszuprobieren.

Was bei Artemis III im Erdorbit getestet werden soll

Artemis III beginnt zunächst ähnlich wie die bisherigen Orion-Missionen. Vier Astronauten sollen vom Kennedy Space Center in Florida mit dem Space Launch System starten. Die Besatzung besteht aus NASA-Kommandant Randy Bresnik, ESA-Astronaut Luca Parmitano als Pilot sowie den NASA-Astronauten Andre Douglas und Frank Rubio.

Nach dem Erreichen des Weltraums bleibt Orion jedoch in einer niedrigen Erdumlaufbahn. Das europäische Servicemodul übernimmt dabei unter anderem die notwendigen Bahnmanöver. Der Erdorbit bietet einen entscheidenden Vorteil: Die verschiedenen Raumfahrzeuge müssen nicht innerhalb eines engen Startfensters auf dem Weg zum Mond zusammengebracht werden. Die beteiligten Systeme können unabhängig voneinander starten und sich anschließend in der Erdumlaufbahn treffen.

Geplant sind Rendezvous- und Annäherungsmanöver sowie das Andocken von Orion an Testversionen eines oder möglicherweise beider kommerziellen Mondlander. NASA-Unterlagen sehen sogar mehrere Kopplungs- und Trennungsvorgänge als mögliche Bestandteile des Missionsprofils vor.

Damit wird etwas getestet, das bei späteren Mondmissionen über den Erfolg der gesamten Landung entscheiden kann. Orion bringt die Astronauten in den Mondorbit, anschließend müssen sie in einen Mondlander wechseln. Nach ihrem Aufenthalt auf der Oberfläche kehrt der Lander zurück, koppelt erneut an Orion an und die Besatzung steigt für den Heimflug um.

Scheitert eines dieser Manöver, gibt es im Mondorbit nur begrenzte Möglichkeiten zu reagieren. Ein Test in Erdnähe ermöglicht es NASA deshalb, Verfahren und Technik unter realen Bedingungen zu erproben, ohne sofort die vollständige Mondmission durchführen zu müssen.

Starship und Blue Moon werden Teil einer ungewöhnlichen Mission

Besonders anspruchsvoll ist, dass Artemis III nicht nur aus einem einzigen Raketenstart besteht. NASA beschreibt die Mission als komplexe Multi-Launch-Kampagne. Neben SLS und Orion müssen die beteiligten kommerziellen Fahrzeuge in den Weltraum gelangen. Abhängig davon, welche Systeme rechtzeitig bereitstehen, könnten sowohl das Starship-HLS von SpaceX als auch eine Testversion von Blue Origins Blue Moon beteiligt sein.

NASA plant dabei mehr als einen einfachen mechanischen Andockversuch. Untersucht werden sollen die Schnittstellen zwischen den Raumfahrzeugen, Software, Kommunikation, Antriebssysteme und Abläufe während gemeinsamer Flugphasen. Auch die Lebenserhaltungssysteme spielen eine Rolle.

Noch nicht endgültig entschieden ist, wie weit die Besatzung in die Landertests einbezogen wird. Nach bisherigen NASA-Planungen könnten Astronauten mindestens eines der Testfahrzeuge betreten. Damit ließen sich nicht nur die Kopplungssysteme, sondern auch Übergänge zwischen den Raumfahrzeugen und Aufenthaltsbedingungen in einem künftigen Mondlander überprüfen.

NASA hatte außerdem Tests neuer Raumanzüge als mögliches Ziel genannt. Welche dieser zusätzlichen Aufgaben tatsächlich Bestandteil der Mission werden, hängt von der weiteren Entwicklung der beteiligten Systeme ab.

Auch Orion selbst steht erneut auf dem Prüfstand

Artemis III dient nicht ausschließlich der Vorbereitung der Mondlander. Auch Orion wird weiter getestet. Die Besatzung soll mehr Zeit in der Kapsel verbringen als während Artemis II. Dadurch erhält NASA zusätzliche Daten über die Lebenserhaltung und den längeren Betrieb des Raumfahrzeugs mit vier Menschen an Bord.

Eine wichtige Rolle spielt außerdem Orions Hitzeschild. Für Artemis III ist eine weiterentwickelte Ausführung vorgesehen, die NASA bei der Rückkehr zur Erde erproben will. Ziel sind flexiblere und robustere Wiedereintrittsprofile für spätere Missionen.

Auch beim Space Launch System gibt es eine Besonderheit. Da Artemis III nicht zum Mond fliegt, benötigt die Mission nicht dieselbe Oberstufe wie ein Mondflug. NASA arbeitet deshalb nach derzeitigem Planungsstand an einem nicht angetriebenen Zwischenelement, das Abmessungen und Verbindungspunkte der normalerweise verwendeten Raketenstufe nachbildet.

Die Mission zeigt damit, wie stark sich Artemis III von der ursprünglichen Planung entfernt hat. Aus einer Mondlandung ist ein umfangreicher Systemtest geworden.

Wie realistisch ist ein Start von Artemis III im Juni 2027?

NASA nennt auf seinen offiziellen Missionsseiten derzeit grundsätzlich das Jahr 2027. Isaacman sprach im Mai von einem angestrebten Start Mitte 2027. Nach einem Auftritt beim Space Coast Symposium am 21. August 2026 berichteten Medien zusätzlich, dass ein Start bereits im Juni 2027 möglich sein könnte.

Das sollte jedoch nicht mit einem bestätigten Starttermin verwechselt werden. NASA führt Artemis III bislang ohne konkretes Datum. Die Mission hängt zudem nicht allein von SLS und Orion ab. Auch mindestens eines der kommerziellen Landersysteme muss weit genug entwickelt sein, damit die geplanten Rendezvous- und Kopplungstests sinnvoll durchgeführt werden können.

Gerade darin liegt die besondere Herausforderung. Artemis III verbindet erstmals mehrere große Raumfahrtsysteme, die von unterschiedlichen Organisationen entwickelt werden. NASA muss nicht nur die eigene Rakete und Orion rechtzeitig bereitstellen, sondern die Missionsplanung mit SpaceX und Blue Origin koordinieren.

Immerhin schreitet die Hardware für den Flug bereits voran. Im Juli 2026 meldete NASA Arbeiten an der Artemis-III-Rakete im Vehicle Assembly Building des Kennedy Space Center. Auch das Orion-Servicemodul hatte bereits akustische Belastungstests absolviert, während Crew- und Servicemodul für ihre spätere Verbindung vorbereitet wurden.

Artemis III entscheidet mit über die Mondlandung 2028

Der Verzicht auf eine Mondlandung bei Artemis III wirkt zunächst wie ein Rückschritt. Tatsächlich verfolgt NASA damit eine andere Strategie. Statt möglichst viele neue Systeme erstmals während einer einzigen Mondmission zusammenzubringen, wird ein wesentlicher Teil der komplexen Abläufe vorher im Erdorbit erprobt.

Das kann Fehler sichtbar machen, solange die Besatzung noch vergleichsweise nah an der Erde ist. Gleichzeitig erhalten SpaceX, Blue Origin und NASA reale Daten darüber, wie Orion und die neuen Landersysteme miteinander funktionieren.

Damit hängt von Artemis III mehr ab, als es bei einem reinen Testflug zunächst scheint. Die Mission soll zeigen, ob aus einzelnen Raketen und Raumfahrzeugen tatsächlich ein funktionierendes Mondtransportsystem werden kann. Wenn Orion einen kommerziellen Mondlander im Erdorbit findet, sich ihm nähert, ankoppelt und beide Fahrzeuge gemeinsam betrieben werden können, wäre ein entscheidender Teil der späteren Mondmission erstmals praktisch erprobt.

Erst danach soll sich die Bühne wieder zum Mond verlagern. Artemis IV soll nach gegenwärtiger Planung 2028 Astronauten zur Oberfläche bringen. Artemis III ist deshalb nicht mehr die lang erwartete Rückkehr von Menschen auf den Mond. Sie soll dafür sorgen, dass diese Rückkehr nicht mit ungeprüften Abläufen beginnt.

Quellen
▪︎ NASA – Artemis III und aktuelle Missionsplanung
▪︎ NASA – How NASA’s Artemis III Lander Test Will Pave Way for Moon Landings
▪︎ NASA – Updates zur Artemis-Missionsarchitektur
▪︎ NASA – Administrator Jared Isaacman, Moon Base Announcement Speech vom 26. Mai 2026
▪︎ NASA – Notional Plan for 2027 Artemis III Earth Orbit Mission
▪︎ U.S. Government Accountability Office – NASA: Assessments of Major Projects, Juli 2026
▪︎ Space Coast Daily – Berichte zum Space Coast Symposium und Artemis III
▪︎ TechQuire Post – Bericht über Isaacmans Aussage zum möglichen Start im Juni 2027