Der Halleysche Komet gehört zu den wenigen Himmelsobjekten, die eine Verbindung zwischen Generationen herstellen. Menschen beobachteten ihn lange bevor es Teleskope gab, Astronomen verfolgten ihn über Jahrhunderte – und bei seinem letzten Besuch 1986 flogen erstmals Raumsonden bis in seine unmittelbare Umgebung. Wer Halley damals gesehen hat, müsste allerdings ein ungewöhnlich hohes Alter erreichen, um ihn noch einmal am Himmel zu erleben.
Denn der berühmteste periodische Komet befindet sich derzeit weit draußen im Sonnensystem. Erst 2061 wird er wieder in die Nähe der Sonne zurückkehren und von der Erde aus sichtbar werden. Seine Umlaufzeit beträgt im Mittel ungefähr 76 Jahre, wobei sie sich durch die Schwerkraft der Planeten von einem Umlauf zum nächsten etwas verändert.
Wann kommt der Halleysche Komet wieder?
Der nächste große Auftritt des Halleyschen Kometen findet 2061 statt. Sein sonnennächster Punkt, das sogenannte Perihel, wird nach heutigen Bahnberechnungen im Juli 2061 erreicht.
Damit vergehen seit seinem letzten Periheldurchgang am 9. Februar 1986 ungefähr 75 Jahre. Die oft genannte Umlaufzeit von 76 Jahren ist lediglich ein Durchschnittswert. Tatsächlich schwankt die Zeit zwischen zwei Sonnenpassagen, weil insbesondere die großen Planeten mit ihrer Schwerkraft die Bahn des Kometen geringfügig verändern. NASA gibt für historisch dokumentierte Umläufe Werte zwischen rund 74 und 79 Jahren an.
Halley wird also nicht einfach alle 76 Jahre am selben Tag an derselben Stelle auftauchen. Seine Bahn kann über lange Zeiträume sehr genau berechnet werden, dennoch sorgen die gravitativen Einflüsse des Sonnensystems dafür, dass jeder Umlauf etwas anders verläuft.
Wann ist der Halleysche Komet 2061 von der Erde aus zu sehen?
Halley wird nicht nur an einem einzigen Tag sichtbar sein. Bereits während seiner Annäherung an die Sonne dürfte seine Helligkeit allmählich zunehmen, bevor er im Sommer 2061 seinen sonnennächsten Punkt erreicht.
Wie eindrucksvoll der Komet tatsächlich erscheint, hängt von seiner Stellung zur Erde und zur Sonne sowie von seiner Aktivität ab. Bei der Annäherung erwärmt sich der Kern zunehmend. Gefrorene Stoffe gehen in Gas über und reißen Staub mit sich. Dadurch entstehen die leuchtende Koma um den Kern und die für Kometen charakteristischen Schweife.
Für die Beobachtung könnte die Rückkehr 2061 günstiger ausfallen als der Besuch von 1986. Damals befand sich Halley während eines wichtigen Teils seiner Sonnenpassage aus Sicht der Erde ungünstig am Himmel. Der Komet wurde zwar sichtbar, blieb aber für viele Beobachter hinter den hohen Erwartungen zurück.
Die konkrete Sichtbarkeit 2061 wird sich mit zunehmender zeitlicher Nähe noch präziser beschreiben lassen. Klar ist bereits heute: Der Sommer 2061 wird für die Astronomie eines der bedeutendsten Himmelsereignisse des Jahrhunderts.
Wie nah kommt der Halleysche Komet der Erde?
Eine häufige Vorstellung lautet, dass Halley bei jeder Rückkehr sehr dicht an der Erde vorbeifliegt. Das stimmt nicht. Seine Entfernung zu unserem Planeten unterscheidet sich von Erscheinung zu Erscheinung erheblich.
1986 kam der Komet der Erde auf ungefähr 63 Millionen Kilometer nahe. Das entspricht rund 0,42 Astronomischen Einheiten. Eine Astronomische Einheit ist die mittlere Entfernung zwischen Erde und Sonne.
Historisch gab es erheblich engere Begegnungen. Besonders spektakulär war die Rückkehr im Jahr 837. Damals näherte sich Halley der Erde bis auf ungefähr 4,9 Millionen Kilometer. Das ist für einen Kometen dieser Größe eine ausgesprochen geringe Entfernung. Seine Helligkeit erreichte damals ungefähr Größenklasse −3,5 und lag damit in einem Bereich, in dem das Objekt am Himmel sehr auffällig gewesen sein muss.
Eine vergleichbar extreme Annäherung ist für 2061 nicht zu erwarten.
Ist der Halleysche Komet 2061 gefährlich für die Erde?
Nach den bekannten Bahnberechnungen besteht durch die Rückkehr des Halleyschen Kometen 2061 keine Kollisionsgefahr für die Erde.
Dass ein Komet regelmäßig das innere Sonnensystem durchquert, bedeutet nicht automatisch, dass er unserem Planeten gefährlich nahe kommt. Die Bahn von Halley ist seit Jahrhunderten untersucht worden und lässt sich aufgrund zahlreicher historischer Beobachtungen außergewöhnlich gut rekonstruieren.
Seine Umlaufbahn ist stark elliptisch. Am sonnennächsten Punkt kommt Halley bis auf ungefähr 0,59 Astronomische Einheiten an die Sonne heran und befindet sich damit innerhalb der Venusbahn. Am entferntesten Punkt seiner Bahn zieht er weit über die Neptunbahn hinaus.
Dabei bewegt sich Halley sogar entgegengesetzt zur üblichen Umlaufrichtung der Planeten um die Sonne. Astronomen sprechen von einer retrograden Umlaufbahn.
Wie oft kommt der Halleysche Komet?
Im Durchschnitt benötigt Halley etwa 75 bis 76 Jahre für einen Umlauf um die Sonne. Damit gehört er zu den kurzperiodischen Kometen, obwohl ein menschliches Leben häufig kaum mehr als eine einzige Rückkehr umfasst.
Die bekannten historischen Erscheinungen lassen sich über mehr als zwei Jahrtausende zurückverfolgen. Berichte aus unterschiedlichen Kulturen beschreiben helle Kometen, deren Beobachtungsdaten mit der rückwärts berechneten Bahn Halleys übereinstimmen. NASA verweist auf Beobachtungen, die mehr als 2.000 Jahre zurückreichen.
Dabei wurde lange nicht erkannt, dass immer dasselbe Objekt zurückkehrte. Kometen galten vielfach als einmalige Erscheinungen. Erst Anfang des 18. Jahrhunderts änderte sich dieses Bild grundlegend.
Warum heißt der Komet Halley?
Benannt ist der Komet nach dem englischen Astronomen Edmond Halley, der von 1656 bis 1742 lebte.
Halley untersuchte die Bahnen mehrerer historisch beobachteter Kometen und bemerkte auffällige Gemeinsamkeiten zwischen den Erscheinungen von 1531, 1607 und 1682. Mithilfe der von Isaac Newton entwickelten Gravitationstheorie kam er zu dem Schluss, dass es sich vermutlich nicht um drei verschiedene Kometen handelte.
Er sagte voraus, dass dieses Objekt erneut zurückkehren müsse.
Halley selbst erlebte die Bestätigung seiner Berechnung nicht mehr. Als der Komet Ende 1758 tatsächlich wieder erschien und Anfang 1759 seinen sonnennächsten Punkt erreichte, war dies ein außergewöhnlicher Erfolg für die newtonsche Himmelsmechanik. Ein Komet hatte sich erstmals als berechenbares, wiederkehrendes Objekt erwiesen.
Der Name Halley blieb.
Wie groß ist der Halleysche Komet?
Der eigentliche feste Kern ist erstaunlich klein. Messungen und Aufnahmen der Giotto-Mission zeigten einen unregelmäßig geformten Körper von ungefähr 15 Kilometern Länge und acht Kilometern Breite.
Besonders überraschend war seine extrem dunkle Oberfläche. Sie reflektiert nur wenige Prozent des einfallenden Sonnenlichts. Der Kern gehört damit zu den dunkelsten bekannten Körpern des Sonnensystems.
Das helle Erscheinungsbild eines aktiven Kometen entsteht also nicht deshalb, weil sein Kern besonders stark leuchtet. Sobald Halley der Sonne näher kommt, erwärmen sich gefrorene Stoffe. Gas und Staub werden freigesetzt und bilden eine große Hülle um den winzigen Kern.
Diese Koma kann Zehntausende oder sogar Hunderttausende Kilometer groß werden. Zusätzlich entwickeln sich Schweife, die sich über Millionen Kilometer durch den Weltraum erstrecken können.
Ein Objekt von der Größe einer kleinen Stadt kann dadurch zu einer der auffälligsten Erscheinungen am gesamten Nachthimmel werden.
Was geschah beim letzten Besuch 1986?
Die Rückkehr von 1986 war wissenschaftlich außergewöhnlich. Zum ersten Mal standen Raumfahrzeuge bereit, um einen wiederkehrenden Kometen aus unmittelbarer Nähe zu untersuchen.
Eine internationale Gruppe von Raumsonden wurde auf Halley angesetzt. Besonders bedeutend war die europäische Sonde Giotto. Sie flog in der Nacht vom 13. auf den 14. März 1986 in nur etwa 600 Kilometern Entfernung am Kometenkern vorbei. Dabei entstanden die ersten Nahaufnahmen eines Kometenkerns überhaupt.
Die Bilder zeigten einen dunklen, unregelmäßigen Körper, aus dessen Oberfläche einzelne kräftige Gas- und Staubfontänen austraten. Vorher war keineswegs sicher gewesen, wie ein Kometenkern aus unmittelbarer Nähe tatsächlich aussehen würde.
Der Vorbeiflug war für Giotto alles andere als ungefährlich. Die Sonde raste mit einer Relativgeschwindigkeit von rund 68 Kilometern pro Sekunde durch die Umgebung des Kometen. Staubteilchen trafen auf das Raumfahrzeug und beschädigten unter anderem Instrumente und schließlich auch die Kamera. Die Sonde überstand die Begegnung dennoch.
Die Mission wurde zu einem Meilenstein der europäischen Raumfahrt.
Wo befindet sich Halley heute?
Nach seinem Besuch 1986 entfernte sich der Komet wieder von der Sonne und flog hinaus in die äußeren Regionen des Sonnensystems.
Ende 2023 erreichte er den fernsten Bereich seiner Umlaufbahn und begann anschließend seinen langen Rückweg. Dieser Punkt wird Aphel genannt. Dort befindet sich Halley ungefähr 35 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt – weiter draußen als Neptun.
In dieser Entfernung erhält der Komet nur noch einen winzigen Bruchteil der Sonnenenergie, die in Erdnähe vorhanden ist. Sein Kern ist kalt und praktisch inaktiv. Die spektakuläre Koma und die Schweife, die wir mit Kometen verbinden, existieren dort nicht.
Seit dem Durchlaufen des Aphels bewegt sich Halley nun wieder in Richtung inneres Sonnensystem. Die Reise wird Jahrzehnte dauern.
Warum hat der Halleysche Komet einen Schweif?
Der Schweif entsteht erst, wenn sich ein Komet der Sonne nähert.
Halley besteht aus einer Mischung aus gefrorenen flüchtigen Stoffen, Staub und Gesteinsmaterial. Mit zunehmender Erwärmung werden Gase freigesetzt. Sie nehmen Staubpartikel von der Oberfläche mit und erzeugen zunächst die Koma.
Aus diesem Material können anschließend unterschiedliche Schweife entstehen. Der Staubschweif besteht aus kleinen festen Teilchen und erscheint häufig gebogen. Der Ionenschweif besteht aus elektrisch geladenem Gas und wird durch den Sonnenwind beeinflusst.
Beide Schweife zeigen grundsätzlich von der Sonne weg. Ein Komet zieht seinen Schweif daher nicht wie eine Rauchfahne einfach hinter sich her. Nach dem Vorbeiflug an der Sonne kann der Schweif aus Bewegungsrichtung des Kometen betrachtet sogar scheinbar vor ihm liegen.
Hat der Halleysche Komet etwas mit Sternschnuppen zu tun?
Obwohl Halley erst 2061 selbst zurückkehrt, begegnet die Erde seinem Material jedes Jahr.
Der Komet hinterlässt entlang seiner Bahn Staubpartikel. Wenn die Erde entsprechende Bereiche dieser Staubspur durchquert, dringen die kleinen Teilchen mit hoher Geschwindigkeit in unsere Atmosphäre ein und verglühen. Wir sehen sie als Meteore beziehungsweise Sternschnuppen.
Halley ist mit gleich zwei bekannten Meteorströmen verbunden: den Eta-Aquariiden im Frühjahr und den Orioniden im Herbst.
Damit hinterlässt der Komet jedes Jahr sichtbare Spuren am Erdhimmel, obwohl sich sein Kern selbst Milliarden Kilometer entfernt befinden kann.
Wer heute einen Orioniden oder Eta-Aquariiden beobachtet, sieht also winziges Material, das irgendwann vom Halleyschen Kometen freigesetzt wurde.
Wird Halley 2061 wieder von Raumsonden besucht?
Konkrete zukünftige Missionen müssen von Raumfahrtagenturen beschlossen, finanziert und entwickelt werden. Wissenschaftler beschäftigen sich jedoch bereits mit der Frage, wie die außergewöhnliche Gelegenheit von 2061 genutzt werden könnte.
2025 wurde beispielsweise ein wissenschaftliches Konzept für eine Rendezvousmission vorgestellt. Anders als Giotto, das 1986 nur für kurze Zeit am Kometen vorbeiflog, könnte ein zukünftiges Raumfahrzeug Halley bereits weit draußen im Sonnensystem erreichen und ihn mehrere Jahre lang während seiner zunehmenden Aktivität begleiten. Die Autoren weisen darauf hin, dass eine solche Mission lange vor der eigentlichen Rückkehr vorbereitet und gestartet werden müsste.
Das wissenschaftliche Interesse wäre enorm. Moderne Instrumente könnten Zusammensetzung, Oberfläche und Gasentwicklung sehr viel genauer untersuchen als 1986. Insbesondere ließe sich verfolgen, wie ein lange gefrorener Komet auf seinem Weg zur Sonne allmählich erwacht.
Ob eine solche Mission tatsächlich stattfinden wird, ist derzeit jedoch offen.
Warum ist der Halleysche Komet so berühmt?
Halley ist keineswegs der größte bekannte Komet und auch nicht derjenige, der der Erde gewöhnlich am nächsten kommt. Seine besondere Stellung hat andere Gründe.
Er war der erste Komet, dessen regelmäßige Wiederkehr korrekt vorhergesagt wurde. Historische Beobachtungen lassen sich über mehr als zwei Jahrtausende miteinander verbinden. Generationen von Menschen haben denselben Himmelskörper gesehen, ohne zunächst zu wissen, dass er immer wiederkehrt.
Hinzu kommt seine wissenschaftliche Bedeutung. An Halley zeigte sich, dass Kometen keine unberechenbaren Erscheinungen am Himmel sind, sondern Körper des Sonnensystems, deren Bahnen den Gesetzen der Gravitation folgen. 1986 wurde er schließlich zu einem der ersten Kometen, deren Kern aus unmittelbarer Nähe fotografiert werden konnte.
Seine nächste Rückkehr 2061 wird deshalb mehr sein als nur das Auftauchen eines hellen Kometen.
Wenn Halley erneut in den inneren Bereich des Sonnensystems fliegt, wird seit seinem letzten Besuch ungefähr ein Menschenleben vergangen sein. Die Teleskope werden andere sein, die Raumfahrt wird sich verändert haben und eine neue Generation wird zum Himmel schauen.
Der Komet dagegen folgt weiter derselben lang gestreckten Bahn, auf der Menschen ihn schon vor mehr als zweitausend Jahren beobachteten. 1986 verabschiedete er sich wieder in die Dunkelheit des äußeren Sonnensystems. Seit Ende 2023 ist er auf dem Rückweg.
2061 kommt Halley wieder.
Quellen
▪︎ NASA Science – 1P/Halley
▪︎ European Space Agency – Giotto-Mission und Begegnung mit dem Halleyschen Kometen
▪︎ ESA – Revisiting an Old Friend, wissenschaftliche Ergebnisse der Giotto-Mission
▪︎ NASA und Jet Propulsion Laboratory – Bahndaten und historische Beobachtungen von 1P/Halley
▪︎ Barbieri et al. – Preparing for the 2061 return of Halley’s comet, Konzept einer zukünftigen Rendezvousmission
