Parker Solar Probe Wie nah kommt die Raumsonde der Sonne

Die Parker Solar Probe fliegt dort, wo noch nie zuvor ein Raumfahrzeug gewesen ist. Bei ihren engsten Vorbeiflügen trennten sie zuletzt nur rund 6,2 Millionen Kilometer von der sichtbaren Oberfläche der Sonne. Dabei erreichte sie eine Geschwindigkeit von etwa 687.000 Kilometern pro Stunde und wurde damit zugleich zum schnellsten von Menschen gebauten Objekt. Seit Dezember 2024 wiederholt die Sonde diese extrem nahen Passagen regelmäßig. Auch beim 28. Sonnenvorbeiflug am 8. Juni 2026 erreichte sie erneut den Rekordabstand. Die Raumsonde ist weiterhin in Betrieb und sammelt Daten innerhalb der äußeren Sonnenatmosphäre.

Das Ziel der Mission ist jedoch nicht der Rekord selbst. Parker Solar Probe soll Fragen beantworten, die Sonnenforscher seit Jahrzehnten beschäftigen: Warum ist die Korona der Sonne viel heißer als ihre sichtbare Oberfläche? Wie entsteht der Sonnenwind? Und wie werden Teilchen auf enorme Geschwindigkeiten beschleunigt? Um das herauszufinden, reicht es nicht, die Sonne aus sicherer Entfernung zu beobachten. Parker muss direkt in jene Region hineinfliegen, in der diese Prozesse stattfinden.

Wie nah kommt Parker Solar Probe wirklich an die Sonne?

Der Rekordabstand beträgt etwa 3,8 Millionen Meilen beziehungsweise rund 6,2 Millionen Kilometer über der Sonnenoberfläche. Vom Mittelpunkt der Sonne aus gerechnet befindet sich die Sonde dabei ungefähr 6,9 Millionen Kilometer entfernt. Zum Vergleich: Die Erde kreist in einem mittleren Abstand von rund 150 Millionen Kilometern um die Sonne, Merkur durchschnittlich in etwa 58 Millionen Kilometern Entfernung. Parker Solar Probe bewegt sich bei ihrem Perihel – dem sonnennächsten Punkt ihrer Umlaufbahn – also weit innerhalb der Merkurbahn.

Erstmals erreichte die Sonde diesen extremen Abstand am 24. Dezember 2024. Danach wiederholte sie den Rekord bei weiteren Umläufen. 2025 geschah dies im März, Juni, September und Dezember; 2026 folgten weitere Passagen im März und Juni. Beim Vorbeiflug am 8. Juni 2026 meldete NASA anschließend einen normalen Zustand des Raumfahrzeugs. Parker bleibt auf dieser engen Bahn und soll weiterhin die Sonnenatmosphäre während unterschiedlicher Phasen der Sonnenaktivität beobachten.

Warum fliegt Parker Solar Probe nicht direkt in die Sonne?

So leistungsfähig eine Rakete auch sein mag: Eine Raumsonde von der Erde einfach direkt zur Sonne zu schicken, ist überraschend schwierig. Der Grund liegt in der Bewegung der Erde. Unser Planet umkreist die Sonne mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 30 Kilometern pro Sekunde. Ein von der Erde gestartetes Raumfahrzeug übernimmt zunächst einen großen Teil dieser seitlichen Geschwindigkeit.

Um tief in das innere Sonnensystem zu gelangen, muss Parker Solar Probe deshalb sehr viel Bewegungsenergie abbauen. Dabei half die Venus. Die Sonde nutzte insgesamt sieben Vorbeiflüge an unserem Nachbarplaneten, um ihre Umlaufbahn schrittweise zu verändern und immer näher an die Sonne heranzukommen. Jeder dieser sogenannten Gravity Assists verringerte einen Teil der Bahngeschwindigkeit relativ zur Sonne und verkleinerte den sonnennächsten Punkt der Umlaufbahn.

Auf diese Weise entstand nicht eine direkte Flugbahn in Richtung Sonne, sondern eine stark elliptische Umlaufbahn. Parker rast immer wieder an der Sonne vorbei, entfernt sich anschließend erneut und kehrt Monate später zum nächsten Perihel zurück.

Wie schnell ist Parker Solar Probe?

Bei ihren engsten Sonnenpassagen erreicht Parker Solar Probe etwa 430.000 Meilen pro Stunde beziehungsweise rund 687.000 Kilometer pro Stunde. Damit hält sie den Geschwindigkeitsrekord für von Menschen gebaute Objekte.

Diese Geschwindigkeit entsteht vor allem durch die Gravitation der Sonne. Je tiefer die Sonde in deren Schwerefeld fällt, desto schneller wird sie. Nach dem Perihel steigt Parker auf ihrer elliptischen Bahn wieder nach außen und wird erneut langsamer.

Die enorme Geschwindigkeit ist auch wissenschaftlich wichtig. Die Sonde durchquert die unmittelbare Sonnenumgebung innerhalb kurzer Zeit und misst dabei Veränderungen von Magnetfeldern, Plasma und Teilchen direkt vor Ort. Anders als Teleskope auf der Erde oder Raumsonden in größerer Entfernung beobachtet Parker die Vorgänge nicht nur aus der Ferne, sondern fliegt mitten durch sie hindurch.

Ist Parker Solar Probe wirklich in die Sonne geflogen?

Die Formulierung, Parker Solar Probe habe „die Sonne berührt“, klingt zunächst ungewöhnlich. Schließlich besitzt die Sonne keine feste Oberfläche, auf der eine Raumsonde landen könnte. Gemeint ist vielmehr, dass Parker erstmals eine wichtige Grenze in der Sonnenatmosphäre überschritten hat.

Im April 2021 durchquerte die Sonde die sogenannte Alfvén-Grenze. Innerhalb dieser Region ist das Plasma noch so stark an das Magnetfeld der Sonne gebunden, dass magnetische und andere Störungen zur Sonne zurückwirken können. Außerhalb dieser Grenze bewegt sich der Sonnenwind dagegen schnell genug nach außen, dass er sich von der Sonne löst und in das Sonnensystem strömt.

NASA gab im Dezember 2021 bekannt, dass Parker diese Grenze erstmals überschritten und damit direkt durch die Korona geflogen war. Es war das erste Mal, dass ein Raumfahrzeug Messungen innerhalb dieser Region der Sonnenatmosphäre vorgenommen hatte.

Die Grenze ist dabei keine gleichmäßige Kugelschale. Parker-Daten haben gezeigt, dass sie räumlich stark strukturiert ist und sich abhängig von der Sonnenaktivität verändert. Spätere Messungen ermöglichten es Forschern, diese äußere Grenze der Sonnenatmosphäre deutlich genauer zu kartieren.

Warum verbrennt die Raumsonde nicht?

Bei einer Entfernung von nur wenigen Millionen Kilometern zur Sonnenoberfläche ist Parker einer gewaltigen Strahlungsintensität ausgesetzt. Der entscheidende Schutz ist das Thermal Protection System, ein rund 11,4 Zentimeter dicker Hitzeschild aus einem leichten Kohlenstoff-Verbundmaterial. Sein Durchmesser beträgt ungefähr 2,4 Meter.

Die der Sonne zugewandte Seite kann Temperaturen von etwa 1.370 Grad Celsius erreichen. Hinter dem Schild bleiben Raumsonde und Instrumente dagegen in einer für Elektronik beherrschbaren Umgebung. Ein großer Teil des Raumfahrzeugs befindet sich permanent im Schatten des Schutzschildes.

Damit das funktioniert, muss Parker extrem genau ausgerichtet bleiben. Sensoren entlang des Schildrandes erkennen, falls Sonnenlicht Bereiche erreicht, die eigentlich im Schatten liegen sollten. Die Bordcomputer können die Sonde daraufhin selbstständig korrigieren. Diese Autonomie ist notwendig, weil Parker während der engsten Sonnenpassagen nicht in Echtzeit von der Erde gesteuert werden kann.

Auch die Solarzellen benötigen besonderen Schutz. Bei größerer Entfernung von der Sonne werden sie vollständig ausgefahren. Während der engsten Vorbeiflüge zieht Parker einen großen Teil der Flächen hinter den Hitzeschild zurück. Der verbleibende Teil wird durch ein Wasserkühlsystem gekühlt.

Warum ist die Sonnenkorona heißer als die Sonnenoberfläche?

Eine der wichtigsten Fragen der Mission betrifft ein scheinbares Paradox. Die sichtbare Oberfläche der Sonne, die Photosphäre, besitzt eine Temperatur von ungefähr 5.500 Grad Celsius. In der darüberliegenden Korona steigen die Temperaturen dagegen auf mehr als eine Million Grad.

Normalerweise würde man erwarten, dass es mit zunehmender Entfernung von einer Wärmequelle kühler wird. Bei der Sonne geschieht in ihrer Atmosphäre jedoch das Gegenteil.

Forscher vermuten seit Langem, dass Magnetfelder, Wellen und turbulente Bewegungen Energie aus tieferen Schichten der Sonne in die Korona transportieren und dort an das Plasma abgeben. Welche Mechanismen dabei dominieren und wie genau die Energie verteilt wird, gehört zu den zentralen offenen Fragen der Sonnenphysik.

Parker Solar Probe misst deshalb elektrische und magnetische Felder, Wellen sowie die Bewegung verschiedener Teilchen unmittelbar in der Korona und im jungen Sonnenwind. Aktuelle wissenschaftliche Arbeiten zeigen, dass die Mission unter anderem wichtige Daten zu Wellenprozessen, Turbulenz und Teilchenheizung geliefert hat.

Was hat Parker Solar Probe über den Sonnenwind entdeckt?

Der Sonnenwind besteht aus elektrisch geladenen Teilchen, die ständig von der Sonne abströmen und schließlich das gesamte Sonnensystem durchziehen. Schon 1958 hatte der amerikanische Astrophysiker Eugene Parker theoretisch vorhergesagt, dass die Sonne einen solchen dauerhaften Teilchenstrom erzeugen müsse. Nach ihm wurde die Raumsonde benannt.

Die ersten Messungen von Parker Solar Probe zeigten, dass der junge Sonnenwind wesentlich unruhiger und strukturierter ist als erwartet. Besonders auffällig waren plötzliche Umkehrungen des Magnetfeldes, sogenannte Switchbacks. Dabei klappt die Richtung des Magnetfeldes kurzfristig um, bevor sie wieder in ihre ursprüngliche Orientierung zurückkehrt.

Diese Strukturen treten gemeinsam mit schnellen Plasmaausbrüchen auf und könnten wichtige Hinweise darauf liefern, wie der Sonnenwind beschleunigt wird. Untersuchungen deuten darauf hin, dass magnetische Rekonnexion – das Aufbrechen und erneute Verbinden von Magnetfeldlinien – eine Rolle bei der Entstehung bestimmter schneller Sonnenwindstrukturen spielt.

Je näher Parker an die Sonne gelangt, desto weniger Zeit hatten diese Strukturen, sich auf ihrem Weg durch das Sonnensystem zu verändern. Die Sonde kann den Sonnenwind deshalb gewissermaßen in einem jüngeren Zustand beobachten als Messstationen in Erdnähe.

Welche Instrumente besitzt Parker Solar Probe?

An Bord befinden sich vier wissenschaftliche Instrumentenpakete. FIELDS misst elektrische und magnetische Felder sowie elektromagnetische Wellen. SWEAP untersucht Elektronen, Protonen und andere Bestandteile des Sonnenwindplasmas. ISʘIS erfasst energiereiche Teilchen, während WISPR mit Kameras Strukturen in der Korona und im inneren Sonnensystem sichtbar macht.

Gemeinsam erlauben diese Instrumente eine ungewöhnliche Kombination: Parker kann Strukturen fotografieren und kurze Zeit später teilweise direkt durch dieselben Regionen fliegen und die dortigen Teilchen und Felder messen. Die Mission verbindet damit Fernerkundung und unmittelbare Messungen in der Sonnenatmosphäre.

Warum ist die Erforschung der Sonne für die Erde wichtig?

Die Prozesse, die Parker untersucht, bleiben nicht auf die unmittelbare Umgebung der Sonne beschränkt. Sonnenwind, Sonneneruptionen und koronale Massenauswürfe können die Erde erreichen und dort sogenanntes Weltraumwetter verursachen.

Starke Ereignisse können Satelliten beeinflussen, Funkverbindungen und Navigationssysteme stören und in extremen Fällen elektrische Stromnetze belasten. Für Astronauten außerhalb des schützenden Magnetfeldes der Erde stellen energiereiche Teilchen zudem ein Strahlungsrisiko dar. Ein besseres Verständnis der Entstehung und Beschleunigung solcher Teilchen kann langfristig helfen, Weltraumwetter genauer vorherzusagen.

Gerade die Nähe zur Sonne ist dabei entscheidend. In Erdnähe sind Sonnenwind und Magnetfelder bereits über Millionen Kilometer verändert und miteinander vermischt worden. Parker untersucht sie dort, wo viele dieser Strukturen entstehen.

Wie lange bleibt Parker Solar Probe noch aktiv?

Nach dem ursprünglichen Missionsplan sollte Parker 24 Sonnenumläufe absolvieren. Inzwischen hat die Raumsonde diese Zahl übertroffen. Am 8. Juni 2026 absolvierte sie bereits ihren 28. engen Sonnenvorbeiflug. NASA meldete anschließend, dass die Systeme weiterhin normal arbeiteten und der Hitzeschild keine erkennbaren Anzeichen einer fortschreitenden thermischen Schädigung zeigte.

Die Sonde bleibt auf ihrer derzeitigen engen Umlaufbahn. NASA prüft derzeit die weiteren Missionsschritte für Ende 2026 und darüber hinaus. Solange Raumfahrzeug und Instrumente funktionieren und eine Fortsetzung wissenschaftlich sowie technisch sinnvoll bleibt, können weitere Sonnenbeobachtungen folgen.

Damit hat Parker Solar Probe ihr ursprünglich geplantes Forschungsprogramm bereits in eine außergewöhnliche Langzeitbeobachtung verwandelt. Sie startete 2018 nahe einem Minimum des ungefähr elfjährigen Sonnenzyklus und konnte die Atmosphäre unseres Sterns anschließend bis in die wesentlich aktivere Phase des Sonnenmaximums verfolgen.

Wie nah kann ein Raumfahrzeug der Sonne überhaupt kommen?

Parker Solar Probe zeigt, dass die Grenze weniger durch eine einzelne Temperatur als durch die gesamte thermische und strahlungsbedingte Belastung bestimmt wird. Die Korona ist zwar Millionen Grad heiß, besitzt aber eine extrem geringe Teilchendichte. Deshalb würde ein Gegenstand dort nicht allein aufgrund der angegebenen Gastemperatur sofort auf mehrere Millionen Grad erhitzt. Für die Raumsonde ist vor allem die intensive Strahlung der Sonne entscheidend.

Der Hitzeschild, die genaue Ausrichtung, das Kühlsystem und die stark elliptische Bahn machen die rekordnahen Passagen möglich. Noch wesentlich näher zu fliegen wäre technisch schwieriger, weil die Strahlungsleistung mit abnehmendem Abstand stark zunimmt. Gleichzeitig müsste eine Sonde weitere Bahngeschwindigkeit abbauen, um ihr Perihel noch stärker abzusenken.

Parker Solar Probe wurde genau für die heutige Rekordbahn konstruiert. Rund 6,2 Millionen Kilometer über der Sonnenoberfläche bewegt sie sich durch eine Region, die lange nur theoretisch untersucht werden konnte. Dort misst sie Magnetfelder, Plasma und energiereiche Teilchen direkt an ihrem Entstehungsort.

Der entscheidende Rekord der Mission besteht deshalb nicht darin, der Sonne möglichst nahe zu kommen. Parker hat eine Grenze zwischen Beobachtung und direkter Erkundung überschritten. Seit 2021 fliegt ein von Menschen gebautes Raumfahrzeug tatsächlich durch die Atmosphäre unseres Sterns – und seit Dezember 2024 nähert es sich seiner Oberfläche bis auf rund 6,2 Millionen Kilometer.

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Quellen
▪︎ NASA – Parker Solar Probe Mission und Missionsstatus
▪︎ NASA Goddard Space Flight Center – Parker Solar Probe und Sonnenvorbeiflüge 2024 bis 2026
▪︎ Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory – Raumsonde, Hitzeschild und Missionsbetrieb
▪︎ Bale et al., Nature – Struktur des jungen Sonnenwinds und magnetische Switchbacks
▪︎ Kasper et al., Nature – Plasma und Bewegung des Sonnenwinds nahe der Sonne
▪︎ Bale et al., Nature – Magnetische Rekonnexion als Quelle schnellen Sonnenwinds
▪︎ Raouafi et al., Space Science Reviews – Parker Solar Probe und wissenschaftliche Missionsziele
▪︎ Nature Communications – Aktuelle Ergebnisse zur Sonnenkorona, Teilchenheizung und Sonnenwindphysik