Beweisen Flugrouten eine flache Erde

Auf manchen Weltkarten sehen Flugrouten merkwürdig aus. Ein Flug von Europa nach Nordamerika verläuft scheinbar in einem großen Bogen nach Norden. Verbindungen zwischen weit auseinanderliegenden Städten scheinen Umwege zu machen, und manche Strecken führen auf der Karte deutlich weiter in Richtung Arktis, als man erwarten würde.

Für Anhänger der Flat-Earth-Vorstellung ist das ein bekanntes Argument: Angeblich würden Flugzeuge auf einer kugelförmigen Erde unnötige Umwege fliegen. Auf einer flachen Karte dagegen, so die Behauptung, ergäben bestimmte Strecken plötzlich Sinn.

Das Problem dabei liegt weniger bei den Flugrouten als bei den Karten.

Eine Kugel lässt sich nicht ohne Verzerrung ausbreiten

Jede Weltkarte versucht, die Oberfläche eines annähernd kugelförmigen Planeten auf eine flache Fläche zu übertragen. Das geht nicht, ohne etwas zu verzerren.

Je nach Kartenprojektion werden Flächen, Winkel, Entfernungen oder Formen unterschiedlich stark verändert. Besonders bekannt ist die Mercator-Projektion, die seit Jahrhunderten für Navigation verwendet wird. Auf ihr erscheinen Gebiete in hohen nördlichen und südlichen Breiten deutlich größer, als sie tatsächlich sind.

Grönland wirkt auf solchen Karten fast so groß wie Afrika. In Wirklichkeit ist Afrika jedoch rund vierzehnmal größer.

Auch Entfernungen lassen sich auf einer solchen Karte deshalb nicht einfach mit einem Lineal beurteilen. Eine Linie, die auf Papier wie der kürzeste Weg aussieht, muss auf der Erdoberfläche keineswegs die kürzeste Verbindung sein.

Der kürzeste Weg sieht häufig gebogen aus

Auf einer Kugel verläuft die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten entlang eines sogenannten Großkreises.

Das klingt komplizierter, als es ist. Ein Großkreis entsteht, wenn man die Erde mit einer gedachten Ebene so schneidet, dass diese Ebene durch den Erdmittelpunkt verläuft. Der Äquator ist ein Beispiel dafür.

Viele Langstreckenflüge orientieren sich grundsätzlich an solchen Großkreisrouten. Auf einer flachen Weltkarte erscheinen diese Verbindungen häufig gebogen, obwohl sie auf der Erdoberfläche gerade die kürzeste Strecke darstellen.

Deshalb führt ein Flug zwischen Europa und der Westküste Nordamerikas auf Karten oft auffällig weit nach Norden. Das Flugzeug macht dabei nicht zwangsläufig einen Umweg. Die Karte vermittelt lediglich diesen Eindruck.

Warum fliegen Flugzeuge nicht immer die kürzeste Strecke?

Selbst eine theoretisch perfekte Großkreisroute wird in der Praxis nicht immer exakt geflogen.

Fluggesellschaften müssen zahlreiche weitere Faktoren berücksichtigen. Dazu gehören Windverhältnisse, Wetter, Luftraumbeschränkungen, militärische Sperrgebiete, politische Konflikte, verfügbare Flughäfen und die Organisation des internationalen Luftverkehrs.

Besonders der Wind kann eine Strecke erheblich verändern. In großer Höhe verlaufen starke Luftströmungen, die sogenannten Jetstreams. Ein Flugzeug kann davon profitieren, wenn es mit ihnen fliegt, oder versuchen, besonders starke Gegenwinde zu vermeiden.

Dadurch kann eine Strecke auf der Karte länger aussehen, in der Realität aber Zeit und Treibstoff sparen.

Flugrouten sind deshalb keine einfachen geometrischen Linien zwischen Start und Ziel.

Manche vermeintlichen Umwege haben einen anderen Grund

Ein weiteres Argument betrifft Flüge auf der Südhalbkugel. In Flat-Earth-Diskussionen wird gelegentlich darauf hingewiesen, dass Direktverbindungen zwischen bestimmten Städten selten seien oder über weit entfernte Drehkreuze führten.

Doch auch daraus lässt sich die Form der Erde nicht ableiten.

Fluggesellschaften richten Strecken nicht danach ein, welche Verbindung geometrisch interessant wäre. Entscheidend ist vor allem, ob genügend Passagiere vorhanden sind, ob sich eine Verbindung wirtschaftlich lohnt und welche Flughäfen als große Drehkreuze dienen.

Ein Flug von einer Stadt in Südamerika zu einer Stadt in Afrika kann deshalb über Europa oder ein anderes Drehkreuz führen, obwohl dies geografisch nicht der kürzeste Weg ist.

Das ist eine wirtschaftliche Entscheidung, kein geometrischer Beweis.

Auch Notlandungen werden als Argument genannt

Immer wieder tauchen Geschichten über Flugzeuge auf, die wegen medizinischer Notfälle oder technischer Probleme auf Flughäfen landen mussten, die auf einer gewöhnlichen Weltkarte scheinbar weit abseits der eigentlichen Route liegen.

Solche Fälle werden anschließend manchmal auf eine Flat-Earth-Karte übertragen. Dort scheint der Ausweichflughafen plötzlich näher an der Flugroute zu liegen.

Doch auch dieses Argument hängt stark davon ab, welche Kartenprojektion verwendet wird.

Ein Flugzeug wählt bei einem Notfall nicht automatisch den Flughafen, der auf einer zweidimensionalen Karte optisch am nächsten liegt. Entscheidend sind tatsächliche Entfernung, Wetter, Landebahnlänge, technische Möglichkeiten, Treibstoff, medizinische Versorgung und die Frage, welcher Flughafen für den jeweiligen Flugzeugtyp geeignet ist.

Aus einer einzelnen Notlandung lässt sich deshalb keine Aussage über die Form der Erde ableiten.

Warum wirken Flat-Earth-Karten trotzdem manchmal überzeugend?

Viele Darstellungen einer flachen Erde ähneln einer sogenannten azimutalen äquidistanten Projektion. Bei dieser Kartenform liegt häufig der Nordpol in der Mitte, während die Kontinente ringförmig darum angeordnet werden.

Diese Projektion existiert tatsächlich und wird auch für seriöse Zwecke verwendet. Sie ist jedoch keine Abbildung einer flachen Erde, sondern eine Möglichkeit, die kugelförmige Erdoberfläche auf einer Ebene darzustellen.

Entfernungen vom Mittelpunkt der Karte können dabei korrekt wiedergegeben werden. Je weiter man sich jedoch vom Zentrum entfernt, desto stärker werden andere Entfernungen und Formen verzerrt.

Gerade auf der Südhalbkugel entstehen dadurch enorme Abweichungen.

Eine Karte kann deshalb einzelne Flugrouten sehr überzeugend aussehen lassen und gleichzeitig andere Strecken völlig falsch darstellen.

Flugrouten sind kein Geheimcode

Flugrouten beweisen weder für sich allein eine kugelförmige noch eine flache Erde. Sie ergeben sich aus Geometrie, Wetter, Luftverkehr und wirtschaftlichen Entscheidungen.

Was auf einer flachen Weltkarte wie ein Umweg aussieht, kann auf der Erdoberfläche die kürzeste Verbindung sein. Was geografisch die kürzeste Strecke wäre, kann wiederum aus praktischen Gründen gar nicht geflogen werden.

Genau deshalb eignet sich eine einzelne Linie auf einer Weltkarte schlecht als Beweis.

Wer Flugrouten beurteilen möchte, muss zuerst verstehen, was die verwendete Karte mit der Erdoberfläche gemacht hat.

Manchmal liegt das Rätsel nämlich nicht am Himmel. Sondern auf dem Papier.

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Quellen
▪︎ International Civil Aviation Organization – Air Navigation
▪︎ Federal Aviation Administration – Air Traffic and Flight Planning
▪︎ National Oceanic and Atmospheric Administration – Map Projections
▪︎ United States Geological Survey – Map Projections
▪︎ National Geospatial-Intelligence Agency – Geodesy and Navigation
▪︎ Encyclopaedia Britannica – Great Circle Route
▪︎ World Meteorological Organization – Jet Streams
▪︎ International Air Transport Association – Airline Route Planning