Unter den Geschichten rund um Area 51 gehören zwei Behauptungen zu den außergewöhnlichsten: Die amerikanische Regierung soll Körper außerirdischer Wesen geborgen haben – und sie soll sogar mit Außerirdischen in Kontakt gestanden oder geheime Abkommen mit ihnen geschlossen haben. In manchen Versionen werden Leichen nach Flugzeug- oder UFO-Abstürzen untersucht, in anderen leben fremde Wesen in abgeschirmten militärischen Einrichtungen. Noch weiter gehen Erzählungen, nach denen amerikanische Präsidenten persönlich in geheime Kontakte eingeweiht worden seien.
Für diese Behauptungen gibt es bis heute keine belastbaren Beweise. Dennoch sind sie nicht einfach aus dem Nichts entstanden. Einzelne reale Ereignisse, geheime Militärprogramme, widersprüchliche Erinnerungen, zweifelhafte Dokumente und jahrzehntelange Weitererzählungen haben sich zu einer eigenen Geschichte verbunden. Gerade weil amerikanische Behörden tatsächlich militärische Projekte geheim hielten, konnten wesentlich weitergehende Vorstellungen plausibel erscheinen.
Woher stammt das Gerücht über geborgene außerirdische Körper?
Die bekannteste Grundlage bildet der Roswell-Zwischenfall von 1947. Auf einer Ranch in New Mexico wurden damals Trümmer gefunden, die das Militär zunächst öffentlich mit einer „fliegenden Scheibe“ in Verbindung brachte. Bereits kurze Zeit später wurde diese Darstellung korrigiert und von einem Ballon gesprochen.
Jahrzehnte später kamen Erzählungen hinzu, nach denen nicht nur ungewöhnliche Trümmer, sondern auch Körper geborgen worden seien. Einige Zeugen berichteten rückblickend von kleinen humanoiden Wesen, ungewöhnlichen Leichnamen oder geheimen Transporten. Diese Aussagen wurden zu einem zentralen Bestandteil der späteren Roswell-Geschichte.
Die US Air Force untersuchte die Behauptungen in den 1990er-Jahren erneut. Nach ihrer Darstellung stammten die 1947 geborgenen Trümmer von Project Mogul, einem geheimen Ballonprogramm zur Überwachung möglicher sowjetischer Atomtests. Berichte über angebliche Körper führte die Air Force unter anderem auf später durchgeführte Tests mit menschenähnlichen Dummys sowie auf tatsächliche Flugunfälle zurück, deren Erinnerungen sich im Laufe der Jahrzehnte mit der Roswell-Erzählung vermischt haben könnten.
Ein überprüfbarer physischer Nachweis für außerirdische Körper wurde aus Roswell bis heute nicht vorgelegt.
Wie kamen die angeblichen Körper nach Area 51?
Die Verbindung zwischen Roswell und Area 51 entstand erst später. Historisch gehören die beiden Orte zunächst nicht zusammen. Roswell liegt in New Mexico und der Zwischenfall ereignete sich 1947. Groom Lake in Nevada wurde erst Mitte der 1950er-Jahre als geheimer Teststandort für die U-2 aufgebaut.
Innerhalb der UFO-Erzählungen passten beide Geschichten jedoch hervorragend zusammen. Wenn 1947 tatsächlich ein fremdes Fluggerät geborgen worden wäre, musste es irgendwo untersucht und verborgen worden sein. Ein abgeschirmtes militärisches Gelände wie Area 51 erschien dafür als idealer Ort.
So entwickelte sich die Vorstellung, dass außerirdische Körper oder Trümmer irgendwann nach Nevada gebracht worden seien. Spätere Geschichten erweiterten diese Idee immer weiter. Angeblich sollten nicht nur tote Wesen dort aufbewahrt werden, sondern teilweise auch lebende Außerirdische.
Für solche Transporte oder die Lagerung nichtmenschlicher Körper in Area 51 existieren keine öffentlich überprüfbaren Belege. Die CIA beschreibt die historisch dokumentierte Nutzung des Standortes vor allem im Zusammenhang mit geheimen Aufklärungsflugzeugen wie der U-2 und der A-12 OXCART und weist die Geschichten über dort gelagerte Außerirdische zurück.
Majestic 12: Die angebliche Geheimgruppe hinter dem UFO-Wissen
Eine der wichtigsten Geschichten über eine staatliche Vertuschung trägt den Namen Majestic 12 oder MJ-12. Angeblich handelte es sich um eine streng geheime Gruppe hochrangiger Militärs, Wissenschaftler und Regierungsvertreter, die nach dem Roswell-Zwischenfall eingerichtet worden sei, um geborgene außerirdische Technologie und Körper zu untersuchen.
Bekannt wurde die Geschichte durch angeblich geheime Dokumente, die in den 1980er-Jahren auftauchten. Darin wurde behauptet, Präsident Harry S. Truman habe nach einem UFO-Absturz eine zwölfköpfige Sondergruppe eingerichtet. Ein weiteres Papier sollte eine spätere Unterrichtung von Präsident Dwight D. Eisenhower dokumentieren.
Auf den ersten Blick besaßen die Unterlagen genau jene Eigenschaften, die man von einem Geheimdokument erwarten würde: Namen hochrangiger Regierungsvertreter, Klassifizierungsvermerke und Hinweise auf streng vertrauliche Operationen.
Bei näherer Prüfung traten jedoch erhebliche Probleme auf. Das FBI untersuchte das Material, nachdem Kopien des angeblich hochklassifizierten Dokuments bei mehreren Dienststellen eingegangen waren. Die Air Force bewertete die Unterlagen als Fälschung. Auch das Government Accountability Office fand keine Belege dafür, dass die entsprechenden Papiere tatsächlich aus der US-Regierung stammten.
Die National Archives suchten zudem in Beständen des Verteidigungsministeriums, der Joint Chiefs of Staff, des National Security Council sowie in den Präsidentenbibliotheken nach Hinweisen auf MJ-12. Dabei fanden sich keine Unterlagen, die die behauptete Organisation bestätigten. Verschiedene formale Auffälligkeiten an den bekannten Dokumenten verstärkten die Zweifel an ihrer Echtheit.
Trotzdem wurde Majestic 12 zu einem der wichtigsten Bausteine der Vorstellung, die amerikanische Regierung verfüge seit 1947 über ein geheimes UFO-Programm.
Hat Präsident Eisenhower Außerirdische getroffen?
Noch spektakulärer ist eine Geschichte, die Dwight D. Eisenhower betrifft. Danach soll der amerikanische Präsident während seiner Amtszeit persönlich mit außerirdischen Wesen zusammengetroffen sein.
Häufig wird dabei auf eine Reise Eisenhowers nach Kalifornien im Februar 1954 verwiesen. Während seines Aufenthalts verschwand der Präsident für einige Zeit aus dem üblichen Presseprogramm. Offiziell wurde erklärt, dass er wegen eines beschädigten Zahnes einen Zahnarzt aufgesucht habe.
In späteren UFO-Erzählungen erhielt diese kurze Abwesenheit eine völlig andere Bedeutung. Eisenhower sei heimlich zu einem Militärstützpunkt gebracht worden, um dort Vertreter einer außerirdischen Zivilisation zu treffen. Je nach Version soll das Treffen auf der Edwards Air Force Base oder einem anderen militärischen Gelände stattgefunden haben.
Die Geschichte wurde im Laufe der Jahre immer weiter ausgeschmückt. Manche Varianten berichten nur von einem ersten Kontakt. Andere behaupten, Eisenhower habe mehrere Gruppen außerirdischer Besucher getroffen und über eine Zusammenarbeit verhandelt.
Zeitgenössische belastbare Unterlagen, die ein solches Treffen belegen würden, sind nicht bekannt. Auch die umfangreichen Regierungs- und Präsidentenarchive, in denen nach UFO-bezogenen Vorgängen aus dieser Zeit gesucht wurde, haben keinen entsprechenden Nachweis erbracht. Die Geschichte gehört daher zum Bereich später entstandener Behauptungen und nicht zur belegten Biografie Eisenhowers.
Das angebliche Abkommen zwischen den USA und Außerirdischen
Aus der Eisenhower-Geschichte entwickelte sich eine noch weitergehende Version: Der Präsident habe nicht nur Kontakt aufgenommen, sondern ein Abkommen mit Außerirdischen geschlossen.
Über den angeblichen Inhalt dieses Vertrages existieren zahlreiche Varianten. Häufig heißt es, die fremden Besucher hätten den Vereinigten Staaten technische Informationen oder besondere Technologien angeboten. Im Gegenzug habe die Regierung bestimmte Aktivitäten der Außerirdischen auf der Erde akzeptiert.
In besonders weitgehenden Versionen wird behauptet, die Regierung habe sogar Entführungen von Menschen geduldet, solange diese überwacht oder zahlenmäßig begrenzt blieben. Andere Erzählungen sprechen lediglich von einem Austausch wissenschaftlicher Erkenntnisse oder von der Einrichtung gemeinsamer geheimer Anlagen.
Es existiert jedoch kein authentifiziertes Regierungsdokument, das einen solchen Vertrag belegt. Ebenso fehlen überprüfbare Protokolle, technische Übergaben oder andere physische Beweise, die von einem Abkommen dieser historischen Größenordnung zu erwarten wären.
Die verschiedenen Versionen widersprechen sich zudem häufig in entscheidenden Punkten: beim Zeitpunkt des angeblichen Treffens, beim Ort, bei der Zahl der beteiligten außerirdischen Gruppen und beim Inhalt des vermeintlichen Vertrages.
Gerade diese Veränderlichkeit ist typisch für Geschichten, die über lange Zeit mündlich, in Büchern, Vorträgen und später im Internet weiterentwickelt werden.
Lebende Außerirdische in geheimen Einrichtungen
Neben angeblich geborgenen Körpern entstanden auch Geschichten über lebende Wesen, die sich in amerikanischem Gewahrsam befänden oder freiwillig mit der Regierung zusammenarbeiteten.
In unterschiedlichen Erzählungen tauchen verschiedene Bezeichnungen für diese Wesen auf. Manchmal werden sie als biologische Überlebende eines Absturzes beschrieben, manchmal als Besucher, die bewusst Kontakt aufgenommen hätten. Gelegentlich erhalten einzelne angebliche Wesen sogar Namen oder interne Bezeichnungen.
Solche Geschichten sind besonders schwer überprüfbar, weil sie fast immer innerhalb abgeschirmter militärischer Programme angesiedelt werden. Das fehlende öffentliche Wissen über tatsächlich geheime Einrichtungen wird dabei zum zentralen Bestandteil der Erzählung.
Ein belastbarer Nachweis für ein lebendes nichtmenschliches Wesen in staatlichem Gewahrsam wurde jedoch nicht veröffentlicht. Auch moderne Untersuchungen der US-Regierung haben bislang keine verifizierten Belege für den Besitz außerirdischer biologischer Überreste festgestellt.
AARO, das heutige Untersuchungsbüro des US-Verteidigungsministeriums für ungewöhnliche Phänomene, prüfte im Rahmen seiner historischen Untersuchung auch Aussagen über angeblich geborgene nichtmenschliche Technologie und biologisches Material. Dabei stieß das Büro unter anderem auf KONA BLUE, ein vorgeschlagenes Sonderprogramm, das nach Aussagen mancher Befragter angeblich der Untersuchung von „nichtmenschlichem biologischem Material“ dienen sollte. Die weitere Prüfung ergab jedoch, dass dieses Programm nie genehmigt oder eingerichtet wurde und weder entsprechendes Material noch eine Finanzierung erhielt.
Warum wirken die Geschichten trotzdem glaubwürdig?
Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass sich in diesem Themenbereich reale Geheimhaltung und unbelegte Behauptungen ständig berühren.
Die Vereinigten Staaten haben tatsächlich hochklassifizierte Programme betrieben. Area 51 war tatsächlich geheim. Aufklärungsflugzeuge wie U-2 und A-12 wurden jahrelang getestet, ohne dass die Öffentlichkeit ihre genaue Funktion kannte. Manche UFO-Beobachtungen entstanden nach späterer Einschätzung der CIA sogar unmittelbar durch solche geheimen Testflüge.
Damit entstand eine nachvollziehbare Frage: Wenn solche Programme jahrzehntelang verborgen werden konnten, warum sollte nicht auch etwas noch Bedeutenderes geheim gehalten werden können?
Die Schwierigkeit liegt darin, dass aus dieser Möglichkeit kein Beweis folgt. Die dokumentierte Geheimhaltung eines Spionageflugzeuges belegt nicht die Geheimhaltung eines außerirdischen Wesens. Ein echtes klassifiziertes Programm bestätigt kein anderes, nur behauptetes Programm.
Gerade in den Geschichten über Area 51 wird diese Grenze häufig überschritten. Die tatsächliche Existenz geheimer Projekte dient dann als indirekte Bestätigung für Geschichten, für die selbst keine überprüfbaren Belege existieren.
Was sagen die heutigen Untersuchungen?
In den vergangenen Jahren wurden die Behauptungen über geborgene UFOs, nichtmenschliche Technologie und geheime Programme erneut offiziell untersucht. AARO erhielt dafür ausdrücklich die Möglichkeit, auch hochklassifizierte Informationen und Aussagen früherer oder heutiger Regierungsmitarbeiter auszuwerten.
Der historische Bericht von 2024 kam zu dem Ergebnis, dass sich keine empirischen Belege dafür finden ließen, dass die US-Regierung oder private amerikanische Unternehmen außerirdische Technologie besitzen oder entsprechende Systeme erfolgreich nachbauen. Auch verschiedene Geschichten über angebliche geheime Programme ließen sich nach Darstellung des Büros auf andere Vorgänge, Missverständnisse oder nie realisierte Vorschläge zurückführen. AARO veröffentlicht inzwischen weiterhin Unterlagen zu untersuchten Behauptungen und UAP-Fällen.
Dass einzelne Beobachtungen ungeklärt bleiben können, wird dadurch nicht ausgeschlossen. Ein ungeklärtes Flugobjekt ist jedoch etwas anderes als ein nachgewiesenes außerirdisches Fluggerät, und ein Bericht über angebliche Körper ist noch kein physischer Nachweis ihrer Existenz.
Zwischen geheimen Akten und einer immer größeren Geschichte
Die Gerüchte über außerirdische Körper und geheime Abkommen gehören heute zu einer gewaltigen Erzählung, die sich über fast acht Jahrzehnte entwickelt hat. Roswell lieferte die Geschichte eines angeblichen Absturzes. Majestic 12 lieferte eine vermeintliche geheime Organisation. Eisenhower wurde zum Präsidenten, der angeblich persönlich Kontakt aufnahm. Area 51 wurde schließlich zum Ort, an dem sich all diese Geheimnisse verbergen ließen.
Viele dieser Elemente entstanden jedoch zu unterschiedlichen Zeiten und wurden erst nachträglich miteinander verbunden.
Dort, wo überprüfbare Dokumente existieren, ergibt sich bislang kein Nachweis für geborgene außerirdische Körper oder staatliche Abkommen mit fremden Zivilisationen. Einige der vermeintlich wichtigsten Beweisstücke – insbesondere die bekannten Majestic-12-Dokumente – hielten einer Überprüfung nicht stand.
Das macht die Geschichten nicht weniger faszinierend. Es verändert lediglich ihre Einordnung. Sie erzählen weniger darüber, was nachweislich hinter den Mauern geheimer Militäranlagen geschah, als darüber, wie wirkungsvoll eine Mischung aus tatsächlicher Geheimhaltung, ungeklärten Beobachtungen und dem Wunsch nach einer außergewöhnlichen Erklärung werden kann.
Die Vorstellung, dass irgendwo ein Dokument, ein Körper oder ein Vertrag verborgen liegt, der alles verändern würde, gehört deshalb bis heute zu den mächtigsten Bestandteilen des Area-51-Mythos. Gefunden wurde ein solcher Beweis bislang nicht.
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Quellen
▪︎ U.S. Air Force – The Roswell Report: Fact versus Fiction in the New Mexico Desert
▪︎ Federal Bureau of Investigation – Unterlagen zu Majestic 12
▪︎ National Archives and Records Administration – Project Blue Book und Majestic-12-Unterlagen
▪︎ U.S. Government Accountability Office – Untersuchung der Majestic-12-Dokumente
▪︎ All-domain Anomaly Resolution Office – Historical Record Report, Volume 1
▪︎ All-domain Anomaly Resolution Office – Unterlagen zu KONA BLUE
▪︎ Central Intelligence Agency – historische Dokumentation zu Area 51, U-2 und A-12 OXCART

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