Bob Lazar und S-4 Die Geschichte hinter den Geruechten

Im Jahr 1989 bekam der Mythos um Area 51 eine Figur, die ihn bis heute prägt: Bob Lazar. Der damals weitgehend unbekannte Amerikaner behauptete im Fernsehen, an einem geheimen Standort südlich von Groom Lake gearbeitet zu haben. Dort, so seine Geschichte, habe die US-Regierung mehrere Fluggeräte außerirdischer Herkunft aufbewahrt und versucht, deren Antriebssysteme zu verstehen.

Der Ort habe S-4 geheißen. Lazar beschrieb Hangars, fremdartige Technik und ein Antriebssystem, das mit einem damals noch nicht offiziell entdeckten chemischen Element funktionieren sollte. Seine Aussagen machten ihn innerhalb kürzester Zeit zu einer der bekanntesten Personen der UFO-Geschichte.

Mehr als drei Jahrzehnte später ist die Geschichte noch immer umstritten. Einige Details aus Lazars Vergangenheit lassen sich nachvollziehen, andere zentrale Angaben konnten nie bestätigt werden. Für die Existenz der von ihm beschriebenen außerirdischen Fluggeräte oder eines entsprechenden Reverse-Engineering-Programms wurde bis heute kein überprüfbarer Beweis vorgelegt.

Wer ist Bob Lazar?

Robert Scott Lazar, meist Bob Lazar genannt, wurde 1959 geboren und interessierte sich früh für Technik und ungewöhnliche Antriebssysteme. Größere öffentliche Bekanntheit erlangte er jedoch erst 1989, als der Fernsehjournalist George Knapp beim Sender KLAS-TV in Las Vegas über seine Aussagen berichtete.

Lazar trat zunächst unter dem Decknamen „Dennis“ und mit verdecktem Gesicht auf. Später zeigte er sich offen vor der Kamera. Er behauptete, zuvor am Los Alamos National Laboratory in New Mexico gearbeitet zu haben und schließlich für eine geheime Tätigkeit in Nevada angeworben worden zu sein.

Nach seiner Darstellung führte ihn diese Arbeit nicht direkt zu Area 51 am Groom Lake, sondern zu einem weiteren Standort, den er S-4 nannte. Dieser habe sich in der Nähe des Papoose Lake südlich von Groom Lake befunden.

Dort habe er an einem der außergewöhnlichsten Projekte der amerikanischen Geschichte mitarbeiten sollen: der Untersuchung eines nicht von Menschen gebauten Fluggerätes.

Was soll S-4 gewesen sein?

Lazar beschrieb S-4 als streng abgeschirmte Einrichtung innerhalb des militärischen Sperrgebietes in Nevada. Nach seiner Darstellung waren mehrere Hangars teilweise in einen Berghang eingebaut und von außen so gestaltet, dass sie sich möglichst unauffällig in die Umgebung einfügten.

Innerhalb dieser Anlage sollen sich nach seinen Angaben mehrere scheibenförmige Fluggeräte befunden haben. Lazar behauptete, insgesamt neun unterschiedliche Flugobjekte gesehen oder von ihnen erfahren zu haben. Seine eigene Aufgabe habe sich auf die Untersuchung des Antriebssystems eines dieser Objekte konzentriert.

Für die Existenz einer Anlage mit dieser von Lazar beschriebenen Funktion gibt es allerdings keine öffentlich überprüfbare Bestätigung. Auch belastbare Dokumente, Fotografien oder technische Unterlagen, die ein solches Programm belegen würden, wurden nicht vorgelegt.

Der Name S-4 selbst ist ebenfalls kein Beweis für die Geschichte. Militärische und staatliche Einrichtungen verwenden regelmäßig alphanumerische Bezeichnungen für Standorte, Bereiche oder Projekte. Entscheidend wäre deshalb nicht, ob irgendwo eine Bezeichnung S-4 verwendet wurde, sondern ob dort tatsächlich das von Lazar beschriebene Programm existierte. Genau dafür fehlt bislang ein unabhängiger Nachweis.

Was behauptete Lazar über die Fluggeräte?

Nach Lazars Darstellung handelte es sich bei den Objekten nicht um experimentelle amerikanische Flugzeuge. Er behauptete, dass zumindest das von ihm untersuchte Fluggerät außerirdischer Herkunft gewesen sei.

Besonders bekannt wurde seine Beschreibung einer fliegenden Untertasse, die er wegen ihrer Form später mit einer Sportversion verglich. Das Innere sei ungewöhnlich kompakt gewesen und habe kaum erkennbare Bedienelemente besessen. Viele Einzelheiten seiner späteren Schilderungen drehten sich jedoch weniger um die äußere Form als um das angebliche Antriebssystem.

Lazar erklärte, das Fluggerät habe keinen herkömmlichen Raketen- oder Düsenantrieb verwendet. Stattdessen habe es Gravitation beeinflussen können. Der zentrale Bestandteil dieses Systems sei ein chemisches Element mit der Ordnungszahl 115 gewesen.

Diese Behauptung entwickelte sich zu einem der bekanntesten Aspekte seiner Geschichte.

Element 115 und die bekannteste Behauptung Lazars

Als Lazar 1989 über Element 115 sprach, war ein solches Element noch nicht offiziell hergestellt worden. Im Periodensystem war jedoch grundsätzlich bekannt, dass ein Element mit 115 Protonen möglich sein müsste. Die Ordnungszahl eines chemischen Elements gibt die Anzahl der Protonen im Atomkern an. Die Existenz eines Elements mit einer noch nicht erzeugten höheren Ordnungszahl vorherzusagen, bedeutete deshalb nicht, ein unbekanntes Prinzip entdeckt zu haben.

Jahre später gelang es Wissenschaftlern tatsächlich, Atome des Elements 115 künstlich herzustellen. 2016 erhielt es von der International Union of Pure and Applied Chemistry offiziell den Namen Moscovium und das Elementsymbol Mc.

Dieser spätere Nachweis wird gelegentlich als Bestätigung für Lazar angeführt. Wissenschaftlich trägt dieses Argument jedoch nicht.

Lazar hatte nicht lediglich behauptet, dass Element 115 existieren könne. Er schrieb einer angeblich stabilen Form des Elements besondere Eigenschaften zu, die für den Antrieb des Fluggerätes entscheidend gewesen sein sollen. Die bislang experimentell erzeugten Moscovium-Isotope sind dagegen radioaktiv und zerfallen sehr schnell. Es gibt keinen experimentellen Nachweis für ein stabiles Moscovium-Isotop mit den von Lazar beschriebenen Eigenschaften.

Dass Element 115 später tatsächlich synthetisiert wurde, bestätigt daher nicht Lazars Aussagen über dessen angebliche Verwendung als Energie- oder Antriebsquelle.

Hat Bob Lazar wirklich in Los Alamos gearbeitet?

Einer der Punkte, die Lazars Geschichte komplizierter machen, betrifft seine Verbindung zum Los Alamos National Laboratory. Über Jahre wurde diskutiert, ob er überhaupt dort tätig gewesen sei.

Es existieren Hinweise darauf, dass Lazar tatsächlich am Standort Los Alamos gearbeitet hat. Unter anderem tauchte sein Name in einem damaligen Telefonverzeichnis auf. Auch ein zeitgenössischer Zeitungsartikel über ein von Lazar gebautes Fahrzeug stellte ihn als Physiker am Los Alamos Meson Physics Facility dar.

Damit ist jedoch nicht automatisch geklärt, in welcher Position er dort beschäftigt war. Hinweise deuten darauf hin, dass Lazar möglicherweise für einen externen Auftragnehmer arbeitete. Eine Beschäftigung an einem wissenschaftlichen Forschungsstandort allein bestätigt außerdem keinerlei Verbindung zu S-4 oder zu einem geheimen Programm mit außerirdischer Technologie.

Dieser Unterschied ist wichtig. Dass ein Teil einer persönlichen Biografie nachvollziehbar ist, macht andere, davon unabhängige Aussagen nicht automatisch wahr.

Das Problem mit Lazars Ausbildung

Noch schwieriger sind seine Angaben zur akademischen Ausbildung.

Lazar behauptete, am Massachusetts Institute of Technology und am California Institute of Technology studiert zu haben. Für entsprechende Studienabschlüsse konnten jedoch keine überzeugenden unabhängigen Belege gefunden werden. Auch seine Erinnerungen an Professoren und Studienzeiten führten nicht zu einer nachvollziehbaren Dokumentation seiner behaupteten akademischen Laufbahn.

Unterstützer Lazars führen teilweise an, seine Unterlagen könnten aufgrund der Geheimhaltung seiner späteren Tätigkeit entfernt worden sein. Dafür gibt es jedoch ebenfalls keinen belastbaren Nachweis.

Eine solche Erklärung ist grundsätzlich schwer zu überprüfen, weil sie aus dem Fehlen von Dokumenten selbst einen Bestandteil der Verschwörung macht. Für eine sachliche Bewertung bleibt deshalb nur das, was tatsächlich nachgewiesen werden kann: Die behaupteten Abschlüsse sind öffentlich nicht belegt.

Das ist besonders relevant, weil Lazar seine Rolle bei S-4 als wissenschaftlich-technische Tätigkeit beschrieb, für die eine entsprechende Qualifikation von erheblicher Bedeutung gewesen wäre.

Konnte Lazar geheime Testflüge vorhersehen?

Ein weiteres Argument, das häufig für Lazar angeführt wird, betrifft Beobachtungen in der Nähe des militärischen Sperrgebietes. Lazar brachte Bekannte zu bestimmten Zeiten in die Wüste, von wo aus sie ungewöhnliche Lichter oder Flugbewegungen beobachten konnten.

Für seine Unterstützer zeigt dies, dass er über internes Wissen zu geheimen Testabläufen verfügte.

Die Beobachtungen selbst beweisen allerdings nicht, was dort flog. Das Gebiet um Groom Lake wurde nachweislich für geheime Flugerprobungen genutzt. Dass dort ungewöhnliche Flugbewegungen stattfinden konnten, ist daher nicht überraschend. Selbst wenn Lazar tatsächlich Kenntnisse über bestimmte Testzeiten besessen hätte, würde dies noch nicht belegen, dass die beobachteten Objekte außerirdischen Ursprungs waren.

Der Punkt bleibt dennoch einer der Gründe, warum seine Geschichte für viele Anhänger interessanter erscheint als eine vollkommen unbelegte Erzählung ohne Bezug zu tatsächlichen Vorgängen rund um das Testgelände.

Warum ist Lazars Geschichte so schwer zu überprüfen?

Das zentrale Problem liegt in der Art der Behauptungen. Lazar verlegte seine Geschichte an einen Ort, der für Außenstehende kaum zugänglich war und an dem tatsächlich geheime militärische Programme stattfanden.

Dass amerikanische Behörden nicht sämtliche Aktivitäten innerhalb des Testgebietes offenlegen, ist bekannt und für ein militärisches Entwicklungszentrum nicht ungewöhnlich. Daraus entsteht jedoch eine schwierige Situation: Bestimmte Details lassen sich von außen tatsächlich nicht ohne Weiteres überprüfen.

Gleichzeitig darf fehlende Überprüfbarkeit nicht mit Bestätigung verwechselt werden.

Wenn behauptet wird, in einem abgeschirmten Gebiet existiere ein geheimes Programm, kann die Tatsache, dass Außenstehende keinen Zugang erhalten, weder dessen Existenz beweisen noch widerlegen. Um eine außergewöhnliche Behauptung glaubhaft zu machen, wären deshalb andere überprüfbare Belege notwendig – etwa technische Unterlagen, authentifizierbare Dokumente, physisches Material oder unabhängig bestätigte Aussagen direkt beteiligter Personen.

Solche Belege für Lazars Kernaussage liegen bis heute nicht vor.

Was sagen heutige Untersuchungen zu geheimen UFO-Programmen?

Die Behauptung, die amerikanische Regierung besitze geborgene außerirdische Technologie und versuche, sie technisch nachzubauen, beschränkt sich längst nicht mehr auf Bob Lazar. Ähnliche Aussagen wurden über Jahrzehnte von verschiedenen Personen verbreitet.

Das US-Verteidigungsministerium ließ diese Geschichte deshalb im Rahmen seiner Untersuchung historischer UAP-Berichte erneut prüfen. Das zuständige All-domain Anomaly Resolution Office veröffentlichte 2024 einen umfangreichen Bericht über angebliche geheime Programme und Behauptungen zum Besitz nichtmenschlicher Technologie.

AARO erklärte, keine überprüfbaren Belege dafür gefunden zu haben, dass die amerikanische Regierung oder private Unternehmen jemals Zugang zu außerirdischer Technologie besessen hätten. Ebenso fanden die Ermittler nach eigener Darstellung keine empirischen Beweise für geheime Programme zum Reverse Engineering außerirdischer Fluggeräte.

Der Bericht beweist nicht mathematisch, dass niemals irgendwo ein unbekanntes geheimes Projekt existiert haben könnte. Er zeigt jedoch, dass eine umfangreiche offizielle Untersuchung der verfügbaren Unterlagen und Aussagen keinen belastbaren Nachweis für das beschriebene Szenario erbrachte.

Damit bleibt auch Lazars Geschichte ohne unabhängige Bestätigung.

Warum ist Bob Lazar trotzdem bis heute so bekannt?

Lazar trat zu einem Zeitpunkt auf, an dem Area 51 außerhalb bestimmter Kreise noch wesentlich geheimnisvoller war als heute. Viele Einzelheiten über die tatsächliche Geschichte von Groom Lake waren öffentlich kaum bekannt. Die CIA bestätigte ihre historische Rolle bei den dortigen U-2- und A-12-Programmen erst Jahrzehnte später ausführlich durch freigegebene Unterlagen.

Lazars Erzählung verband deshalb mehrere Elemente auf wirkungsvolle Weise: einen realen geheimen Militärstandort, tatsächlich unbekannte Flugzeugprogramme, eine angebliche zweite Anlage, außerirdische Fluggeräte und eine technische Erklärung, die wissenschaftlich genug klang, um faszinierend zu wirken.

Hinzu kam, dass Lazar seine Geschichte über Jahrzehnte in ihren Grundzügen wiederholte. Dokumentationen, Interviews, Bücher, Podcasts und das Internet hielten sie am Leben. S-4 wurde dadurch zu einem festen Begriff innerhalb der modernen UFO-Kultur, obwohl seine behauptete Funktion nie nachgewiesen werden konnte.

Was bleibt von der Geschichte um Bob Lazar und S-4?

Einige Randpunkte von Lazars Biografie lassen sich nachvollziehen. Er hatte einen Bezug zum Forschungsstandort Los Alamos. Er trat 1989 tatsächlich mit seinen Behauptungen an die Öffentlichkeit. Er beschrieb einen angeblichen Standort namens S-4 und sprach über Element 115 lange bevor dieses Element erstmals künstlich erzeugt und später Moscovium genannt wurde.

Doch keiner dieser Punkte bestätigt den entscheidenden Teil seiner Geschichte.

Es gibt keinen überprüfbaren Beleg dafür, dass Lazar an außerirdischer Technologie gearbeitet hat. Es gibt keinen öffentlich bestätigten Nachweis dafür, dass die von ihm beschriebene S-4-Anlage zur Untersuchung fremder Fluggeräte existierte. Seine behaupteten akademischen Abschlüsse sind nicht belegt. Das später erzeugte Element 115 besitzt in seinen bekannten Formen nicht die von Lazar beschriebenen Eigenschaften.

Damit bleibt Bob Lazar eine der faszinierendsten, aber zugleich problematischsten Figuren der UFO-Geschichte. Seine Geschichte enthält genügend nachprüfbare Berührungspunkte mit der realen Welt, um sie nicht wie eine reine Fantasiegeschichte wirken zu lassen. Der außergewöhnliche Kern seiner Behauptung jedoch – dass die Vereinigten Staaten bei S-4 außerirdische Fluggeräte untersuchten – ist bis heute genau das geblieben: eine Behauptung.

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Quellen
▪︎ KLAS-TV Las Vegas – Interviews von George Knapp mit Bob Lazar, 1989
▪︎ U.S. Department of Defense / All-domain Anomaly Resolution Office – Historical Record Report, Volume 1
▪︎ International Union of Pure and Applied Chemistry – Benennung und Anerkennung des Elements Moscovium
▪︎ Central Intelligence Agency – historische Dokumentation zu Groom Lake, Area 51, U-2 und A-12 OXCART
▪︎ Los Alamos Monitor – zeitgenössischer Bericht über Bob Lazar und sein strahlgetriebenes Fahrzeug