Merkur lebt unter Bedingungen, die kaum extremer sein könnten. Kein Planet kommt der Sonne näher. Am Tag kann sich seine Oberfläche auf mehr als 400 Grad Celsius erhitzen, während sie in der langen Nacht auf weit unter minus 100 Grad abkühlt. Seine Oberfläche ist von Kratern übersät und erinnert auf den ersten Blick an den Mond. Trotzdem besitzt Merkur ein eigenes Magnetfeld, überraschend große Mengen flüchtiger Stoffe und sogar Wassereis in einigen der dunkelsten Regionen seiner Pole. Mit einem Durchmesser von nur rund 4.880 Kilometern ist er der kleinste der acht Planeten und zugleich der am wenigsten erforschte Gesteinsplanet.
Gerade jetzt beginnt für Merkur eine neue Phase der Erforschung. Die europäisch-japanische Mission BepiColombo befindet sich nach einer achtjährigen Reise in der letzten Phase ihres Anflugs. Im November 2026 soll sie in eine Umlaufbahn um Merkur eintreten. Ab 2027 sollen zwei Orbiter den Planeten gleichzeitig untersuchen. Damit könnte sich unser Bild dieser kleinen Welt so stark verändern wie zuletzt durch die NASA-Mission MESSENGER vor mehr als einem Jahrzehnt.
Wie groß ist Merkur?
Merkur hat einen Durchmesser von ungefähr 4.880 Kilometern. Damit ist er deutlich kleiner als die Erde und sogar kleiner als zwei Monde unseres Sonnensystems: der Jupitermond Ganymed und der Saturnmond Titan. Trotzdem gilt Merkur als Planet, während Ganymed und Titan Monde sind. Die Einordnung hängt nicht allein von der Größe ab, sondern vor allem davon, welchen Himmelskörper ein Objekt umkreist und welche dynamische Stellung es besitzt.
Seine Masse beträgt nur ungefähr 5,5 Prozent der Erdmasse. An der Oberfläche wirkt deshalb eine wesentlich geringere Schwerkraft. Sie erreicht etwa 38 Prozent der irdischen Schwerkraft und ist damit interessanterweise ungefähr so stark wie auf dem Mars, obwohl Merkur wesentlich kleiner ist. Der Grund liegt in seiner ungewöhnlich hohen Dichte.
Merkur gehört zu den dichtesten Planeten des Sonnensystems. Ein großer Teil seiner Masse steckt in einem gewaltigen metallischen Kern. Dieser nimmt im Verhältnis zur Gesamtgröße des Planeten wesentlich mehr Raum ein als der Erdkern.
Wie weit ist Merkur von der Sonne entfernt?
Merkur ist im Durchschnitt rund 58 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. Die Erde kreist dagegen in ungefähr 150 Millionen Kilometern Entfernung um unseren Stern. Merkur erhält deshalb wesentlich mehr Sonnenenergie als unser Planet.
Seine Umlaufbahn ist deutlich elliptisch. Am sonnennächsten Punkt beträgt die Entfernung nur ungefähr 46 Millionen Kilometer, am sonnenfernsten Punkt rund 70 Millionen Kilometer. Dadurch verändert sich die Stärke der Sonneneinstrahlung während eines Merkurjahres erheblich.
Vom Merkur aus würde die Sonne wesentlich größer erscheinen als von der Erde. Je nachdem, an welcher Stelle seiner Umlaufbahn sich der Planet befindet, würde ihr scheinbarer Durchmesser stark schwanken.
Die Nähe zur Sonne macht Merkur jedoch nicht nur zu einer extremen Welt. Sie ist auch einer der Gründe, warum er so schwierig zu erforschen ist. Ein Raumfahrzeug muss auf dem Weg nach innen sehr viel seiner Bewegungsenergie abbauen, um nicht einfach an Merkur vorbeizurasen oder weiter in Richtung Sonne zu fallen. ESA beschreibt die Reise zu Merkur deshalb sogar als energetisch anspruchsvoller als eine Mission zum weit entfernten Pluto.
Wie lange dauert ein Jahr auf Merkur?
Merkur bewegt sich schneller um die Sonne als jeder andere Planet. Für einen vollständigen Umlauf benötigt er nur ungefähr 88 Erdtage. Sein Jahr ist damit kürzer als jede Jahreszeit auf der Erde.
Diese Geschwindigkeit erklärt auch seinen Namen. Die Römer benannten den Planeten nach Mercurius, dem schnellen Götterboten ihrer Mythologie.
Die hohe Umlaufgeschwindigkeit ist eine unmittelbare Folge der Sonnennähe. Je näher ein Planet an der Sonne kreist, desto stärker wirkt deren Gravitation und desto schneller muss sich der Planet auf seiner Bahn bewegen.
Merkurs Umlaufbahn spielte außerdem eine wichtige Rolle in der Geschichte der Physik. Kleine Abweichungen in der Bewegung seines sonnennächsten Bahnpunktes konnten mit der klassischen Newtonschen Mechanik nicht vollständig erklärt werden. Albert Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie lieferte später genau die zusätzliche Erklärung, die für die beobachtete Bewegung benötigt wurde.
Wie lang dauert ein Tag auf Merkur?
Bei Merkur wird es etwas kompliziert. Für eine vollständige Drehung um seine eigene Achse benötigt der Planet rund 59 Erdtage. Ein Merkurjahr dauert dagegen nur 88 Tage.
Doch ein Sonnentag, also die Zeit von einem Sonnenaufgang bis zum nächsten, dauert sogar ungefähr 176 Erdtage. Ein einzelner Tag-Nacht-Zyklus auf Merkur ist damit doppelt so lang wie sein Jahr.
Der Grund dafür liegt in einem besonderen Verhältnis zwischen Rotation und Umlaufbahn. Merkur dreht sich während zweier Umläufe um die Sonne genau dreimal um seine eigene Achse. Astronomen bezeichnen dieses Verhältnis als 3:2-Spin-Bahn-Resonanz.
Dadurch ergibt sich am Himmel Merkurs ein ungewöhnlicher Sonnenlauf. An bestimmten Orten könnte die Sonne aufgehen, ihre Bewegung scheinbar umkehren, kurz zurückgehen und anschließend wieder ihre normale Richtung aufnehmen. Ursache ist das Zusammenspiel aus der elliptischen Umlaufbahn und der Rotation des Planeten.
Warum ist Merkur nicht der heißeste Planet?
Merkur ist der sonnennächste Planet, aber nicht der heißeste. Dieser Titel gehört der Venus.
Auf der sonnenbeschienenen Seite Merkurs können Temperaturen von ungefähr 430 Grad Celsius erreicht werden. Das ist extrem heiß, liegt aber noch unter den dauerhaft hohen Temperaturen der Venusoberfläche von rund 465 Grad Celsius.
Der entscheidende Unterschied ist die Atmosphäre. Venus besitzt eine extrem dichte Kohlendioxidatmosphäre, die einen gewaltigen Treibhauseffekt erzeugt und Wärme festhält. Merkur besitzt dagegen keine dichte Atmosphäre. Er kann die eingestrahlte Sonnenenergie deshalb kaum speichern oder über den Planeten verteilen.
Nach Sonnenuntergang fällt die Temperatur entsprechend drastisch. Während der langen Merkurnacht können Werte um minus 180 Grad Celsius auftreten.
Zwischen Tag und Nacht liegen damit Temperaturunterschiede von mehr als 600 Grad. Kaum ein anderer Planet zeigt an seiner Oberfläche derart extreme Schwankungen.
Hat Merkur eine Atmosphäre?
Eine Atmosphäre wie auf Erde, Venus oder Mars besitzt Merkur nicht. Um den Planeten befindet sich lediglich eine extrem dünne Hülle aus Atomen und Molekülen, die als Exosphäre bezeichnet wird.
Darin wurden unter anderem Sauerstoff, Natrium, Wasserstoff, Helium und Kalium nachgewiesen. Die Teilchen befinden sich jedoch so weit voneinander entfernt, dass diese Hülle kaum mit einer gewöhnlichen Atmosphäre vergleichbar ist.
Merkurs geringe Schwerkraft und die starke Sonnenstrahlung erschweren es dem Planeten, Gase dauerhaft festzuhalten. Teilchen können von der Oberfläche herausgeschlagen werden, beispielsweise durch den Sonnenwind oder durch kleine Einschläge. Manche werden später wieder eingefangen, andere entweichen in den Weltraum.
Besonders Natrium kann zeitweise eine ausgedehnte schweifartige Struktur bilden, die sich auf der sonnenabgewandten Seite weit in den Weltraum erstreckt. In gewisser Weise besitzt Merkur damit einen äußerst dünnen, veränderlichen Gasschweif.
Wie sieht die Oberfläche des Merkur aus?
Auf den ersten Blick erinnert Merkur stark an den Mond. Seine graue Oberfläche ist von zahllosen Einschlagkratern bedeckt. Weil eine dichte Atmosphäre, flüssiges Oberflächenwasser und aktive Plattentektonik fehlen, können Einschlagspuren über Milliarden Jahre erhalten bleiben.
Dennoch ist Merkur keine bloße Kopie des Mondes. Große Ebenen zeigen, dass in seiner Vergangenheit Vulkanismus eine wichtige Rolle spielte. Lava bedeckte weite Gebiete und formte Teile der Oberfläche neu.
Besonders auffällig sind lange Steilhänge und Klippen, die teilweise Hunderte Kilometer durch die Landschaft ziehen. Sie entstanden wahrscheinlich, als das Innere des Planeten im Laufe seiner Entwicklung abkühlte. Merkur schrumpfte dabei geringfügig, wodurch sich seine Kruste zusammenschob und übereinanderschob.
Diese sogenannten Rupes liefern sichtbare Spuren davon, dass der gesamte Planet im Laufe seiner Geschichte kleiner geworden ist.
Was ist das Caloris-Becken?
Eine der größten Strukturen auf Merkur ist das Caloris-Becken. Es besitzt einen Durchmesser von rund 1.550 Kilometern und entstand durch den Einschlag eines großen Himmelskörpers in der frühen Geschichte des Planeten.
Der Einschlag muss gewaltige Energiemengen freigesetzt haben. Er erzeugte nicht nur das riesige Becken, sondern beeinflusste möglicherweise sogar Regionen auf der gegenüberliegenden Seite des Planeten.
Das Innere des Beckens wurde später teilweise von vulkanischem Material überflutet. Dadurch entstand eine komplexe Landschaft aus Einschlagsspuren, Lavaebenen und tektonischen Strukturen.
Caloris gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der Zeit, in der die jungen Planeten des inneren Sonnensystems noch wesentlich häufiger von großen Asteroiden und anderen Körpern getroffen wurden.
Warum besitzt Merkur einen so großen Eisenkern?
Der metallische Kern Merkurs ist außergewöhnlich groß. Er macht einen erheblichen Teil des Planetenradius aus. Die darüberliegende Gesteinsschicht ist im Verhältnis deutlich dünner als bei der Erde.
Warum Merkur so viel Metall und vergleichsweise wenig silikatisches Gestein besitzt, ist nicht abschließend geklärt.
Eine ältere Erklärung geht davon aus, dass der junge Merkur ursprünglich größer gewesen sein könnte. Ein gewaltiger Einschlag hätte dann einen beträchtlichen Teil seines äußeren Gesteinsmantels entfernt und einen metallreichen Rest zurückgelassen.
Andere Modelle untersuchen, ob Merkur bereits während seiner Entstehung bevorzugt aus metallreichem Material aufgebaut wurde. Die Bedingungen in unmittelbarer Sonnennähe könnten die Zusammensetzung des verfügbaren Materials beeinflusst haben.
MESSENGER-Messungen der Oberfläche haben manche einfachen Kollisionsmodelle erschwert, weil Merkur überraschend viele flüchtige Elemente besitzt. Ein extrem heißer Vorgang, der große Teile des Mantels entfernt hätte, hätte solche Stoffe möglicherweise ebenfalls stärker beseitigen müssen.
Die Frage nach Merkurs großem Kern gehört deshalb weiterhin zu den zentralen Rätseln seiner Entstehung.
Hat Merkur ein Magnetfeld?
Für einen so kleinen und langsam rotierenden Planeten war diese Entdeckung überraschend. Merkur besitzt ein globales Magnetfeld.
Mariner 10 wies es in den 1970er-Jahren erstmals nach. Später untersuchte MESSENGER seine Struktur erheblich genauer. Das Magnetfeld ist deutlich schwächer als das der Erde, zeigt aber, dass im Inneren Merkurs noch Prozesse stattfinden, die einen planetaren Dynamo ermöglichen.
Dafür muss zumindest ein Teil des metallischen Kerns flüssig sein. Bewegungen elektrisch leitfähigen Materials können zusammen mit der Rotation des Planeten ein Magnetfeld erzeugen.
Merkurs Magnetfeld wechselwirkt direkt mit dem Sonnenwind. Weil der Planet so nahe an der Sonne liegt, befindet sich seine Magnetosphäre in einer besonders intensiven Umgebung aus geladenen Teilchen.
BepiColombo soll diese Wechselwirkungen künftig mit zwei Raumsonden gleichzeitig untersuchen. Dadurch können Veränderungen im Raum und in der Zeit besser voneinander unterschieden werden als bei Messungen mit nur einem Orbiter.
Gibt es Wasser auf Merkur?
Die Antwort klingt zunächst widersprüchlich: Auf dem sonnennächsten Planeten des Sonnensystems gibt es Wassereis.
Es befindet sich allerdings nicht auf den heißen, sonnenbeschienenen Ebenen. In der Nähe von Merkurs Polen existieren tiefe Krater, deren Böden niemals direkt von Sonnenlicht erreicht werden. Wegen der sehr geringen Neigung der Rotationsachse bleibt die Sonne dort dauerhaft unter dem lokalen Horizont.
In diesen sogenannten Kältefallen können die Temperaturen niedrig genug bleiben, damit Wassereis über sehr lange Zeiträume bestehen kann.
Radaruntersuchungen hatten bereits vor MESSENGER Hinweise auf stark reflektierende Ablagerungen in Polarkratern geliefert. Die Raumsonde bestätigte später mit mehreren Messmethoden, dass dort tatsächlich große Mengen Wassereis vorhanden sind.
Woher dieses Wasser stammt, ist nicht vollständig geklärt. Kometen und wasserreiche Asteroiden könnten einen Teil davon geliefert haben. Auch andere Prozesse sind möglich.
Die Entdeckung zeigt eindrucksvoll, dass selbst extreme Sonnennähe nicht bedeutet, dass Wasser grundsätzlich ausgeschlossen ist. Entscheidend sind die lokalen Bedingungen.
Hat Merkur Monde oder Ringe?
Merkur besitzt weder Monde noch Ringe. Gemeinsam mit Venus ist er einer der beiden Planeten unseres Sonnensystems ohne natürlichen Satelliten.
Warum Merkur keinen Mond besitzt, lässt sich nicht auf eine einzelne Ursache reduzieren. Seine geringe Masse und vor allem seine Nähe zur Sonne schaffen besondere gravitative Bedingungen. Die Sonne übt dort einen sehr starken Einfluss auf mögliche Begleiter aus.
Ein dauerhaft stabiler Mond müsste Merkur relativ nahe umkreisen. Gleichzeitig dürfte er dem Planeten nicht so nahe kommen, dass Gezeitenkräfte seine Bahn langfristig verändern oder ihn zerstören.
Es gibt derzeit keine Hinweise darauf, dass Merkur in der Vergangenheit einen großen Mond ähnlich dem Erdmond besessen hat.
Auch ein Ringsystem wurde nicht beobachtet.
Kann auf Merkur Leben existieren?
Nach heutigem Wissen gehört die Oberfläche Merkurs nicht zu den aussichtsreichen Orten für Leben. Die extremen Temperaturschwankungen, starke Strahlenbelastung und das Fehlen einer dichten Atmosphäre machen die Bedingungen ausgesprochen lebensfeindlich.
Das Wassereis in dauerhaft verschatteten Kratern ändert daran zunächst wenig. Eis allein genügt nicht, um eine lebensfreundliche Umgebung zu schaffen.
Spekulationen über mögliche geschützte Bereiche tief unter der Oberfläche lassen sich derzeit nicht mit konkreten Hinweisen auf biologische Prozesse verbinden. Es gibt weder einen Nachweis von Leben noch belastbare Indizien dafür, dass Merkur jemals dauerhaft lebensfreundliche Bedingungen besessen hat.
Astrobiologisch ist Merkur deshalb deutlich weniger vielversprechend als Mars oder die Ozeanmonde des äußeren Sonnensystems. Wissenschaftlich bleibt er trotzdem außerordentlich wichtig, weil seine Zusammensetzung und Geschichte viel über die Entstehung von Gesteinsplaneten in unmittelbarer Sternnähe verraten können.
Welche Raumsonden haben Merkur besucht?
Die Zahl der Missionen ist erstaunlich klein. Erst zwei Raumsonden haben Merkur bislang aus der Nähe wissenschaftlich untersucht: Mariner 10 und MESSENGER. BepiColombo befindet sich derzeit auf dem Weg in seine endgültige Umlaufbahn. Auch das DLR bezeichnet Merkur als den am wenigsten erforschten Gesteinsplaneten des Sonnensystems.
Mariner 10 flog 1974 und 1975 insgesamt dreimal an Merkur vorbei. Die Sonde fotografierte einen Teil seiner Oberfläche und entdeckte überraschend das Magnetfeld des Planeten. Da bei den Vorbeiflügen immer ähnliche Regionen beleuchtet waren, blieb jedoch ein großer Teil Merkurs unbekannt.
Erst MESSENGER änderte das grundlegend. Die NASA-Sonde startete 2004, absolvierte zunächst mehrere Vorbeiflüge und trat 2011 als erstes Raumfahrzeug in eine Umlaufbahn um Merkur ein.
Während der folgenden vier Jahre kartierte MESSENGER praktisch den gesamten Planeten, untersuchte seine chemische Zusammensetzung, das Magnetfeld, das Innere und die Polarregionen. 2015 ging der Treibstoff zur Neige. Die Mission endete mit einem geplanten Einschlag auf der Oberfläche.
Warum ist es so schwer, zum Merkur zu fliegen?
Auf den ersten Blick müsste eine Reise zu Merkur besonders einfach sein. Schließlich liegt der Planet wesentlich näher an der Erde als Jupiter, Saturn oder Pluto. In der Raumfahrt entscheidet jedoch nicht nur die Entfernung.
Ein Raumfahrzeug, das von der Erde Richtung Sonne startet, bewegt sich bereits gemeinsam mit unserem Planeten mit hoher Geschwindigkeit auf einer Sonnenumlaufbahn. Um Merkur zu erreichen und dort nicht nur schnell vorbeizufliegen, muss es einen großen Teil dieser Bewegungsenergie verlieren.
Die starke Gravitation der Sonne beschleunigt das Fahrzeug auf dem Weg nach innen zusätzlich. Ein direktes Abbremsen mit Raketentriebwerken würde enorme Mengen Treibstoff verlangen.
Deshalb nutzen Merkurmissionen komplizierte Flugbahnen und mehrere sogenannte Swing-by-Manöver. Dabei fliegt eine Sonde an Planeten vorbei und nutzt deren Gravitation, um ihre Geschwindigkeit und Flugrichtung zu verändern.
BepiColombo hat auf seinem Weg zur Merkurumlaufbahn insgesamt neun planetare Vorbeiflüge eingeplant: einen an der Erde, zwei an Venus und sechs an Merkur selbst.
Was soll BepiColombo am Merkur entdecken?
BepiColombo ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation ESA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA. Sie startete im Oktober 2018 und hat inzwischen ihre lange Reise durch das innere Sonnensystem nahezu abgeschlossen.
Im Juni 2026 wurde der solarelektrische Antrieb nach dem letzten langen Schubabschnitt endgültig abgeschaltet. Für September ist die Abtrennung des Transfermoduls vorgesehen. Am 21. November 2026 soll BepiColombo schließlich in eine Umlaufbahn um Merkur eintreten. Anschließend werden die beiden wissenschaftlichen Orbiter voneinander getrennt und in ihre vorgesehenen Bahnen gebracht. Der reguläre wissenschaftliche Betrieb soll 2027 beginnen.
Der europäische Mercury Planetary Orbiter soll unter anderem Oberfläche, Zusammensetzung, Inneres und geologische Entwicklung untersuchen. Der japanische Magnetosphärenorbiter Mio konzentriert sich vor allem auf Magnetfeld, geladene Teilchen und die Wechselwirkung mit dem Sonnenwind.
Gemeinsam sollen beide Raumfahrzeuge Fragen beantworten, die seit MESSENGER offen geblieben sind: Wie entstand Merkurs ungewöhnlich großer Kern? Wie ist der Planet im Inneren aufgebaut? Welche Prozesse verändern heute seine Oberfläche und Exosphäre? Wie funktioniert sein Magnetfeld? Und wie konnte sich ein kleiner Gesteinsplanet so dicht an der Sonne überhaupt in seiner heutigen Form entwickeln?
Was wissen wir über Merkur noch nicht?
Merkur ist auf den ersten Blick eine scheinbar einfache Welt. Er ist klein, grau, voller Krater und besitzt keine dichte Atmosphäre. Doch fast jede genauere Untersuchung hat dieses Bild komplizierter gemacht.
Sein Inneres enthält ungewöhnlich viel Metall. Trotz seiner geringen Größe besitzt er ein aktives Magnetfeld. In den heißesten Regionen herrschen Temperaturen von mehr als 400 Grad, während wenige Tausend Kilometer entfernt dauerhaft Wassereis in dunklen Kratern bestehen kann. Seine Oberfläche enthält zudem mehr flüchtige Elemente, als manche ältere Modelle für einen Planeten in unmittelbarer Sonnennähe erwarten ließen.
Gerade darin liegt seine wissenschaftliche Bedeutung. Merkur befindet sich an einem Extrempunkt unseres Planetensystems. Er zeigt, was mit einem Gesteinsplaneten geschehen kann, der sich sehr nahe an seinem Stern bildet und über Milliarden Jahre einer intensiven Sonnenumgebung ausgesetzt bleibt.
Mehr als zehn Jahre nach dem Ende von MESSENGER steht nun die nächste große Untersuchung bevor. Wenn BepiColombo Ende 2026 tatsächlich in die Merkurumlaufbahn eintritt und 2027 mit seinem vollständigen Forschungsprogramm beginnt, werden erstmals zwei spezialisierte Orbiter diese Welt gleichzeitig beobachten. Vielleicht werden sie erklären können, warum Merkur einen so riesigen Kern besitzt, wie sein Magnetfeld entsteht und welche Geschichte sich hinter seiner scheinbar mondähnlichen Oberfläche verbirgt.
Der kleinste Planet unseres Sonnensystems könnte sich dabei erneut als einer der kompliziertesten erweisen.
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Quellen
▪︎ NASA Science – Mercury Facts und Mercury Exploration
▪︎ European Space Agency – BepiColombo Mission, Missionsverlauf und wissenschaftliche Ziele
▪︎ Japan Aerospace Exploration Agency – Mio / Mercury Magnetospheric Orbiter
▪︎ Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Merkur, innerer Aufbau und geophysikalische Entwicklung
▪︎ Johns Hopkins University Applied Physics Laboratory – MESSENGER Mission und wissenschaftliche Ergebnisse
▪︎ Carnegie Institution for Science – Untersuchungen zu Oberfläche, Zusammensetzung und innerem Aufbau des Merkur
