Umkreist seit 13000 Jahren ein Alien-Satellit die Erde

13.000 Jahre. Diese Zahl gehört zu den spektakulärsten Behauptungen rund um den Black-Knight-Satelliten. Lange bevor Sputnik 1 im Jahr 1957 zum ersten künstlichen Erdsatelliten wurde, soll demnach bereits ein fremdes Objekt unseren Planeten beobachtet haben. Gebaut nicht von Menschen, sondern von einer außerirdischen Zivilisation. Doch woher weiß man angeblich so genau, dass dieser Satellit seit 13.000 Jahren hier sein soll?

Die Antwort führt überraschenderweise nicht zu einem Teleskop, einem Radar oder einem gefundenen Stück außerirdischer Technik. Sie beginnt mit rätselhaften Funksignalen aus den 1920er-Jahren und einer ungewöhnlichen Idee, die mehr als vier Jahrzehnte später daraus entstand.

Seltsame Echos im Radio

Ende der 1920er-Jahre beschäftigten sich Funkexperimente mit einem merkwürdigen Phänomen. Ausgesendete Radiosignale wurden teilweise mit ungewöhnlich großer Verzögerung erneut empfangen.

Der norwegische Funkamateur Jørgen Hals berichtete 1928 über solche Signale. Neben dem erwarteten Echo eines Funksignals hörte er eine weitere Wiederholung, die erst mehrere Sekunden später eintraf. Das Phänomen wurde als Long Delayed Echo, kurz LDE, bekannt.

Solche stark verzögerten Funkechos wurden auch später beobachtet. Ihre Ursachen waren nicht immer eindeutig. Vorgänge in der Ionosphäre, ungewöhnliche Ausbreitungswege von Radiowellen und andere natürliche Effekte wurden als mögliche Erklärungen diskutiert.

Doch es gab auch eine wesentlich ungewöhnlichere Idee.

Was wäre, wenn jemand antwortet?

1960 veröffentlichte der amerikanisch-australische Radioastronom Ronald Bracewell Überlegungen darüber, wie eine technisch hoch entwickelte außerirdische Zivilisation Kontakt mit anderen Welten aufnehmen könnte.

Statt ständig Radiosignale über viele Lichtjahre hinweg auszusenden, könnte eine Zivilisation automatische Sonden zu interessanten Sternsystemen schicken.

Sobald eine junge technische Zivilisation beginnt, Radiosignale auszusenden, könnte die Maschine darauf reagieren. Sie könnte empfangene Signale zurücksenden, verändern oder auf andere Weise versuchen, auf sich aufmerksam zu machen.

Eine solche hypothetische Maschine wird heute als Bracewell-Sonde bezeichnet.

Es war zunächst nur ein wissenschaftliches Gedankenexperiment. Doch genau diese Idee brachte den schottischen Autor Duncan Lunan Anfang der 1970er-Jahre dazu, die alten Long Delayed Echoes noch einmal genauer zu betrachten.

Eine Sternkarte in den Funkechos

Lunan untersuchte historische Aufzeichnungen über die zeitlichen Verzögerungen der Echos. Die Zahlen schienen zunächst keinem offensichtlichen Muster zu folgen. Doch Lunan kam auf die Idee, sie grafisch anzuordnen. Dabei trug er die Reihenfolge der empfangenen Signale gegen ihre jeweilige Verzögerung auf. Das Ergebnis erinnerte ihn an eine Sternkarte.

Lunan glaubte schließlich, darin das Sternbild Bärenhüter erkennen zu können. Eine besondere Rolle spielte dabei Epsilon Boötis, auch Izar genannt, ein Doppelsternsystem im Sternbild. Doch eine Position passte nicht richtig. Der helle Stern Arktur befand sich in Lunans Rekonstruktion scheinbar an der falschen Stelle.

Dann kam der entscheidende Gedanke: Sterne stehen am Himmel nicht für alle Zeiten exakt an derselben Position. Durch ihre Eigenbewegung und durch die langfristigen Veränderungen der Himmelskoordinaten verändert sich das Erscheinungsbild des Sternenhimmels. Lunan rechnete zurück.

Die vermeintliche Karte passte nach seiner damaligen Interpretation ungefähr zu einem Sternenhimmel aus der Zeit um 11.000 vor Christus. Also vor rund 13.000 Jahren. Damit war die berühmteste Zahl der Black-Knight-Geschichte geboren.

Aus einem Zeitpunkt wurde ein Alter

An dieser Stelle geschah etwas Entscheidendes: Lunan hatte nicht das Alter eines Satelliten bestimmt. Er hatte auch kein Objekt untersucht, dessen Material sich auf 13.000 Jahre datieren ließ.

Seine damalige Hypothese lautete vielmehr, dass eine mögliche Botschaft einen Sternenhimmel aus einer bestimmten vergangenen Epoche zeigen könnte. Daraus leitete er die Vorstellung ab, dass eine hypothetische Sonde ungefähr zu jener Zeit in unser Sonnensystem gekommen sein könnte. In späteren Erzählungen wurde daraus eine wesentlich einfachere Aussage:

Der Black Knight sei 13.000 Jahre alt und umkreise seitdem die Erde.

Diese Verkürzung machte die Geschichte spektakulärer, entfernte sie aber zugleich von dem, was ursprünglich behauptet worden war.

Lunan zog seine Interpretation zurück

Später stellte sich heraus, dass einige der historischen Messdaten, mit denen er gearbeitet hatte, nicht zuverlässig genug waren. Außerdem erwiesen sich Annahmen über das System Epsilon Boötis als problematisch. Lunan veröffentlichte deshalb 1976 einen Text, in dem er seine ursprüngliche Übersetzung zurückzog. Bis heute weist er außerdem darauf hin, dass seine damaligen Arbeiten häufig fälschlich mit dem sogenannten Black-Knight-Satelliten verbunden werden.

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Lunan beschäftigte sich mit der Möglichkeit einer hypothetischen außerirdischen Sonde und einer ungewöhnlichen Interpretation von Funkechos. Er behauptete nicht, einen geheimnisvollen schwarzen Satelliten fotografiert oder dessen Umlaufbahn nachgewiesen zu haben.

Die spätere Black-Knight-Legende machte daraus erst eine zusammenhängende Geschichte.

Könnte eine Sonde theoretisch 13.000 Jahre überleben?

Auf der Erde werden technische Gegenstände durch Wind, Wasser, chemische Reaktionen und biologische Prozesse zerstört. Im Vakuum des Weltraums fehlen viele dieser Einflüsse. Dafür gibt es andere Belastungen: starke Temperaturschwankungen, Strahlung, Mikrometeoriten und energiereiche Teilchen.

Eine extrem fortschrittliche Zivilisation könnte theoretisch eine Sonde bauen, die sehr lange funktioniert oder zumindest sehr lange als inaktives Objekt erhalten bleibt. Das eigentliche Problem der Black-Knight-Behauptung liegt deshalb nicht darin, dass 13.000 Jahre physikalisch vollkommen ausgeschlossen wären. Das Problem ist, dass bislang kein entsprechendes Objekt nachgewiesen wurde.

Ein Satellit benötigt eine bestimmbare Umlaufbahn. Seine Position müsste wiederholt beobachtet werden können. Radarstationen und Teleskope müssten ihn verfolgen können. Aus mehreren Beobachtungen ließen sich Größe, Bahn und möglicherweise weitere Eigenschaften bestimmen.

Für einen 13.000 Jahre alten außerirdischen Satelliten existieren solche belastbaren Daten nicht.

Eine bemerkenswert langlebige Zahl

Trotzdem hat die Angabe von 13.000 Jahren überlebt. Das liegt wahrscheinlich auch daran, dass sie außergewöhnlich konkret klingt.

Die Behauptung, irgendwo im Orbit befinde sich vielleicht eine alte außerirdische Sonde, bleibt vage. Die Aussage, ein Objekt beobachte die Erde bereits seit 13.000 Jahren, erzeugt dagegen sofort Bilder.

Vor 13.000 Jahren gab es keine Städte, keine Raumfahrt und keine moderne Technik. Die letzten Phasen der Eiszeit gingen gerade zu Ende. Landwirtschaft und große dauerhaft bewohnte Siedlungen lagen für weite Teile der Menschheit noch in der Zukunft.

Wenn damals tatsächlich eine fremde Sonde angekommen wäre, hätte sie nahezu die gesamte Entwicklung menschlicher Zivilisation beobachten können. Und genau darin liegt die enorme erzählerische Kraft dieser Behauptung.

Umkreist also seit 13.000 Jahren ein Alien-Satellit die Erde?

Nach dem heutigen Stand gibt es dafür keinen belastbaren Beleg. Die berühmten 13.000 Jahre stammen nicht aus der Untersuchung eines Satelliten. Sie entstanden aus Duncan Lunans Interpretation jahrzehntealter Funkechos und einer vermeintlichen Sternkarte.

Diese Interpretation wurde später von ihm selbst zurückgezogen. Was übrig blieb, war eine Zahl.

Sie wanderte aus einer spekulativen Untersuchung in Bücher, Zeitschriften, Internetseiten und Videos und wurde schließlich zu einer scheinbar feststehenden Eigenschaft des Black Knight.

Gerade dieser Weg macht die Geschichte interessant.

Denn manchmal braucht eine Weltraumlegende kein außerirdisches Raumschiff, um jahrzehntelang zu überleben. Manchmal genügt eine rätselhafte Reihe von Funksignalen, eine ungewöhnliche Sternkarte und eine Zahl, die sich niemand mehr so recht aus dem Kopf schlagen kann.

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Quellen
▪︎ Duncan Lunan – Space Probe from Epsilon Boötis?
▪︎ Duncan Lunan – Long-Delayed Echoes and the Extraterrestrial Hypothesis
▪︎ Duncan Lunan – Epsilon Boötis Revisited
▪︎ Ronald N. Bracewell – Arbeiten zur Möglichkeit automatischer interstellarer Kontaktsonden
▪︎ Nature – historische Veröffentlichungen von Carl Størmer und weiteren Forschern zu Long Delayed Echoes
▪︎ British Interplanetary Society – Veröffentlichungen zu Long Delayed Echoes und der Epsilon-Boötis-Hypothese