Gibt es den Black-Knight-Satelliten wirklich

Er soll seit Tausenden von Jahren über unseren Köpfen kreisen. Niemand weiß angeblich, wer ihn gebaut hat, woher er stammt oder warum er die Erde beobachtet. Im Laufe der Jahrzehnte wurden Nikola Tesla, rätselhafte Funksignale, unbekannte Objekte im Erdorbit und sogar Fotos der NASA mit ihm in Verbindung gebracht.

Der sogenannte Black-Knight-Satellit besitzt damit etwas, das viele Weltraumlegenden nicht haben: eine erstaunlich lange Liste vermeintlicher Indizien.

Doch gibt es dieses Objekt wirklich?

Die kurze Antwort lautet: Für einen geheimnisvollen oder sogar außerirdischen Satelliten namens Black Knight gibt es keinen belastbaren wissenschaftlichen Beleg.

Interessanter ist allerdings die Frage, warum trotzdem so viele scheinbar passende Hinweise existieren.

Viele Spuren, aber kein gemeinsames Objekt

Das größte Problem der Black-Knight-Geschichte zeigt sich bereits beim Blick auf ihre Entstehung. Es gibt kein einzelnes Ereignis, bei dem ein unbekannter Satellit entdeckt und anschließend über Jahrzehnte verfolgt wurde.

Stattdessen wurden ganz unterschiedliche Geschichten miteinander verbunden.

Nikola Tesla registrierte Ende des 19. Jahrhunderts ungewöhnliche Signale. Jahrzehnte später wurden rätselhafte Funkechos untersucht. Während des Kalten Krieges tauchten Berichte über zunächst unbekannte Objekte im Erdorbit auf. In den 1970er-Jahren entstand die berühmte Behauptung, eine außerirdische Sonde könne bereits seit etwa 13.000 Jahren in der Nähe der Erde existieren. Und 1998 fotografierte die NASA während der Space-Shuttle-Mission STS-88 tatsächlich ein dunkles und ungewöhnlich geformtes Objekt über der Erde.

All diese Ereignisse sind real oder beruhen zumindest auf tatsächlich veröffentlichten Berichten. Der entscheidende Punkt ist jedoch: Es gibt keinen Nachweis dafür, dass sie miteinander zusammenhängen.

Erst später wurden sie zu einer gemeinsamen Geschichte zusammengesetzt.

Wo ist der Black Knight heute?

Der erdnahe Weltraum wird heute erheblich genauer beobachtet als zu Beginn des Raumfahrtzeitalters. Raumfahrtbehörden und militärische Einrichtungen verfolgen Tausende aktive Satelliten, ausgediente Raumfahrzeuge, Raketenstufen und Trümmerteile.

Ein großes Objekt, das dauerhaft die Erde umkreist, müsste eine nachvollziehbare Umlaufbahn besitzen. Seine Position ließe sich wiederholt bestimmen und mit späteren Beobachtungen vergleichen. Genau eine solche durchgehende Beobachtungskette existiert beim Black Knight nicht.

Stattdessen tauchen in der Geschichte immer wieder unterschiedliche Objekte zu unterschiedlichen Zeiten und unter unterschiedlichen Umständen auf. Dass diese Beobachtungen tatsächlich denselben Satelliten zeigen, lässt sich nicht belegen.

Und was ist mit den NASA-Fotos?

Besonders hartnäckig halten sich die Bilder der Space-Shuttle-Mission STS-88. Darauf ist ein dunkles, bizarr geformtes Objekt vor der Erde zu sehen.

Die Aufnahmen selbst sind echt. Sie zeigen jedoch keinen von der NASA entdeckten unbekannten Satelliten.

Während eines Außenbordeinsatzes ging Isoliermaterial verloren und bewegte sich anschließend frei im Raum. Durch wechselnde Perspektiven, Falten, Licht und Schatten entstanden ungewöhnliche Formen, die auf einzelnen Bildern tatsächlich wie ein großes technisches Objekt wirken können.

Gerade diese Fotos zeigen allerdings auch, warum sich die Black-Knight-Legende so gut hält: Man muss kein Bild fälschen, damit etwas geheimnisvoll aussieht. Manchmal genügt ein echtes Foto ohne seinen ursprünglichen Zusammenhang.

Warum verschwindet die Geschichte nicht?

Der Black Knight ist deshalb ungewöhnlich, weil seine Legende nicht vollständig erfunden werden musste. Viele ihrer Bausteine existierten tatsächlich.

Es gab ungeklärte Funksignale. Es gab Spekulationen über außerirdische Sonden. Es gab unbekannte Objekte, die zeitweise im Orbit verfolgt wurden. Es gab die außergewöhnliche Interpretation einer rund 13.000 Jahre alten Botschaft. Und es gibt echte NASA-Aufnahmen eines dunklen Objekts im Weltraum. Was fehlt, ist die Verbindung zwischen diesen Ereignissen.

Aus einzelnen Rätseln entstand im Laufe der Zeit ein größeres Rätsel. Sobald diese Geschichten miteinander verbunden waren, konnte fast jedes weitere ungewöhnliche Ereignis als neuer Hinweis auf den Black Knight erscheinen.

Gibt es den Black Knight also wirklich?

Nach allem, was heute bekannt ist, gibt es keinen überzeugenden Hinweis darauf, dass ein uralter außerirdischer Satellit die Erde umkreist.

Es gibt keine durchgehend dokumentierte Umlaufbahn, keine wiederholbaren Beobachtungen eines solchen Objekts und keine wissenschaftlichen Messungen, die seine Existenz bestätigen. Der Black Knight ist vielmehr ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie eine Legende entstehen kann, ohne dass sämtliche Bestandteile erfunden sein müssen. Die einzelnen Geschichten hinter dem Mythos sind teilweise real. Der Satellit, der sie angeblich miteinander verbindet, ist es sehr wahrscheinlich nicht.

Mehr zum Black-Knight-Mythos
▪︎ Was ist der Black-Knight-Satellit? Die Legende vom geheimnisvollen Wächter
▪︎ Umkreist seit 13.000 Jahren ein Alien-Satellit die Erde?
▪︎ Das Rätsel der Black-Knight-Bilder
▪︎ Was hat Nikola Tesla mit dem Black-Knight-Satelliten zu tun?

Quellen
▪︎ NASA – STS-88 Mission und Missionsarchiv
▪︎ NASA – Bildarchiv der Space-Shuttle-Mission STS-88
▪︎ Duncan Lunan – Space Probe from Epsilon Boötis? und spätere Einordnung der Epsilon-Boötis-Hypothese
▪︎ Duncan Lunan – Black Knight, Stellungnahme zur späteren Verbindung seiner Arbeiten mit der Black-Knight-Legende
▪︎ Space.com – The Black Knight Satellite: A 120-Year-Old Conspiracy Theory