Seit mehr als fünf Jahren rollt Perseverance über den Mars. Als der NASA-Rover am 18. Februar 2021 im Jezero-Krater landete, begann eine Mission, die zunächst vor allem mit einer großen Frage verbunden war: Gab es auf dem Mars einst Bedingungen, unter denen mikrobielles Leben existieren konnte? Inzwischen hat Perseverance den Boden des Kraters durchquert, ein ehemaliges Flussdelta untersucht, Gesteinsproben gesammelt und den Kraterrand überwunden. Die Mission läuft weiter.
Heute beschäftigt sich der Rover mit besonders alten Gesteinen außerhalb beziehungsweise am westlichen Rand des Jezero-Kraters. Dort erreicht Perseverance Material, das Einblicke in eine sehr frühe Epoche des Mars geben kann. Gleichzeitig bleibt eine seiner wichtigsten Aufgaben bestehen: geeignete Gesteine zu untersuchen und Proben zu sichern, die eines Tages möglicherweise auf der Erde analysiert werden könnten.
Ist Perseverance noch aktiv?
Ja. Perseverance ist im August 2026 weiterhin aktiv und wissenschaftlich im Einsatz. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt zog zum fünften Jahrestag der Landung im Februar 2026 eine ausgesprochen positive Zwischenbilanz: Der Rover hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 40 Kilometer zurückgelegt, über 30 Gesteins-, Regolith- und Atmosphärenproben gesammelt und bereits mehrere große wissenschaftliche Untersuchungskampagnen abgeschlossen.
Nur wenige Monate später erreichte Perseverance einen weiteren symbolischen Meilenstein. Am 14. Juni 2026 hatte der Rover insgesamt 42,195 Kilometer zurückgelegt – also die Distanz eines Marathons. Dafür benötigte er fünf Jahre und vier Monate. Opportunity hatte dieselbe Fahrstrecke erst nach mehr als elf Jahren erreicht.
Die zurückgelegte Strecke ist dabei nicht das eigentliche Ziel. Perseverance fährt nicht möglichst weit, sondern dorthin, wo die Geologie interessant wird. Manchmal bewegt sich der Rover über längere Distanzen, manchmal verbringt das Wissenschaftsteam Tage oder Wochen damit, einzelne Gesteinsformationen näher zu untersuchen.
Wo befindet sich Perseverance heute?
Perseverance landete 2021 im Jezero-Krater, weil dort vor Milliarden Jahren Wasser vorhanden war. Im Krater lag einst ein See, in den ein Fluss Sedimente transportierte und ein Delta aufschüttete. Solche Ablagerungen sind für die Forschung besonders interessant, weil Sedimente auf der Erde Spuren früher Lebensformen über sehr lange Zeit bewahren können.
Seit seiner Landung hat Perseverance jedoch längst nicht mehr nur den ursprünglichen Kraterboden untersucht. Seine Route führte über vulkanisches Gestein, durch die Ablagerungen des alten Flussdeltas und schließlich hinauf zum Rand von Jezero. Ende 2024 erreichte der Rover den Kraterrand, anschließend begann die Erforschung des Geländes außerhalb des ursprünglichen Beckens.
Im Juni 2026 befand sich Perseverance in einem Gebiet westlich von Jezero, das das Missionsteam „Arbot“ nennt. Das DLR beschreibt die aktuelle Forschungsregion weiter gefasst als Gebiet hinter dem Kraterrand in Richtung Nili Planum. Dort stößt der Rover auf Gesteine, die sich deutlich von vielen zuvor untersuchten Formationen unterscheiden.
NASA führt eine fortlaufend aktualisierte Karte, auf der die Fahrstrecke und die jeweils jüngsten Positionen des Rovers dokumentiert werden. Die gesamte Route zeigt inzwischen eindrucksvoll, wie weit sich Perseverance von seinem ursprünglichen Landeplatz entfernt hat.
Was untersucht Perseverance gerade?
Ein Schwerpunkt der aktuellen Missionsphase liegt auf sehr altem Marsgestein. Gerade der Rand des Jezero-Kraters ist dafür außergewöhnlich interessant. Als der große Einschlag den Krater vor Milliarden Jahren entstehen ließ, wurden Gesteine aus tieferen Bereichen der Marskruste nach oben befördert. Perseverance kann damit Material erreichen, das an anderen Stellen möglicherweise tief unter jüngeren Ablagerungen verborgen wäre.
Eine 2026 veröffentlichte Untersuchung beschäftigte sich beispielsweise mit einer rund 75 Meter mächtigen Abfolge sehr alter Gesteinsschichten am Kraterrand. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass diese Schichten wahrscheinlich während einer Epoche entstanden, in der der frühe Mars intensiv von Asteroiden getroffen wurde. Einige der dort untersuchten Gesteine könnten mehr als 3,9 Milliarden Jahre alt sein.
Für die Marsforschung ist das bedeutsam, weil Perseverance inzwischen verschiedene Kapitel der Geschichte des Planeten an einem einzigen Missionsort untersuchen konnte: den alten Kraterboden, Ablagerungen eines ehemaligen Sees, ein Flussdelta und nun sehr viel ältere Gesteine am und außerhalb des Kraterrands.
Der Rover ist damit inzwischen weniger ein Fahrzeug zur Untersuchung eines einzelnen Ortes als ein fahrendes geologisches Archiv.
Sucht Perseverance nach Leben auf dem Mars?
Perseverance sucht nicht nach kleinen Lebewesen, die heute über den Marsboden kriechen. Seine astrobiologische Aufgabe ist wesentlich vorsichtiger formuliert: Der Rover untersucht, ob es auf dem frühen Mars lebensfreundliche Bedingungen gab und ob sich in alten Gesteinen mögliche Spuren früher mikrobieller Aktivität erhalten haben könnten.
Dabei machte Perseverance einen seiner bislang interessantesten Funde bereits 2024. In einem Gestein mit dem Missionsnamen „Cheyava Falls“ entdeckten seine Instrumente auffällige chemische und mineralogische Strukturen. Eine aus diesem Gestein entnommene Probe trägt den Namen „Sapphire Canyon“.
2025 wurde die wissenschaftliche Untersuchung dieser Strukturen veröffentlicht. NASA bezeichnete die Merkmale als mögliche Biosignatur. Das ist jedoch ausdrücklich kein Nachweis von Leben auf dem Mars. Eine mögliche Biosignatur ist lediglich eine Struktur oder chemische Zusammensetzung, die biologisch entstanden sein könnte. Nichtbiologische geologische oder chemische Prozesse müssen weiterhin als Erklärung berücksichtigt werden.
Gerade diese Unterscheidung ist entscheidend. Perseverance hat kein außerirdisches Leben entdeckt. Der Rover hat vielmehr einen Fund gemacht, dessen Entstehung wissenschaftlich besonders interessant ist und der möglicherweise erst durch wesentlich genauere Untersuchungen einer Probe auf der Erde abschließend bewertet werden könnte.
Welche Proben hat Perseverance gesammelt?
Die Probensammlung gehört zu den ungewöhnlichsten Aufgaben der gesamten Mission. Perseverance kann mit seinem Roboterarm Gestein anbohren, kleine Bohrkerne entnehmen und diese in speziell dafür vorgesehenen Röhrchen versiegeln.
Bis Februar 2026 hatte der Rover nach Angaben des DLR insgesamt 33 Proben gesammelt. Dazu gehören Gestein und loses Marsmaterial, aber auch Proben der Atmosphäre. Ein Teil der Röhrchen befindet sich weiterhin an Bord des Rovers, weitere wurden an einem Depot auf der Marsoberfläche abgelegt.
Ursprünglich sollten ausgewählte Proben im Rahmen einer gemeinsamen Mars-Sample-Return-Kampagne von NASA und ESA zur Erde gebracht werden. Die konkrete Architektur einer solchen Rückführung wurde jedoch mehrfach überprüft und verändert. Das DLR bezeichnete die Rückführung im Februar 2026 als gegenwärtig ausgesetzt, technisch aber weiterhin möglich. Die von Perseverance gesammelten Proben bleiben daher wissenschaftlich wertvoll, auch wenn derzeit nicht feststeht, wann und auf welchem Weg sie tatsächlich zur Erde gelangen könnten.
Was hat Perseverance bisher entdeckt?
Die Mission hat das Bild des Jezero-Kraters erheblich erweitert. Der Rover konnte bestätigen, dass seine geologische Geschichte komplizierter ist, als eine einfache Vorstellung von einem ehemaligen See vermuten lässt.
Perseverance untersuchte vulkanische Gesteine auf dem Kraterboden, Sedimente des früheren Deltas und Formationen, die durch Wasser verändert wurden. Die Daten helfen dabei, die zeitliche Entwicklung des Kraters zu rekonstruieren und zu verstehen, wann dort Wasser vorhanden war und wie sich die Umwelt anschließend veränderte.
Besonders wichtig ist dabei nicht ein einzelner spektakulärer Fund. Der wissenschaftliche Wert entsteht aus dem Gesamtbild. Gesteine unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters lassen sich miteinander vergleichen. Damit kann die Mission nachvollziehen, wie sich ein Teil der Marsoberfläche über Milliarden Jahre verändert hat.
Auch die Atmosphäre gehört zum Untersuchungsprogramm. Perseverance misst unter anderem Temperatur, Druck, Wind und Staub. Damit ist der Rover gleichzeitig Geologe, Wetterstation, Fotograf und chemisches Labor.
Was wurde aus dem Mars-Hubschrauber Ingenuity?
Zur Mars-2020-Mission gehörte ursprünglich noch ein zweites Fahrzeug: der kleine Hubschrauber Ingenuity. Er wurde unter Perseverance befestigt zum Mars transportiert und sollte eigentlich lediglich demonstrieren, dass ein kontrollierter Motorflug in der extrem dünnen Marsatmosphäre möglich ist.
Aus wenigen geplanten Testflügen wurde eine jahrelange Erfolgsgeschichte. Ingenuity begleitete die Mission bei zahlreichen Erkundungen und zeigte, dass Fluggeräte künftig Rovern vorausfliegen und Gelände aus der Luft untersuchen könnten.
Die Flugmission endete im Januar 2024, nachdem bei einer Landung mindestens ein Rotorblatt beschädigt worden war. Perseverance setzte seine eigene Mission anschließend ohne den kleinen Begleiter fort.
Dass Ingenuity nicht mehr fliegt, änderte am wissenschaftlichen Programm von Perseverance selbst nichts. Der Rover wurde von Anfang an als eigenständig arbeitendes Fahrzeug konzipiert.
Fährt Perseverance mittlerweile selbstständig über den Mars?
Teilweise. Ein Mars-Rover kann wegen der Entfernung zwischen Erde und Mars nicht wie ein ferngesteuertes Auto in Echtzeit gefahren werden. Funksignale benötigen je nach Stellung der Planeten mehrere Minuten für eine Strecke. Deshalb plant das Missionsteam Fahrten im Voraus, während Perseverance mit Kameras und Navigationssoftware Hindernisse erkennt und bestimmte Entscheidungen selbst trifft.
Ende 2025 wurde diese Technik um einen bemerkenswerten Versuch erweitert. Bei zwei Fahrten erzeugte ein System mit generativer künstlicher Intelligenz Wegpunkte für den Rover. Die KI analysierte dafür vorhandene Orbitalbilder und Geländedaten und schlug eine sichere Route vor. Perseverance führte die so geplanten Fahrten anschließend aus. NASA bezeichnete dies als die ersten Fahrten auf einer anderen Welt, deren Route auf diese Weise von KI geplant worden war.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Perseverance völlig selbstständig durch den Mars fährt. Wissenschaftliche Ziele und Missionsentscheidungen werden weiterhin von Menschen festgelegt. Automatisierung hilft vor allem dabei, immer größere Entfernungen effizient und sicher zurückzulegen.
Wie lange kann Perseverance noch weiterfahren?
Ein festes Ablaufdatum gibt es für die Mission nicht. Solange Rover, Energieversorgung, Kommunikationssysteme und wissenschaftliche Instrumente ausreichend funktionieren und die NASA den Betrieb fortführt, kann Perseverance weiterarbeiten.
Anders als ältere Mars-Rover wie Spirit und Opportunity ist Perseverance nicht auf Solarzellen angewiesen. Seine elektrische Energie stammt aus einem Radioisotopengenerator. Dabei wird Wärme aus dem natürlichen Zerfall von Plutonium-238 in elektrische Energie umgewandelt. Das macht den Rover weitgehend unabhängig von Tageslicht, Jahreszeiten und Staubablagerungen auf Solarzellen.
Trotzdem altert auch Perseverance. Räder, Motoren, Elektronik und Instrumente sind den extremen Bedingungen des Mars ausgesetzt. Erfahrungen mit anderen Missionen zeigen allerdings, dass Rover ihre ursprünglich geplante Lebensdauer erheblich überschreiten können. Curiosity arbeitet beispielsweise seit 2012 auf dem Mars.
Wie lange Perseverance tatsächlich durchhält, lässt sich deshalb nicht seriös vorhersagen. Im Jahr 2026 gibt es jedoch keinen Hinweis darauf, dass seine Forschungsreise unmittelbar vor dem Ende steht.
Perseverance erkundet inzwischen einen neuen Mars
Die ersten Bilder von Perseverance zeigten 2021 eine flache Landschaft auf dem Boden des Jezero-Kraters. Fünf Jahre später befindet sich der Rover in einer völlig anderen Umgebung. Hinter ihm liegen ein ehemaliger See, ein Flussdelta, kilometerlange Fahrten und Dutzende gesicherte Proben. Vor ihm liegt Gelände, das Material aus einer noch älteren Epoche des Planeten zugänglich macht.
Gerade das macht den heutigen Stand der Mission so interessant. Perseverance beantwortet nicht mehr nur die Frage, wie der Jezero-Krater aussah, als dort Wasser vorhanden war. Der Rover beginnt zunehmend, in die Geschichte des Mars vor dieser Zeit vorzudringen.
Ob die gesammelten Proben eines Tages tatsächlich auf der Erde landen und ob sich eine der möglichen Biosignaturen als Hinweis auf frühere biologische Prozesse bestätigt, ist offen. Doch Perseverance muss nicht erst Leben finden, um seine Mission erfolgreich zu machen. Mit jedem untersuchten Gestein wird deutlicher, wie sich Mars von einer einst wesentlich feuchteren Welt zu dem kalten und trockenen Planeten entwickelte, den wir heute sehen.
Und solange seine sechs Räder weiterfahren, ist diese Geschichte noch nicht zu Ende.
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Quellen
▪︎ NASA Science – Mars 2020: Perseverance Rover und aktuelle Positionskarte
▪︎ NASA Jet Propulsion Laboratory – Perseverance Mission Updates
▪︎ NASA Science – Perseverance Science und Science Highlights
▪︎ NASA – Untersuchung der möglichen Biosignatur in Cheyava Falls
▪︎ NASA Jet Propulsion Laboratory – Ancient Mars Impacts am Jezero-Kraterrand
▪︎ NASA – HiRISE-Aufnahmen und Marathon-Meilenstein von Perseverance
▪︎ NASA Jet Propulsion Laboratory – KI-geplante Fahrten des Perseverance-Rovers
▪︎ Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Fünf Jahre Perseverance auf dem Mars
▪︎ Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Mars 2020 und wissenschaftliche Instrumente

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