SpaceX und der Mars Wie Elon Musk eine Stadt auf dem Roten Planeten bauen will

Eine Stadt auf dem Mars beginnt in den Plänen von Elon Musk nicht mit Wohnhäusern, Straßen oder Gewächshäusern. Sie beginnt mit Raketen. Tausende Flüge sollen Menschen, Maschinen, Energieanlagen und Baumaterial über Millionen Kilometer transportieren. Aus einer kleinen Forschungsbasis soll schrittweise eine Siedlung entstehen, die irgendwann alles Lebensnotwendige selbst herstellen und ohne Nachschub von der Erde bestehen kann.

Diese Vorstellung gehört seit der Gründung von SpaceX zu den langfristigen Zielen des Unternehmens. Starship wird ausdrücklich als Transportsystem für Flüge zum Mond, Mars und zu weiter entfernten Zielen entwickelt. Musk sprach wiederholt von einer selbstversorgenden Stadt mit langfristig möglicherweise einer Million Einwohnern.

Ein ausgearbeiteter und genehmigter Bauplan für eine Marsstadt existiert jedoch nicht. Es gibt weder einen verbindlichen Termin noch eine vollständige technische Architektur, Finanzierung oder internationale Regelung für ein solches Vorhaben. SpaceX entwickelt vor allem das Transportsystem, das große Frachtmengen zum Mars bringen könnte. Aus dieser Fähigkeit eine dauerhaft bewohnbare Stadt zu schaffen, wäre eine erheblich größere Aufgabe, an der zahlreiche Staaten, Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen beteiligt werden müssten.

Warum will Elon Musk eine Stadt auf dem Mars bauen?

Musk begründet das Marsziel mit der langfristigen Sicherung menschlicher Zivilisation. Eine Menschheit, die nur auf einem Planeten lebt, bleibt nach dieser Vorstellung durch globale Katastrophen, Kriege, Asteroideneinschläge oder andere existenzielle Ereignisse gefährdet. Eine eigenständig lebensfähige Siedlung auf einem zweiten Planeten soll dieses Risiko verringern.

Entscheidend ist dabei der Begriff eigenständig. Eine kleine Forschungsstation, die ständig Lebensmittel, Ersatzteile und Sauerstoff von der Erde benötigt, würde Musks Ziel nicht erfüllen. Seine Vorstellung ist eine Stadt, die weiterbestehen könnte, selbst wenn über längere Zeit keine Raumfahrzeuge von der Erde eintreffen.

Dieser Maßstab macht das Vorhaben so außergewöhnlich. Eine Marsbasis mit einigen Astronauten wäre bereits eine der schwierigsten technischen Leistungen der Geschichte. Eine selbstversorgende Stadt müsste zusätzlich Landwirtschaft, Energieerzeugung, Medizin, Rohstoffgewinnung, Industrie und Ersatzteilproduktion aufbauen. Sie müsste außerdem genügend Menschen beherbergen, um ihre Bevölkerung, ihre Infrastruktur und ihr Wissen über Generationen zu erhalten.

Musk hat dafür in verschiedenen Präsentationen sehr ehrgeizige Zeiträume genannt. Viele frühere Vorhersagen zu ersten Marsflügen wurden jedoch nicht eingehalten. Anfang 2026 erklärte er zudem, SpaceX werde zunächst stärker auf eine dauerhafte Präsenz auf dem Mond setzen, weil dieser schneller erreichbar sei und häufiger angeflogen werden könne. Das langfristige Marsziel wurde damit nicht aufgegeben, zeitlich aber weiter nach hinten verschoben.

Warum soll Starship zum Mars fliegen?

Eine Marsstadt lässt sich nur aufbauen, wenn große Mengen Fracht vergleichsweise regelmäßig transportiert werden können. Bisherige Marsmissionen brachten meist einzelne Sonden, Lander oder Rover zum Roten Planeten. Selbst die schwersten erfolgreich gelandeten Fahrzeuge hatten nur eine Masse von wenigen Tonnen.

Starship soll diese Größenordnung deutlich übertreffen. SpaceX gibt für das vollständig wiederverwendbare System eine geplante Nutzlast von mehr als 100 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn an. Für Marsflüge müsste das Raumfahrzeug dort mit mehreren Tankerflügen betankt werden. Anschließend könnte es die Erdumlaufbahn verlassen und seine Reise beginnen.

Das System besteht aus dem Super-Heavy-Booster und dem oberen Starship. Super Heavy beschleunigt das Raumfahrzeug während der ersten Minuten und kehrt danach zur Erde zurück. Starship setzt den Flug fort und soll nach der Betankung im All den Mars erreichen. Weil der Planet eine Atmosphäre besitzt, könnte das Raumfahrzeug einen Teil seiner Geschwindigkeit durch den aerodynamischen Widerstand abbauen. Für die endgültige Landung wären dennoch die Raptor-Triebwerke erforderlich.

Der Durchmesser von neun Metern schafft einen großen Innenraum für Fracht, Tanks oder Aufenthaltsbereiche. Verschiedene Starship-Versionen könnten Menschen, Maschinen, Treibstoff oder Satelliten transportieren. Ob die angestrebte Nutzlast tatsächlich bis auf die Marsoberfläche gebracht werden kann, ist allerdings noch nicht nachgewiesen.

Starship befindet sich weiterhin in der Entwicklung. Das System hat wichtige Flugphasen erprobt, aber noch keine vollständige Marsmission, keine bemannte Langzeitreise und keine Landung eines derart großen Fahrzeugs auf einem anderen Planeten absolviert.

Wann kann ein Starship zum Mars starten?

Erde und Mars bewegen sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten um die Sonne. Etwa alle 26 Monate befinden sie sich in einer günstigen Stellung für einen vergleichsweise energiesparenden Flug. Dieses Zeitfenster dauert nur begrenzte Zeit. Wird es verpasst, muss eine Mission gewöhnlich mehr als zwei Jahre auf die nächste Gelegenheit warten.

Je nach Flugbahn und technischer Leistung kann die Reise mehrere Monate dauern. SpaceX hofft, durch leistungsfähige Raumfahrzeuge und geeignete Bahnen kürzere Reisezeiten zu erreichen. Dennoch bleibt Mars wesentlich schwieriger erreichbar als der Mond. Der Mond ist innerhalb weniger Tage zu erreichen und bietet häufige Startgelegenheiten. Zum Mars gibt es keine schnelle Rückkehrmöglichkeit, wenn während der Reise ein schweres Problem auftritt.

Musk plante wiederholt, zunächst unbemannte Starships zu schicken. Sie sollten die Landung erproben, mögliche Standorte untersuchen und Ausrüstung absetzen. Erst nach erfolgreichen unbemannten Flügen wären Missionen mit Menschen denkbar. Frühere Ziele, schon Mitte der 2020er-Jahre zum Mars zu fliegen, wurden nicht erreicht. Seit der stärkeren Ausrichtung auf Mondprojekte ist auch ein konkreter neuer Marszeitplan nicht belastbar festgelegt.

Die Startfenster bestimmen später ebenfalls den Aufbau einer Siedlung. Neue Bewohner und Versorgungsgüter könnten nicht jederzeit losgeschickt werden. Der Verkehr würde in großen Wellen erfolgen, zwischen denen lange Pausen liegen. Eine Marsbasis müsste diese Unterbrechungen von Beginn an einplanen.

Wie kann ein so großes Raumschiff auf dem Mars landen?

Die Landung gehört zu den größten ungelösten Problemen. Die Marsatmosphäre besitzt am Boden im Durchschnitt weniger als ein Prozent des Luftdrucks der Erdatmosphäre. Sie ist dicht genug, um ein schnell eintretendes Raumfahrzeug stark zu erhitzen, aber zu dünn, um ein schweres Starship allein mit Fallschirmen ausreichend abzubremsen.

Bisherige Marslander verwendeten Kombinationen aus Hitzeschilden, Fallschirmen, Bremsraketen, Airbags oder schwebenden Landestufen. Diese Systeme waren für wesentlich kleinere Massen ausgelegt. Ein Starship müsste dagegen viele Dutzend Tonnen sicher bis zur Oberfläche bringen.

SpaceX plant, das Raumfahrzeug zunächst durch die Atmosphäre abbremsen zu lassen und anschließend seine Raptor-Triebwerke einzusetzen. Das Verfahren wird als Überschall-Retropropulsion bezeichnet, weil die Triebwerke bereits gezündet werden können, während sich das Fahrzeug noch mit Überschallgeschwindigkeit bewegt. SpaceX sammelt bei den Landungen seiner Falcon-Raketen und bei Starship-Testflügen Erfahrungen mit ähnlichen Grundprinzipien. Die Bedingungen auf dem Mars unterscheiden sich jedoch erheblich von denen auf der Erde.

Ein geeigneter Landeplatz müsste möglichst flach und frei von großen Felsen sein. Zugleich sollte sich in erreichbarer Nähe Wassereis befinden, weil Wasser für Menschen, Landwirtschaft und Treibstoffproduktion benötigt würde. Tiefer gelegene Regionen bieten außerdem etwas mehr Atmosphäre für die Abbremsung. Welcher Standort diese Anforderungen am besten verbindet, ist noch nicht endgültig festgelegt.

Wie sollen Menschen die Reise überstehen?

Eine Reise zum Mars dauert nicht nur Monate, sondern führt weit außerhalb des schützenden Magnetfelds der Erde. Die Besatzung ist dort galaktischer kosmischer Strahlung und möglichen energiereichen Teilchenausbrüchen der Sonne ausgesetzt. Eine starke Sonneneruption könnte innerhalb kurzer Zeit eine gefährliche Strahlendosis verursachen.

Das Raumfahrzeug benötigt daher geschützte Bereiche, in die sich die Besatzung bei einem Sonnensturm zurückziehen kann. Wasser, Lebensmittel oder andere Vorräte könnten um einen solchen Schutzraum angeordnet werden. Gegen die dauerhaft einwirkende kosmische Strahlung ist eine wirksame Abschirmung schwieriger, weil schwere Schutzschichten wiederum die zu transportierende Masse erhöhen.

Auch die Schwerelosigkeit belastet den Körper. Muskeln bauen ab, Knochen verlieren Mineralstoffe und das Herz-Kreislauf-System passt sich an die fehlende Schwerkraft an. Nach mehreren Monaten Flug müssten die Reisenden unmittelbar nach der Landung in der Marsgravitation arbeiten können. Diese beträgt nur etwa 38 Prozent der Erdschwerkraft. Welche gesundheitlichen Folgen ein jahrelanger Aufenthalt unter diesen Bedingungen hätte, ist bislang nicht ausreichend bekannt.

Hinzu kommen Isolation, begrenzter Raum und die psychische Belastung einer Reise ohne schnelle Rückkehrmöglichkeit. Je nach Entfernung benötigt ein Funksignal zwischen Erde und Mars mehrere Minuten bis mehr als 20 Minuten für eine Strecke. Ein unmittelbares Gespräch mit Ärzten oder Flugkontrolle ist dadurch unmöglich. Die Besatzung muss technische und medizinische Notfälle weitgehend selbst bewältigen.

SpaceX hat bislang keine vollständige öffentlich zugängliche Auslegung der Lebenserhaltung, Strahlenabschirmung und medizinischen Versorgung eines bemannten Mars-Starships vorgestellt. Solche Systeme gehören jedoch zu den Voraussetzungen, bevor Menschen an Bord gehen könnten.

Woher kommen Luft, Wasser und Nahrung?

Die Marsatmosphäre besteht überwiegend aus Kohlendioxid und ist für Menschen nicht atembar. Der Luftdruck ist außerdem so niedrig, dass ein Aufenthalt ohne Druckanzug tödlich wäre. Wohnräume müssen deshalb dauerhaft abgedichtet und mit einer künstlichen Atmosphäre versorgt werden.

Ein Teil des Sauerstoffs könnte aus dem Kohlendioxid der Marsatmosphäre gewonnen werden. Das NASA-Experiment MOXIE an Bord des Rovers Perseverance hat dieses Verfahren im kleinen Maßstab erfolgreich erprobt. Während seiner 16 Einsätze erzeugte es insgesamt 122 Gramm Sauerstoff. Damit wurde nachgewiesen, dass die grundlegende Technik unter realen Marsbedingungen funktioniert.

Eine Siedlung benötigt jedoch industrielle Anlagen, die über lange Zeit viele Tonnen Sauerstoff herstellen, reinigen, verflüssigen und speichern. Der größere Anteil wäre nicht einmal zum Atmen gedacht, sondern als Oxidationsmittel für Raketen. Für den Start eines schweren Raumfahrzeugs vom Mars wären enorme Mengen erforderlich.

Wasser könnte aus unterirdischem oder oberflächennahem Eis gewonnen werden. Es würde als Trinkwasser, für Hygiene, Landwirtschaft, Sauerstoffproduktion und möglicherweise als Ausgangsstoff für Treibstoff dienen. Vor dem Aufbau einer Siedlung müsste jedoch geklärt werden, wie viel zugängliches Eis an einem geeigneten Standort vorhanden ist, wie stark es verunreinigt ist und mit welchem Energieaufwand es gewonnen werden kann.

Nahrung müsste zunächst vollständig von der Erde mitgebracht werden. Später könnten Gewächshäuser einen Teil des Bedarfs decken. Pflanzen benötigen jedoch kontrolliertes Licht, Wasser, Nährstoffe, geeignete Temperaturen und Schutz vor Strahlung. Marsboden lässt sich nicht ohne Weiteres als Ackerboden verwenden. Er enthält kaum organisches Material und kann gesundheitsschädliche Perchlorate enthalten.

Eine wirklich selbstversorgende Stadt müsste außerdem Saatgut, Dünger, landwirtschaftliche Geräte und Ersatzteile selbst bereitstellen können. Landwirtschaft auf dem Mars wäre daher kein einfacher Anbau unter Glas, sondern ein geschlossenes technisches System.

Wie soll auf dem Mars Treibstoff hergestellt werden?

Die Wahl von Methan und Sauerstoff als Starship-Treibstoffe ist eng mit dem Marskonzept verbunden. Beide Stoffe könnten grundsätzlich aus örtlichen Ressourcen erzeugt werden. Die Marsatmosphäre liefert Kohlendioxid, während Wasserstoff aus Wassereis gewonnen werden könnte.

In einer sogenannten Sabatier-Reaktion reagieren Kohlendioxid und Wasserstoff zu Methan und Wasser. Das Wasser lässt sich anschließend durch Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegen. Ein Teil des Wasserstoffs kann erneut verwendet werden, während Methan und Sauerstoff gekühlt und verflüssigt werden.

Die chemischen Verfahren sind bekannt. Die eigentliche Herausforderung liegt in ihrer Anwendung auf dem Mars. Eine Treibstoffanlage müsste autonom ankommen, aufgebaut werden und bereits lange vor dem Rückflug zuverlässig arbeiten. Sie benötigt große Mengen elektrischer Energie, Pumpen, Kompressoren, Kühlsysteme und Speicherbehälter. Außerdem muss sie Staub, Temperaturschwankungen und möglichen technischen Ausfällen standhalten.

Bevor Menschen landen, müsste vermutlich nachgewiesen sein, dass genügend Treibstoff für ihren Rückflug vorhanden ist. Andernfalls wären sie vollständig von einer Anlage abhängig, die erst nach ihrer Ankunft ihre Funktionsfähigkeit beweisen müsste.

Wie könnte eine Marsstadt aufgebaut werden?

Die ersten unbemannten Starships würden nach der Vorstellung von SpaceX Ausrüstung, Energieanlagen, Fahrzeuge und Versorgungsgüter absetzen. Spätere Flüge könnten erste Besatzungen bringen. Sie würden die gelieferten Systeme in Betrieb nehmen, Unterkünfte vorbereiten und die Rohstoffgewinnung ausbauen.

Starships könnten anfangs selbst als Wohn- oder Lagerraum dienen. Langfristig wären jedoch besondere Habitate sinnvoller. Sie könnten teilweise mit Marsboden bedeckt oder in natürliche Geländeformen integriert werden, um die Bewohner besser gegen Strahlung, Temperaturschwankungen und kleine Meteoriteneinschläge zu schützen.

Eine Siedlung benötigt eine zuverlässige Energieversorgung. Solarenergie ist möglich, liefert auf dem Mars aber weniger Leistung als auf der Erde und kann durch Staubablagerungen oder Stürme beeinträchtigt werden. Große Speicher wären notwendig, um Nächte und Zeiten geringer Einstrahlung zu überbrücken. Kernenergie könnte eine gleichmäßigere Versorgung bieten, stellt aber eigene Anforderungen an Transport, Sicherheit und Betrieb.

Neben Wohnraum werden Werkstätten, medizinische Einrichtungen, Lager, Kommunikationsanlagen und industrielle Produktionsstätten benötigt. Eine selbstversorgende Stadt müsste Metalle, Kunststoffe, Glas, Elektronik und komplexe Maschinen herstellen oder reparieren können. Gerade hoch entwickelte Komponenten wie Computerchips wären lange Zeit nur schwer vor Ort zu produzieren.

Deshalb dürfte der Übergang von einer Basis zu einer wirklich unabhängigen Stadt viele Jahrzehnte dauern. Selbst eine ständig wachsende Siedlung wäre zunächst in hohem Maß auf Nachschub, Spezialwissen und technische Unterstützung von der Erde angewiesen.

Wem würde eine Stadt auf dem Mars gehören?

Der Weltraumvertrag von 1967 untersagt Staaten, den Mond oder andere Himmelskörper durch Souveränitätsansprüche in Besitz zu nehmen. Eine Marsstadt könnte daher nicht einfach auf dieselbe Weise Staatsgebiet werden wie eine neue Stadt auf der Erde.

Der Vertrag richtet sich in erster Linie an Staaten. Diese tragen auch Verantwortung für Weltraumaktivitäten privater Unternehmen und müssen sie genehmigen sowie beaufsichtigen. SpaceX könnte deshalb nicht unabhängig von staatlichen und internationalen Regeln eine vollständig eigene Rechtsordnung auf dem Mars errichten.

Wie Besitzrechte an Gebäuden, geförderten Rohstoffen oder technischen Anlagen geregelt würden, ist dennoch nicht abschließend geklärt. Ebenso offen sind Fragen zu Arbeitsrecht, medizinischer Verantwortung, politischer Vertretung und Konfliktlösung. Eine Siedlung, deren Luft, Wasser und Transportmöglichkeiten von einem Unternehmen kontrolliert werden, würde besondere Abhängigkeiten schaffen.

Hinzu kommt der Planetenschutz. Raumfahrzeuge von der Erde können Mikroorganismen zum Mars bringen. Dadurch könnten Gebiete verunreinigt werden, in denen Wissenschaftler nach Spuren früheren oder möglicherweise noch vorhandenen Lebens suchen. Menschen lassen sich nicht vollständig sterilisieren. Eine dauerhaft bewohnte Siedlung würde die Anforderungen an Schutzgebiete, Forschung und biologische Sicherheit daher grundlegend verändern.

Ist eine Stadt auf dem Mars wirklich möglich?

Kein bekanntes Naturgesetz schließt eine menschliche Siedlung auf dem Mars grundsätzlich aus. Einzelne notwendige Technologien existieren bereits oder wurden in kleinerem Maßstab erprobt. Menschen können über Monate im Weltraum leben, Raumfahrzeuge können auf dem Mars landen, Sauerstoff lässt sich aus seiner Atmosphäre gewinnen und geschlossene Systeme können Wasser und Luft teilweise wiederaufbereiten.

Zwischen diesen Fähigkeiten und einer selbstversorgenden Stadt liegt jedoch ein gewaltiger Abstand. Starship muss zunächst zuverlässige Flüge in den Erdorbit, Wiederverwendung, Betankung im Weltraum und sichere Landungen nachweisen. Danach folgen unbemannte Marsmissionen, Langzeittests und die Erprobung der örtlichen Rohstoffgewinnung. Erst dann ließe sich verantwortbar über den Transport von Menschen entscheiden.

Auch das Ziel einer Million Einwohner ist keine belastbare Prognose. Es beschreibt die Größenordnung, die Musk für eine eigenständige Zivilisation für notwendig hält. Wie viele Menschen tatsächlich erforderlich wären und ob eine Siedlung jemals vollständig unabhängig werden könnte, ist wissenschaftlich und wirtschaftlich ungeklärt.

Der aktuelle Schwerpunkt von SpaceX liegt stärker auf Starship-Tests, Starlink und Mondmissionen. Der Mars bleibt das langfristige Ziel, aber nicht der nächste unmittelbar bevorstehende Schritt. Gerade die vielen verschobenen Zeitangaben zeigen, dass Musks Termine eher als ambitionierte Zielmarken denn als verlässliche Missionspläne verstanden werden sollten.

Eine Marsstadt beginnt deshalb vorerst nicht auf dem Roten Planeten, sondern auf Prüfständen und Startplätzen der Erde. Erst wenn Starship häufig fliegen, große Lasten sicher landen und Menschen über Jahre versorgen kann, wird aus der Vision eines zweiten menschlichen Lebensraums ein konkretes Bauprojekt. Bis dahin ist die Stadt auf dem Mars ein Ziel – kein Fahrplan.

Die SpaceX Story

Quellen
▪︎ SpaceX – Starship und Pläne für eine multiplanetare Zukunft
▪︎ NASA Human Research Program – Gefahren bemannter Marsmissionen
▪︎ NASA und Jet Propulsion Laboratory – Mars Oxygen In-Situ Resource Utilization Experiment
▪︎ NASA – Technologien für Eintritt, Abstieg und Landung auf dem Mars
▪︎ NASA Technical Reports Server – Kommunikationsverzögerungen bei bemannten Marsmissionen
▪︎ Committee on Space Research – Planetary Protection Policy
▪︎ Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen – Weltraumvertrag
▪︎ Reuters – Aktuelle Einordnung der Mond- und Marspläne von SpaceX