Ist der Mond kuenstlich entstanden Die Theorie vom gebauten Erdtrabanten

Er begleitet die Erde seit Milliarden Jahren, bestimmt Ebbe und Flut und ist der einzige fremde Himmelskörper, den Menschen bislang betreten haben. Trotzdem hält sich um den Mond eine der ungewöhnlichsten Vorstellungen der modernen Weltraummythen: Was, wenn er gar kein natürlich entstandener Himmelskörper ist? Was, wenn der Mond irgendwann gebaut und anschließend gezielt in die Umlaufbahn der Erde gebracht wurde?

Die Vorstellung klingt zunächst wie Science-Fiction. Tatsächlich wurde sie jedoch nicht erst im Internetzeitalter erfunden. Schon vor mehr als einem halben Jahrhundert wurde öffentlich darüber spekuliert, der Mond könne eine künstlich geschaffene Konstruktion sein. Seitdem wurden seine ungewöhnliche Größe, seine vergleichsweise geringe Dichte, seine Krater, Sonnenfinsternisse und sogar Messungen der Apollo-Missionen als vermeintliche Indizien herangezogen. Das Problem dabei: Die einzelnen Beobachtungen sind real – nur führen sie nicht zu dem Schluss, den die Theorie daraus zieht.

Zwei sowjetische Autoren stellen eine ungewöhnliche Frage

Einen entscheidenden Schub erhielt die Vorstellung vom künstlichen Mond im Jahr 1970. Mikhail Vasin und Alexander Shcherbakov veröffentlichten damals im sowjetischen Magazin Sputnik einen spekulativen Beitrag über die Möglichkeit, der Mond könne das Werk einer unbekannten außerirdischen Zivilisation sein. Es handelte sich dabei nicht um eine wissenschaftliche Fachveröffentlichung mit experimentellen Belegen, sondern um eine weitreichende Interpretation verschiedener damals noch schwer erklärbarer Eigenschaften des Erdtrabanten.

Die Idee war bemerkenswert. Der Mond sollte demnach nicht einfach ein aus Gestein bestehender natürlicher Satellit sein. Gedanklich wurde daraus eine gigantische Konstruktion mit einer äußeren Gesteinsschicht und einem technisch geschaffenen Inneren. Eine hoch entwickelte Zivilisation hätte dieses Objekt irgendwann in ferner Vergangenheit gebaut und in die Nähe der Erde gebracht.

Die Autoren konnten dafür keinen direkten Beweis vorlegen. Ihre Argumentation beruhte vielmehr auf Auffälligkeiten des Mondes und auf der Frage, ob diese nicht auch technisch erklärt werden könnten. Genau dieses Muster prägt die Theorie bis heute: Ein tatsächlich vorhandenes astronomisches oder geologisches Phänomen wird herausgegriffen und anschließend als mögliches Merkmal einer künstlichen Konstruktion interpretiert.

Ist der Mond ungewöhnlich groß?

Einer der Punkte, die immer wieder genannt werden, ist die Größe des Mondes. Verglichen mit der Erde ist er tatsächlich ein bemerkenswert großer Begleiter. Sein Durchmesser beträgt etwas mehr als ein Viertel des Erddurchmessers. Betrachtet man klassische Planet-Mond-Systeme, wirkt dieses Verhältnis auffällig.

Daraus folgt jedoch nicht, dass seine Größe künstlich gewählt worden sein muss. Die heutige Forschung verbindet sie vielmehr unmittelbar mit der Entstehungsgeschichte des Erde-Mond-Systems. Nach dem gegenwärtig führenden Erklärungsmodell kollidierte die junge Erde vor ungefähr 4,5 Milliarden Jahren mit einem großen protoplanetaren Körper. Aus dem dabei ins All geschleuderten Material entstand anschließend der Mond. Wie dieser Einschlag genau verlief, wird weiterhin erforscht. Unterschiedliche Modelle reichen von einem gewaltigen einzelnen Zusammenstoß bis zu Varianten mit anderen Einschlagswinkeln, Geschwindigkeiten oder Materialverteilungen. Dass ein katastrophales Ereignis bei der Mondentstehung eine zentrale Rolle spielte, gilt jedoch als die derzeit überzeugendste wissenschaftliche Erklärung.

Gerade die Apollo-Proben haben die Frage komplizierter und zugleich interessanter gemacht. Mondgestein besitzt bei verschiedenen Elementen erstaunlich ähnliche isotopische Eigenschaften wie Gestein der Erde. Moderne Modelle müssen deshalb nicht nur erklären, wie genügend Material für den Mond ins All gelangte, sondern auch, weshalb Erde und Mond chemisch so eng miteinander verwandt erscheinen. Darin liegt eine echte wissenschaftliche Frage – aber kein Hinweis auf eine technische Herstellung.

„Der Mond klingt wie eine Glocke“

Kaum eine Geschichte wird bei der Theorie vom künstlichen oder hohlen Mond häufiger erzählt als jene von den Apollo-Seismometern.

Während des Apollo-Programms wurden Messgeräte auf der Mondoberfläche installiert, mit denen sich Erschütterungen registrieren ließen. Dazu gehörten natürliche Mondbeben, Meteoriteneinschläge und gezielt erzeugte Erschütterungen. Nachdem beispielsweise Teile von Raumfahrzeugen auf der Mondoberfläche aufgeschlagen waren, registrierten die Instrumente Schwingungen, die ungewöhnlich lange anhielten.

In populären Darstellungen entstand daraus der Satz, der Mond habe „wie eine Glocke“ geklungen.

Das klingt spektakulär. Ein Glockenkörper besitzt schließlich einen Hohlraum – warum sollte ein Mond, der sich ähnlich verhält, nicht ebenfalls hohl sein?

Doch genau hier endet die Analogie. Die lange Dauer seismischer Schwingungen bedeutet nicht, dass ein Himmelskörper innen leer ist. Der Mond ist geologisch völlig anders aufgebaut als die Erde. Er enthält nur sehr wenig Wasser, besitzt keine aktive Plattentektonik wie unser Planet und sein stark zerklüftetes, trockenes Gestein kann seismische Energie anders weiterleiten und über lange Zeit streuen. NASA-Wissenschaftler verwenden den Vergleich mit einer Glocke selbst, um die ungewöhnlich lange Nachwirkung von Erschütterungen anschaulich zu beschreiben – nicht als Hinweis auf einen riesigen Hohlraum.

Mehr noch: Gerade die Apollo-Seismometer lieferten Daten über den inneren Aufbau des Mondes. Spätere Auswertungen und weitere geophysikalische Messungen zeigen einen differenzierten Himmelskörper mit Kruste, Mantel und Kern. Der Mond besitzt einen kleinen metallreichen Kern, darunter beziehungsweise darüber unterschiedliche feste und teilweise aufgeschmolzene Schichten. Ein planetenweiter Hohlraum, wie ihn die künstliche-Mond-Theorie voraussetzen müsste, passt zu diesen Messungen nicht.

Damit gehört ausgerechnet eines der berühmtesten angeblichen Argumente für einen künstlichen Mond zu den Beobachtungen, die seine natürliche innere Struktur untersuchbar gemacht haben.

Warum ist der Mond weniger dicht als die Erde?

Auch die mittlere Dichte des Mondes wird gelegentlich als verdächtig dargestellt. Tatsächlich ist sie deutlich geringer als die der Erde. Daraus lässt sich leicht eine suggestive Frage formen: Fehlt im Inneren möglicherweise Material?

Doch Erde und Mond lassen sich auf diese Weise nicht einfach miteinander vergleichen. Die Erde besitzt einen sehr großen, schweren metallischen Kern. Der Eisenanteil des Mondes ist wesentlich geringer, sein Kern nimmt nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines Radius und seiner Gesamtmasse ein. Genau dadurch sinkt seine durchschnittliche Dichte.

Dieses Merkmal gehört sogar zu den Eigenschaften, die Modelle zur Mondentstehung erklären müssen. Wenn der Mond überwiegend aus Material entstand, das aus äußeren Bereichen der jungen Erde und aus einem Einschlagskörper ins All geschleudert wurde, ist ein vergleichsweise geringer Metallanteil durchaus plausibel. Der Mond ist also nicht deshalb leichter, weil in seinem Inneren ein gewaltiger leerer Raum verborgen sein müsste, sondern weil seine Zusammensetzung eine andere ist.

Was ist mit den ungewöhnlichen Kratern?

Auch Mondkrater spielten schon in frühen Spekulationen über einen künstlichen Mond eine Rolle. Einige große Einschlagbecken erschienen im Verhältnis zu ihrem Durchmesser überraschend flach. Daraus entwickelte sich die Vorstellung, Meteoroiden könnten zunächst durch eine äußere Gesteinsschicht schlagen und anschließend auf eine besonders widerstandsfähige Hülle treffen – gewissermaßen auf die Panzerung einer gigantischen Raumstation.

Heute lässt sich die Form solcher Strukturen wesentlich besser erklären.

Große Einschläge funktionieren nicht wie ein Stein, der ein Loch in trockene Erde schlägt. Bei kosmischen Geschwindigkeiten werden in Sekunden enorme Energiemengen freigesetzt. Gestein wird zerbrochen, geschmolzen und ausgeworfen. Der Untergrund reagiert kurzfristig fast wie ein verformbares Material. Kraterwände können anschließend einbrechen, der Kraterboden kann sich anheben und große Becken können später mit vulkanischem Material gefüllt werden.

Hinzu kommen Milliarden Jahre weiterer Einschläge und geologischer Veränderungen. Die Mondoberfläche ist deshalb kein einfacher Abdruck einzelner Geschosse, aus dessen Tiefe sich eine vermeintliche Metallhülle ablesen ließe.

Die scheinbar perfekte Sonnenfinsternis

Vielleicht das ästhetisch eindrucksvollste Argument für einen „gebauten“ Mond steht regelmäßig direkt über unseren Köpfen.

Von der Erde aus erscheinen Sonne und Mond ungefähr gleich groß. Deshalb kann der Mond bei einer totalen Sonnenfinsternis die helle Sonnenscheibe nahezu vollständig verdecken, während die äußere Sonnenatmosphäre sichtbar wird. Für Anhänger der künstlichen-Mond-Idee wirkt das beinahe zu passend: Der Mond scheint genau die richtige Größe zu besitzen und sich genau in der richtigen Entfernung zu befinden.

Doch auch hier ist die vermeintliche Perfektion nur eine Momentaufnahme.

Die Umlaufbahn des Mondes ist nicht kreisförmig, sondern elliptisch. Sein Abstand zur Erde verändert sich. Deshalb erscheint er am Himmel nicht immer gleich groß. Bei manchen Finsternissen kann er die Sonne vollständig verdecken, bei anderen reicht sein scheinbarer Durchmesser nicht aus. Dann bleibt ein heller Sonnenring sichtbar – eine ringförmige Sonnenfinsternis.

Zudem entfernt sich der Mond langsam von der Erde. Totale Sonnenfinsternisse in ihrer heutigen Form sind deshalb kein für alle Zeiten eingerichteter Zustand, sondern eine astronomische Phase in der Geschichte des Erde-Mond-Systems. In ferner Zukunft wird der Mond am Himmel schließlich zu klein erscheinen, um die Sonne noch vollständig zu verdecken.

Eine exakt konstruierte Position sieht anders aus.

Was die Mondproben erzählen

Der stärkste Einwand gegen einen künstlich gebauten Mond liegt allerdings nicht in einzelnen astronomischen Berechnungen, sondern buchstäblich in den Laboren auf der Erde.

Die Apollo-Missionen brachten Mondgestein zurück, hinzu kamen Proben sowjetischer Luna-Missionen und in jüngerer Zeit Material weiterer Mondmissionen. Diese Gesteine erzählen eine lange geologische Geschichte. Sie zeigen Prozesse der Aufschmelzung, Erstarrung, Vulkanismus, Meteoriteneinschläge und chemischen Entwicklung.

Der Mond war in seiner frühen Geschichte teilweise oder weitgehend geschmolzen. Während dieses sogenannten Magmaozean-Stadiums trennten sich Materialien entsprechend ihrer Dichte. Leichtere Minerale konnten nach oben steigen und zur frühen Mondkruste beitragen, schwerere Bestandteile sanken tiefer. Solche Differenzierungsprozesse gehören zu der natürlichen Entwicklung großer felsiger Himmelskörper.

Nichts an diesen Proben verlangt als Erklärung eine technische Konstruktion. Im Gegenteil: Je genauer der Mond untersucht wurde, desto deutlicher wurde seine geologische Entwicklung rekonstruierbar.

Trotzdem ist die Entstehung des Mondes nicht vollständig geklärt

Damit ist allerdings nicht jede Frage beantwortet.

Die Forschung besitzt heute ein wesentlich genaueres Bild von der Mondentstehung als noch während der Apollo-Zeit, aber es existiert kein lückenloser Film des Ereignisses vor rund 4,5 Milliarden Jahren. Die verschiedenen Varianten der großen Einschlagshypothese müssen gleichzeitig die Masse des Mondes, seinen geringen Metallanteil, die Dynamik des Erde-Mond-Systems und die auffälligen chemischen und isotopischen Gemeinsamkeiten von Erde und Mond erklären.

Gerade deshalb werden neue Computersimulationen entwickelt und immer präzisere Analysen von Mondgestein durchgeführt. Einige Modelle lassen den Mond aus einer Trümmerscheibe entstehen, andere Simulationen zeigen, dass ein großer Teil des Materials möglicherweise sehr schnell nach dem Einschlag zu einem Mondkörper zusammenfinden konnte. Auch die genaue Zusammensetzung des Einschlagkörpers, der häufig Theia genannt wird, bleibt Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen.

Das ist ein wichtiger Unterschied: Wissenschaftliche Unsicherheit bedeutet nicht, dass jede denkbare Erklärung gleich wahrscheinlich wird. Dass Einzelheiten der natürlichen Mondentstehung weiter diskutiert werden, liefert keinen positiven Beleg dafür, dass jemand den Mond gebaut hat.

Ist der Mond also künstlich?

Nach allem, was bisher über seinen Aufbau, seine Chemie und seine Entwicklung bekannt ist, gibt es dafür keinen belastbaren Hinweis.

Der Mond besitzt eine geologisch nachvollziehbare Kruste, einen Mantel und einen kleinen Kern. Seine Gesteine zeigen eine Milliarden Jahre lange Entwicklung. Seismische Wellen durchlaufen sein Inneres. Gravitationsmessungen lassen Rückschlüsse auf seine Massenverteilung zu. Seine chemische Verwandtschaft mit der Erde ist so ausgeprägt, dass sie nicht die Frage nach einer außerirdischen Fabrik aufwirft, sondern nach den Details eines gewaltigen Ereignisses während der Entstehung unseres Planetensystems.

Die Theorie vom gebauten Mond lebt von etwas anderem: Sie verbindet mehrere echte Besonderheiten zu einer neuen Geschichte. Der Mond ist ungewöhnlich groß. Seine Entstehung ist komplex. Seine seismischen Eigenschaften unterscheiden sich von denen der Erde. Totale Sonnenfinsternisse wirken verblüffend präzise. Und ausgerechnet unser nächster kosmischer Nachbar besitzt Eigenschaften, deren vollständige Erklärung die Forschung noch immer beschäftigt.

Das macht ihn geheimnisvoll genug.

Eine Konstruktion unbekannter Erbauer braucht es dafür bislang nicht.

Mehr zum Thema Mondmythen
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▪︎ Gibt es eine geheime Alienbasis auf der Rückseite des Mondes?
▪︎ Apollo 20 – Gab es eine geheime Mission zum Mond?

Quellen
▪︎ NASA Science – Moon Formation
▪︎ NASA Science – Moon Composition and Structure
▪︎ NASA – Apollo 11 Seismic Experiment
▪︎ NASA – Mysteries of the Moon, Apollo-Seismologie und Mondbeben
▪︎ NASA – Collision May Have Formed the Moon in Mere Hours, Simulations Reveal
▪︎ Zhou et al., Space: Science & Technology – Research Advances in the Giant Impact Hypothesis of Moon Formation
▪︎ Nielsen et al., Nature Communications – Isotopic Evidence for the Formation of the Moon
▪︎ Fu et al., Communications Earth & Environment – Moon’s High-Energy Giant-Impact Origin and Differentiation
▪︎ Matsumoto et al., Geophysical Research Letters – Internal Structure of the Moon Inferred from Apollo Seismic Data
▪︎ Weber et al., Science – Seismic Detection of the Lunar Core