Jay Stratton gehört zu den ungewöhnlichsten Figuren der modernen UFO-Debatte in den USA. Anders als viele bekannte Zeugen stand er nicht nur außerhalb der Regierung und berichtete über einzelne Beobachtungen. Stratton arbeitete jahrzehntelang im amerikanischen Sicherheits- und Geheimdienstapparat und leitete schließlich die Unidentified Aerial Phenomena Task Force – jene Pentagon-Einheit, die unbekannte Flugphänomene systematisch untersuchen sollte.
Lange sprach Stratton öffentlich nur zurückhaltend über das, was er während seiner Regierungszeit erfahren haben will. Inzwischen hat sich das deutlich geändert. Seit 2025 tritt er öffentlich mit außergewöhnlichen Behauptungen auf. Er erklärte, persönlich nichtmenschliche Fluggeräte und nichtmenschliche Wesen gesehen zu haben. Für Oktober 2026 ist zudem ein Buch angekündigt, in dem er seine Erfahrungen ausführlich darstellen will.
Das macht seine Geschichte brisant. Stratton war tatsächlich einer der ranghöchsten Regierungsmitarbeiter, die offiziell mit UAP-Untersuchungen befasst waren. Seine heutigen Aussagen über nichtmenschliche Technologie sind damit aber noch nicht bewiesen. Öffentlich zugängliche Materialien, anhand derer sich seine spektakulärsten Behauptungen unabhängig überprüfen ließen, liegen bislang nicht vor.
Wer ist Jay Stratton?
Jay Stratton arbeitete mehr als drei Jahrzehnte für die amerikanische Regierung und war in verschiedenen Bereichen von Nachrichtendienst, Verteidigung und technischer Aufklärung tätig. Seine öffentliche Bedeutung entstand vor allem durch seine Beteiligung an mehreren staatlichen Untersuchungen zu ungewöhnlichen Flugphänomenen.
Nach Angaben seines Verlages war Stratton bereits an frühen Programmen beteiligt, aus denen später die modernen UAP-Untersuchungen hervorgingen. Dazu gehörten das Advanced Aerospace Weapon System Applications Program, kurz AAWSAP, und weitere Aktivitäten, die sich unter anderem mit außergewöhnlichen Luft- und Raumfahrtphänomenen beschäftigten.
Seine wichtigste Funktion übernahm Stratton schließlich als Leiter der Unidentified Aerial Phenomena Task Force. Diese Taskforce wurde 2020 vom US-Verteidigungsministerium offiziell eingerichtet. Sie sollte UAP-Beobachtungen erfassen und bewerten, die für die nationale Sicherheit relevant sein könnten.
Damit befand sich Stratton an einer zentralen Stelle. Informationen aus verschiedenen Teilen des Militärs und der Geheimdienste konnten innerhalb dieser Struktur zusammengeführt werden. Gleichzeitig musste die Taskforce Berichte für die politische Führung und schließlich auch für den Kongress vorbereiten.
Was war die UAP Task Force?
Die Unidentified Aerial Phenomena Task Force entstand in einer Phase, in der das UFO-Thema innerhalb der US-Regierung eine grundlegende Veränderung durchlief. Seit 2017 waren Berichte über militärische UAP-Beobachtungen zunehmend öffentlich bekannt geworden. Navy-Piloten wie David Fravor und Ryan Graves berichteten über ungewöhnliche Objekte, während das Pentagon später mehrere dazugehörige Videos offiziell veröffentlichte.
Die Aufgabe der UAP Task Force bestand nicht darin, nach Außerirdischen zu suchen. Sie sollte vielmehr Informationen über unbekannte Flugphänomene sammeln und untersuchen. Dabei standen Fragen der nationalen Sicherheit und Flugsicherheit im Vordergrund. Ein unbekanntes Objekt in einem militärischen Trainingsgebiet kann schließlich auch eine ausländische Drohne, ein Ballon, eine neuartige Technologie oder ein falsch interpretiertes gewöhnliches Objekt sein.
Unter Strattons Leitung trug die Taskforce Informationen zusammen, die in den ersten großen öffentlichen UAP-Bericht der amerikanischen Geheimdienste von 2021 einflossen. Dieser Bericht untersuchte 144 Meldungen aus amerikanischen Regierungsquellen, überwiegend aus den Jahren 2019 bis 2021. Nur ein Fall konnte damals eindeutig erklärt werden. Bei den meisten reichten die vorhandenen Daten nicht für eine abschließende Identifizierung.
Der Bericht stellte jedoch ausdrücklich nicht fest, dass die ungeklärten Fälle außerirdischen Ursprungs waren. Vielmehr wurden mehrere mögliche Kategorien genannt – darunter Luftverkehr, natürliche atmosphärische Erscheinungen, ausländische Technologien und andere bislang nicht ausreichend verstandene Phänomene.
Welche Rolle spielte Jay Stratton bei den UFO-Untersuchungen?
Strattons Rolle ging nach eigenen späteren Darstellungen weiter zurück als die formelle Gründung der UAP Task Force. Er erklärte, über viele Jahre hinweg an staatlichen Untersuchungen ungewöhnlicher Phänomene beteiligt gewesen zu sein. Dazu gehörte auch die Beschäftigung mit Informationen aus früheren Pentagon-Programmen.
Für die spätere UAP Task Force stellte er ein Team zusammen, das Berichte aus verschiedenen militärischen und geheimdienstlichen Bereichen auswerten sollte. Zu diesem Umfeld gehörte auch der Physiker und Raumfahrtingenieur Travis Taylor, der später öffentlich bestätigte, als leitender Wissenschaftler der Taskforce gearbeitet zu haben.
Stratton hatte damit nicht nur eine administrative Funktion. Nach späteren Aussagen von Beteiligten war er auch in die Auswahl der Fälle und die Frage eingebunden, welche wissenschaftlichen und technischen Aspekte genauer untersucht werden sollten.
Dabei entstand ein Problem, das bis heute fast alle UAP-Untersuchungen begleitet: Viele der interessantesten Daten unterliegen militärischer Geheimhaltung. Radarsysteme, Satelliten und andere Sensorplattformen besitzen Fähigkeiten, die aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht vollständig offengelegt werden. Selbst wenn ein ungewöhnliches Objekt mit solchen Systemen erfasst wurde, bedeutet das deshalb nicht automatisch, dass die zugrunde liegenden Rohdaten der Öffentlichkeit oder unabhängigen Wissenschaftlern zur Verfügung stehen.
Was behauptet Jay Stratton über nichtmenschliche Fluggeräte?
Seit 2025 hat Stratton seine öffentliche Position erheblich verschärft. In der Dokumentation „The Age of Disclosure“ erklärte er, mit eigenen Augen nichtmenschliche Fluggeräte und nichtmenschliche Wesen gesehen zu haben.
Das ist eine außergewöhnliche Aussage. Sie unterscheidet sich grundlegend von der vorsichtigeren Feststellung, dass bestimmte UAP-Fälle ungeklärt seien.
Stratton behauptet damit nicht lediglich, Informationen anderer Personen erhalten zu haben. Er stellt sich selbst als unmittelbaren Zeugen dar. Genau das unterscheidet seine heutigen Aussagen beispielsweise von Teilen der Aussagen David Gruschs, der viele seiner bekanntesten Behauptungen auf Informationen anderer Personen stützt.
Bislang fehlt allerdings eine öffentlich überprüfbare Grundlage, anhand derer sich Strattons Behauptung bestätigen ließe. Es wurden weder ein angebliches nichtmenschliches Fluggerät noch biologische Proben oder andere eindeutige Beweismittel vorgelegt, die unabhängigen wissenschaftlichen Untersuchungen zugänglich wären.
Seine frühere Position innerhalb der Regierung macht die Behauptung bemerkenswert. Sie macht sie aber nicht automatisch wahr.
Hat Jay Stratton Beweise für Außerirdische vorgelegt?
Bislang nicht in einer Form, die öffentlich unabhängig überprüft werden könnte.
Das ist der entscheidende Punkt bei der Einordnung seiner Aussagen. Wenn jemand behauptet, persönlich ein Fluggerät nichtmenschlichen Ursprungs und nichtmenschliche Wesen gesehen zu haben, wäre der wissenschaftliche Beweis dafür von enormer Bedeutung. Notwendig wären beispielsweise eindeutig dokumentierte Materialien, überprüfbare Messdaten, biologische Proben oder andere unabhängige Befunde.
Solche Beweismittel wurden von Stratton bisher öffentlich nicht präsentiert.
Dagegen steht die offizielle Position der heutigen Pentagon-Untersuchungsstelle AARO. Die Behörde erklärte nach ihren bisherigen Untersuchungen, keine überprüfbaren Hinweise darauf gefunden zu haben, dass die US-Regierung außerirdische Technologie geborgen oder erfolgreich untersucht habe. Auch die ausgewerteten historischen Behauptungen über geheime Reverse-Engineering-Programme konnten nach Darstellung von AARO nicht bestätigt werden.
Diese Position beantwortet allerdings nicht automatisch jede Behauptung Strattons. Wie bei vielen Auseinandersetzungen um geheime Regierungsprogramme besteht ein erheblicher Teil des Konflikts gerade darin, wer Zugang zu welchen Informationen hatte. Für die Öffentlichkeit bleibt deshalb die einfache Regel entscheidend: Ohne überprüfbare Belege bleibt auch eine Aussage eines früheren hochrangigen Regierungsmitarbeiters eine Behauptung.
Was hat Jay Stratton mit Skinwalker Ranch zu tun?
Ein besonders ungewöhnliches Kapitel seiner Laufbahn führt zu Skinwalker Ranch in Utah. Das Gelände wurde seit den 1990er-Jahren durch Berichte über angeblich paranormale Erscheinungen bekannt – von ungewöhnlichen Lichtphänomenen und UFO-Sichtungen bis zu wesentlich exotischeren Geschichten.
Im Rahmen des Pentagon-finanzierten AAWSAP-Programms wurden Untersuchungen durchgeführt, die auch Aktivitäten auf dem damals dem Unternehmer Robert Bigelow gehörenden Gelände einschlossen. Stratton war nach späteren Darstellungen an diesem Untersuchungsumfeld beteiligt.
Dieser Zusammenhang ist wichtig, weil er zeigt, dass ein Teil der frühen staatlich finanzierten Forschung wesentlich breiter angelegt war als die spätere Untersuchung militärischer UAP-Meldungen. Neben möglichen Luft- und Raumfahrtphänomenen wurden dort auch Berichte über andere ungewöhnliche Ereignisse betrachtet.
Kritiker sehen darin einen erheblichen Schwachpunkt dieser frühen Untersuchungen. Die Fachzeitschrift Science berichtete 2022 beispielsweise über die ungewöhnliche Verbindung zwischen Pentagon-UFO-Forschung und Forschern, die auch paranormale Phänomene ernsthaft untersuchten.
Das bedeutet nicht, dass jeder spätere UAP-Fall dadurch wertlos wäre. Es zeigt jedoch, warum zwischen unterschiedlichen Untersuchungsphasen und unterschiedlichen Beweisstandards unterschieden werden muss.
War David Grusch für Jay Stratton tätig?
Zwischen Stratton und David Grusch gibt es eine direkte Verbindung innerhalb der staatlichen UAP-Untersuchungen. Grusch war zeitweise in den behördenübergreifenden Prozess eingebunden, in dem UAP-Informationen für die entsprechende Taskforce zusammengetragen wurden.
Grusch wurde später durch seine Behauptungen bekannt, er habe während seiner Arbeit Hinweise auf geheime Programme zur Bergung und technischen Untersuchung nichtmenschlicher Fluggeräte gefunden. 2023 sagte er vor dem US-Kongress aus, dass ihm Personen mit direkter Kenntnis entsprechende Informationen gegeben hätten.
Die Verbindung zwischen Grusch und Stratton wird deshalb häufig als Hinweis darauf angeführt, dass innerhalb kleiner Kreise der amerikanischen UAP-Untersuchungen sehr weitreichende Vorstellungen über nichtmenschliche Technologie existierten.
Gerade hier ist jedoch Vorsicht nötig. Dass mehrere Personen innerhalb eines Regierungsumfelds dieselben oder ähnliche Behauptungen kennen, ist nicht automatisch eine unabhängige Bestätigung. Entscheidend ist, ob die Informationen tatsächlich aus voneinander unabhängigen Quellen stammen oder innerhalb eines relativ kleinen Personenkreises weitergegeben wurden.
AARO hat genau dieses Problem in seinen historischen Untersuchungen thematisiert und darauf hingewiesen, dass bestimmte Geschichten möglicherweise innerhalb miteinander verbundener Gruppen zirkulierten und dadurch den Eindruck mehrerer unabhängiger Bestätigungen erzeugten.
Was will Jay Stratton in seinem Buch enthüllen?
Strattons angekündigtes Buch trägt den Titel „Out of the Shadows: Revealing the Truth About Non-Human Intelligent Life“. Es soll im Oktober 2026 erscheinen.
Schon der Titel zeigt, dass Stratton seine Position inzwischen eindeutig formuliert. Nach Angaben des Verlages will er darin seine jahrzehntelange Arbeit an UAP-Untersuchungen beschreiben und zugleich darlegen, warum er von der Realität nichtmenschlicher Intelligenz überzeugt ist.
Da das Buch zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht veröffentlicht ist, lässt sich nicht beurteilen, welche konkreten Beweise oder Dokumente Stratton darin präsentieren wird. Verlagstexte und Vorankündigungen sind zudem naturgemäß Werbung für ein kommendes Buch und keine unabhängige Bestätigung seines Inhalts.
Für die Bewertung seiner Aussagen dürfte deshalb entscheidend sein, ob das Werk neue überprüfbare Informationen enthält oder überwiegend persönliche Erlebnisse und bereits bekannte Behauptungen schildert.
Sollte Stratton tatsächlich bislang unbekannte Dokumente oder nachvollziehbare Daten veröffentlichen, könnten diese wissenschaftlich oder journalistisch geprüft werden. Sollte es bei Zeugenaussagen bleiben, würde sich am derzeitigen Beweisstand dagegen wenig ändern.
Was sagen Pentagon und NASA zu UAP?
Während Stratton inzwischen von nichtmenschlichen Fluggeräten spricht, bleiben die offiziellen Bewertungen amerikanischer Behörden wesentlich vorsichtiger.
AARO veröffentlicht laufend neue Fallanalysen. Einige ursprünglich unbekannte Objekte konnten inzwischen als Ballons, Vögel oder gewöhnliche Fluggeräte eingeordnet werden. Bei anderen Fällen reicht das vorhandene Material weiterhin nicht für eine eindeutige Identifizierung aus. In einigen Untersuchungen kommt die Behörde ausdrücklich zu dem Schluss, dass auf den Aufnahmen ein reales Objekt zu sehen ist, ohne dessen genaue Herkunft bestimmen zu können.
Das ist kein Widerspruch. Ein physisch vorhandenes Objekt kann real und trotzdem unbekannt sein.
Auch NASA betont, dass es bislang keine belastbaren Hinweise gebe, nach denen UAP außerirdischen Ursprungs seien. Die Raumfahrtagentur sieht das Hauptproblem in der mangelnden Qualität vieler Daten und fordert bessere, standardisierte Beobachtungsmethoden.
Damit besteht eine auffällige Spannung zwischen den öffentlichen Aussagen einzelner früherer Regierungsmitarbeiter und den offiziellen wissenschaftlichen beziehungsweise behördlichen Bewertungen. Stratton behauptet inzwischen eine Gewissheit, die durch öffentlich zugängliche Beweise bislang nicht nachvollzogen werden kann.
Was wissen wir heute über Jay Stratton und die Pentagon-UFO-Taskforce?
Mehrere Punkte sind gut belegt. Jay Stratton arbeitete jahrzehntelang im amerikanischen Sicherheitsapparat. Er war an staatlichen Untersuchungen ungewöhnlicher Phänomene beteiligt und leitete die UAP Task Force, die Informationen über nicht identifizierte Beobachtungen aus Militär und Geheimdiensten zusammenführte. Die Existenz dieser staatlichen Untersuchungen steht heute außer Frage.
Ebenfalls gesichert ist, dass es reale UAP-Fälle gibt, die zum Zeitpunkt ihrer Untersuchung nicht eindeutig identifiziert werden konnten. Aktuelle Veröffentlichungen von AARO zeigen weiterhin sowohl gelöste als auch ungelöste Fälle. „UAP“ bezeichnet damit keine Erfindung und auch nicht automatisch ein außerirdisches Fluggerät, sondern zunächst einen Beobachtungsfall, dessen Ursache nicht ausreichend bestimmt werden konnte.
Wesentlich unsicherer wird die Geschichte dort, wo Stratton inzwischen von nichtmenschlichen Fluggeräten und Wesen spricht. Für diese Behauptung existiert bislang kein öffentlich zugänglicher Beweis, der einer unabhängigen Überprüfung standhalten würde.
Das macht Jay Stratton dennoch zu einer außergewöhnlichen Figur. Nur wenige Menschen haben einerseits so lange innerhalb der offiziellen amerikanischen UAP-Untersuchungen gearbeitet und andererseits anschließend derart weitreichende persönliche Aussagen gemacht.
Genau deshalb dürfte sein Fall noch eine Weile offenbleiben. Die entscheidende Frage lautet inzwischen nicht mehr, ob das Pentagon UFOs beziehungsweise UAP untersucht hat – das ist längst belegt. Die entscheidende Frage lautet, ob Stratton tatsächlich etwas gesehen und erfahren hat, das weit über die offiziell veröffentlichten Erkenntnisse hinausgeht.
Seine frühere Position verleiht dieser Behauptung Gewicht. Den Beweis muss sie dennoch erst noch liefern.
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Quellen
▪︎ Office of the Director of National Intelligence – Preliminary Assessment: Unidentified Aerial Phenomena, 2021
▪︎ All-domain Anomaly Resolution Office – Historical Record Report, Volume 1
▪︎ All-domain Anomaly Resolution Office – Offizielle UAP-Fallanalysen und Bildmaterial
▪︎ NASA – UAP Independent Study und aktuelle Informationen zu Unidentified Anomalous Phenomena
▪︎ Science – Berichterstattung zu Pentagon-UAP-Forschung und früheren Untersuchungsprogrammen
▪︎ HarperCollins / William Morrow – Biografische Angaben zu Jay Stratton und Ankündigung von „Out of the Shadows“
▪︎ The Guardian – Berichterstattung zu „The Age of Disclosure“ und Jay Strattons öffentlichen Aussagen
