Warum bauten Menschen vor der Sonnenfinsternis von 1999 einen Bunker

Vor der totalen Sonnenfinsternis vom 11. August 1999 ließ eine esoterische Gruppierung in Spanien Schutzräume errichten. Die Mitglieder erwarteten nach damaligen Berichten eine gewaltige Flut, die große Teile der Erde überschwemmen sollte. Die Bauten sollten ihnen ermöglichen, die vermeintlich bevorstehende Katastrophe zu überleben.

Hinter den Vorbereitungen stand die Vereinigung „Universelle und Menschliche Energie“. Sie war Teil einer international verbreiteten Bewegung, die Heilmethoden und spirituelle Lehren anbot. Ihr Leiter Luong Minh Dang soll angekündigt haben, dass am Tag der Sonnenfinsternis eine weltweite Flut einsetzen würde.

Besonders gefährdet waren nach dieser Vorstellung alle Orte, die weniger als 300 Meter über dem Meeresspiegel lagen. Warum gerade diese Höhe entscheidend sein sollte, ließ sich wissenschaftlich nicht begründen. Die Angabe verlieh der Prophezeiung jedoch den Anschein einer genauen Vorhersage.

In Santa Cristina d’Aro in der spanischen Provinz Girona entstand ein unterirdischer Schutzraum unter einem Wohnhaus. Ein weiterer Bau wurde in der Nähe der Gemeinde L’Aleixar in der Provinz Tarragona errichtet. Dieser bestand aus einer großen, teilweise unterirdischen Halle, in der nach späteren Berichten bis zu 500 Menschen Platz finden sollten.

Die Behörden beschäftigten sich vor allem mit der Frage, ob die Gebäude ordnungsgemäß genehmigt worden waren. Während für den Bau in Santa Cristina d’Aro Genehmigungen vorgelegen haben sollen, gab es beim Schutzraum nahe L’Aleixar offenbar Probleme mit dem Baurecht. Die Eigentümer erklärten dort, das Gebäude sei kein Bunker, sondern ein Versammlungsort für einen Naturverein.

Die Sonnenfinsternis war nicht der einzige Grund für die damaligen Ängste. Das bevorstehende Jahr 2000 wurde von zahlreichen Endzeitvorstellungen begleitet. Hinzu kamen Prophezeiungen des französischen Astrologen Nostradamus, Berichte über eine ungewöhnliche Anordnung der Planeten und die Behauptung, die russische Raumstation Mir könne auf Paris stürzen.

In dieser aufgeheizten Stimmung erschien die Verdunkelung der Sonne manchen Menschen als Bestätigung dafür, dass eine große Veränderung bevorstand. Die Finsternis erhielt dadurch eine Bedeutung, die weit über das eigentliche astronomische Ereignis hinausging.

Am 11. August 1999 trat die angekündigte Flut jedoch nicht ein. Vor dem Schutzbau in Tarragona wurden nach einem damaligen Bericht keine größeren Menschenansammlungen beobachtet. Auch an anderen Orten erfüllten sich die mit der Sonnenfinsternis verbundenen Weltuntergangsprophezeiungen nicht.

Astronomisch verlief die Finsternis genau so, wie sie lange zuvor berechnet worden war. Der Mond bewegte sich zwischen Erde und Sonne und sein Schatten zog über Europa und Teile Asiens. Nach wenigen Minuten wurde es wieder hell.

Die Bunker wurden daher nicht wegen einer tatsächlichen Gefahr gebaut. Sie entstanden aus einer Verbindung von religiösen Vorstellungen, esoterischen Prophezeiungen und der allgemeinen Endzeitstimmung vor dem Jahrtausendwechsel. Die Geschichte zeigt, wie ein seltenes Himmelsereignis Ängste verstärken kann, wenn es mit einer vermeintlich genauen Katastrophenvorhersage verbunden wird.

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Quellen
▪︎ El País: Un grupo esotérico edifica refugios para salvarse de un diluvio
▪︎ El País: Los druidas y las profecías de Paco Rabanne
▪︎ El País: Redada en Cataluña contra una secta coreana que prometía curar el cáncer
▪︎ Die Welt: Um 12.30 Uhr wird es Nacht
▪︎ Die Zeit: Total finster
▪︎ Technische Universität Berlin: Die Sonnenfinsternis vom 11. August 1999

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