Vier Blutmonde sorgten in den Jahren 2014 und 2015 für zahlreiche Spekulationen. Einige christliche Prediger sahen in den aufeinanderfolgenden Mondfinsternissen ein Zeichen für eine bevorstehende Veränderung der Welt. Andere Anhänger der Prophezeiung erwarteten Kriege, Katastrophen oder sogar den Beginn der Endzeit.
Bei den vier Blutmonden handelte es sich um eine sogenannte Tetrade. Damit bezeichnen Astronomen vier aufeinanderfolgende totale Mondfinsternisse, zwischen denen jeweils ungefähr sechs Monate liegen. Die Finsternisse ereigneten sich am 15. April und 8. Oktober 2014 sowie am 4. April und 28. September 2015.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Reihe, weil die Termine mit den jüdischen Festen Pessach und Sukkot zusammenfielen. Der US-amerikanische Prediger Mark Biltz deutete dies als mögliches Zeichen Gottes. Bekannt wurde die Vorstellung vor allem durch John Hagee und dessen 2013 erschienenes Buch „Four Blood Moons: Something Is About to Change“.
Hagee verwies auf frühere Tetraden, die angeblich mit bedeutenden Ereignissen in der Geschichte des jüdischen Volkes verbunden gewesen seien. Dazu zählte er die Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492, die Gründung Israels im Jahr 1948 und den Sechstagekrieg von 1967. Daraus entstand die Behauptung, auch die vier Blutmonde von 2014 und 2015 könnten eine große politische oder religiöse Veränderung ankündigen.
Die Zusammenhänge hielten einer genaueren Prüfung jedoch nicht stand. Mehrere der genannten Mondfinsternisse ereigneten sich erst nach den angeblich vorhergesagten Ereignissen. Drei der vier Blutmonde von 2014 und 2015 waren zudem von Jerusalem aus nicht als vollständige Finsternis zu beobachten. Auch eine eindeutige Vorhersage, was genau geschehen sollte, gab es nicht.
Nachdem die letzte Mondfinsternis am 28. September 2015 vorübergegangen war, trat keine außergewöhnliche Katastrophe ein. Die Welt veränderte sich nicht auf die angekündigte Weise. Die Prophezeiung blieb so unbestimmt, dass spätere politische Ereignisse dennoch als mögliche Erfüllung bezeichnet werden konnten.
Astronomisch waren die vier Blutmonde eine ungewöhnliche, aber natürliche Folge totaler Mondfinsternisse. Tetraden kommen immer wieder vor und besitzen keine bekannte Wirkung auf politische oder geschichtliche Ereignisse. Die Geschichte zeigt jedoch, wie leicht ein auffälliges Himmelsereignis mit religiösen Überlieferungen und der Erwartung einer bevorstehenden Zeitenwende verbunden werden kann.
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Quellen
▪︎ NASA Science: A Tetrad of Lunar Eclipses
▪︎ John Hagee: Four Blood Moons: Something Is About to Change
▪︎ Isaac Newton Institute: Science, Religion and the Four Blood Moons of 2014 and 2015
▪︎ The Friends of Israel Gospel Ministry: Three Reasons the Blood Moons Are Not Biblical Signs
▪︎ Baptist Bible Tribune: What About the Blood Moons?

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