Ein Blutmond galt in vielen frühen Kulturen als Zeichen für bevorstehendes Unglück. Wenn sich der helle Vollmond plötzlich verdunkelte und rötlich färbte, fehlte den Menschen lange eine wissenschaftliche Erklärung. Das ungewöhnliche Schauspiel wurde deshalb häufig als Botschaft der Götter oder als Warnung vor Krieg, Krankheit und Tod verstanden.
Besonders ausgeprägt war diese Vorstellung im alten Mesopotamien. Babylonische und assyrische Gelehrte beobachteten den Himmel sehr genau und hielten Mondfinsternisse auf Tontafeln fest. Sie betrachteten die Ereignisse jedoch nicht nur als astronomische Erscheinungen. Je nach Zeitpunkt, Verlauf und Himmelsrichtung sollte eine Finsternis den Tod eines Herrschers, die Niederlage eines Heeres oder eine Bedrohung für das Land ankündigen. Erhaltene babylonische Tontafeln enthalten zahlreiche solcher Vorhersagen.
Um einen König vor dem angeblich angekündigten Schicksal zu schützen, wurde zeitweise sogar ein Ersatzkönig eingesetzt. Dieser nahm für kurze Zeit den Platz des eigentlichen Herrschers ein und sollte damit das Unheil auf sich ziehen. Nach dem Ende der Gefahr kehrte der wirkliche König auf den Thron zurück.
Auch im alten China galten Mondfinsternisse als himmlische Warnungen. Nach einer verbreiteten Vorstellung wurde der Mond von einem Drachen oder einem anderen Wesen verschlungen. Die Menschen versuchten deshalb, den Angreifer mit Trommeln, Rufen und lautem Lärm zu vertreiben. Gleichzeitig konnten Finsternisse als Zeichen für eine Gefahr für den Kaiser oder das Reich gedeutet werden.
Die Verbindung mit Krieg und Unglück entstand vor allem durch die auffällige rote Farbe. Rot erinnerte an Blut, Feuer und Gewalt. Trat nach einer Mondfinsternis tatsächlich ein Krieg, eine Hungersnot oder der Tod eines Herrschers ein, wurde dies als Bestätigung der Prophezeiung verstanden. Ereignete sich nichts, geriet die Vorhersage dagegen meist in Vergessenheit.
Heute ist bekannt, dass ein Blutmond während einer totalen Mondfinsternis entsteht. Die Erde steht dabei zwischen Sonne und Mond. Rötliches Sonnenlicht wird durch die Erdatmosphäre gelenkt und erreicht noch die Mondoberfläche. Mit Krieg, Katastrophen oder dem Schicksal eines Herrschers hat die Erscheinung nichts zu tun. Ihre ungewöhnliche Farbe erklärt jedoch, warum sie über Jahrtausende als bedrohliches Zeichen verstanden wurde.
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Quellen
▪︎ British Museum: Babylonische Tontafel mit Vorzeichen zu Mondfinsternissen
▪︎ Metropolitan Museum of Art: Die Finsternis und der mesopotamische Ersatzkönig
▪︎ NASA: History of Eclipses
▪︎ NASA Goddard Space Flight Center: Eclipse History
▪︎ NASA Science: Eclipses and the Moon

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