Als Neil Armstrong und Buzz Aldrin im Juli 1969 den Mond betraten, befanden sich die Vereinigten Staaten in einer schwierigen politischen und gesellschaftlichen Lage. Der Vietnamkrieg forderte immer mehr Opfer, im ganzen Land fanden Proteste statt und die Auseinandersetzungen um Gleichberechtigung, Armut und Rassentrennung waren noch lange nicht beendet.
Nach einer verbreiteten Verschwörungserzählung soll die Mondlandung deshalb nicht nur erfunden worden sein, um einen Erfolg im Wettlauf mit der Sowjetunion vorzutäuschen. Das weltweit übertragene Ereignis habe auch dazu gedient, die Aufmerksamkeit von den Problemen innerhalb der Vereinigten Staaten abzulenken.
Ein Land in einer schweren Krise
Der historische Hintergrund dieser Behauptung ist nicht erfunden. Die Vereinigten Staaten waren Ende der 1960er-Jahre tief gespalten. Der Vietnamkrieg wurde zunehmend abgelehnt. Immer mehr Menschen zweifelten an den offiziellen Angaben der Regierung und protestierten gegen den Einsatz amerikanischer Soldaten.
Gleichzeitig kämpfte die Bürgerrechtsbewegung gegen rassistische Benachteiligung und soziale Ungleichheit. Nach der Ermordung Martin Luther Kings im April 1968 kam es in zahlreichen amerikanischen Städten zu schweren Unruhen. Auch die Ermordungen von Präsident John F. Kennedy und Senator Robert Kennedy hatten das Vertrauen vieler Menschen in Politik und staatliche Institutionen erschüttert.
Vor diesem Hintergrund erschien das Apollo-Programm manchen Kritikern als kostspieliges Vorhaben, während im eigenen Land Menschen unter Armut, Diskriminierung und schlechten Lebensbedingungen litten.
Proteste gegen Apollo 11
Die Kritik am Raumfahrtprogramm war bereits vor dem Start von Apollo 11 sichtbar. Am 15. Juli 1969, einen Tag vor dem Start, führte der Bürgerrechtler Ralph Abernathy eine Gruppe armer Familien zum Kennedy Space Center. Die Demonstrierenden wollten darauf aufmerksam machen, dass die Regierung Milliarden für eine Reise zum Mond ausgab, während viele Menschen auf der Erde nicht ausreichend versorgt waren.
Die Demonstration richtete sich jedoch nicht gegen die Echtheit der geplanten Mondlandung. Abernathy und seine Mitstreiter behaupteten nicht, dass die Mission in einem Filmstudio gedreht werde. Sie kritisierten vielmehr die politischen Prioritäten und die Verteilung staatlicher Mittel.
War Apollo 11 ein Ablenkungsmanöver?
Es ist nachvollziehbar, dass die Mondlandung die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zeitweise auf ein anderes Thema lenkte. Die Fernsehübertragung wurde weltweit verfolgt und vermittelte für einige Tage das Bild eines gemeinsamen Erfolgs. Historiker beschreiben, dass der Vietnamkrieg und die inneren Unruhen während dieses Ereignisses kurzzeitig in den Hintergrund traten.
Daraus folgt jedoch nicht, dass Apollo 11 eigens zu diesem Zweck erfunden oder inszeniert wurde. Das Mondprogramm war viele Jahre zuvor begonnen worden. Präsident John F. Kennedy hatte das Ziel einer bemannten Mondlandung bereits am 25. Mai 1961 verkündet. Zu diesem Zeitpunkt war weder der spätere Umfang des Vietnamkriegs noch die gesellschaftliche Lage des Jahres 1969 vorhersehbar.
Auch die amerikanischen Probleme verschwanden durch die Mondlandung nicht. Der Krieg, die Proteste und die Auseinandersetzungen um soziale Gerechtigkeit wurden weiterhin öffentlich diskutiert. Die Kritik an den hohen Kosten des Raumfahrtprogramms blieb ebenfalls bestehen.
Die Mondlandung konnte für kurze Zeit von anderen Ereignissen ablenken und wurde von der amerikanischen Regierung als nationaler Erfolg präsentiert. Für die weitergehende Behauptung, sie sei zur Täuschung der Bevölkerung erfunden worden, gibt es jedoch keine belastbaren Belege.
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Quellen
▪ Smithsonian National Air and Space Museum: The Challenge Before Us – Historical Reflections on 1969
▪ NASA History: Apollo 11 and the Social and Political Climate of 1969
▪ NASA: Apollo 11 Mission Overview
▪ The Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute: Ralph Abernathy and the Poor People’s Campaign
▪ U.S. Department of State, Office of the Historian: The United States and the Vietnam War
