Seit Jahrzehnten gehört der erste Schritt eines Menschen auf dem Mars zu den großen Versprechen der Raumfahrt. Immer wieder tauchen Jahreszahlen auf: 2030, 2033, 2035 oder auch deutlich frühere Termine. Doch im August 2026 gibt es trotz weit fortgeschrittener Planungen noch immer kein verbindliches Datum für den Start der ersten bemannten Marsmission. NASA und ESA betrachten den Mars eindeutig als langfristiges Ziel der bemannten Raumfahrt, während SpaceX mit Starship ein Transportsystem entwickelt, das ausdrücklich auch für Marsflüge vorgesehen ist. Zwischen einem erklärten Ziel und einer tatsächlich startbereiten Mission liegt jedoch eine gewaltige technische Strecke.
Die derzeit belastbarste Antwort auf die Frage „Wann fliegen Menschen zum Mars?“ lautet deshalb: Eine erste bemannte Mission in den 2030er Jahren ist weiterhin denkbar, aber keineswegs gesichert. Ein Flug erst in den 2040er Jahren kann nach heutigem Stand ebenso wenig ausgeschlossen werden. Die NASA spricht weiterhin davon, Technologien für astronautische Marsmissionen bereits in den 2030er Jahren vorzubereiten. Einen konkreten Flug mit Startdatum, Besatzung und fertigem Missionsplan gibt es jedoch nicht.
Die NASA plant den Mars – aber noch keinen bestimmten Flug
Der Unterschied ist entscheidend. Die NASA besitzt inzwischen eine sogenannte „Moon to Mars Architecture“. Dabei handelt es sich nicht um den Flugplan einer einzelnen Mission, sondern um einen langfristigen technischen und organisatorischen Rahmen. Er beschreibt, welche Fähigkeiten entwickelt werden müssen, damit Menschen zunächst dauerhaft außerhalb der unmittelbaren Umgebung der Erde arbeiten und später den Mars erreichen können.
In der aktuellen Architektur erscheint „Humans to Mars“ ausdrücklich als eigener Abschnitt. Gleichzeitig bezeichnet die NASA die möglichen Konzepte für die erste Marslandung noch als weitgehend offenen „Trade Space“: Es wird also weiterhin untersucht, mit welchen Raumfahrzeugen, Energiequellen, Missionsabläufen und Versorgungssystemen eine solche Expedition überhaupt durchgeführt werden soll. Einzelne Entscheidungen sind gefallen, viele grundlegende Punkte aber noch nicht.
Der Weg führt für die NASA zunächst über den Mond. Mit Artemis sollen Astronauten lernen, weit außerhalb der niedrigen Erdumlaufbahn länger zu leben und zu arbeiten. Systeme zur Energieversorgung, Kommunikation, Navigation, Lebenserhaltung und Logistik können dort unter Bedingungen erprobt werden, die einem späteren Marsflug zumindest in Teilen näherkommen als der Betrieb der Internationalen Raumstation. Die NASA bezeichnet Artemis deshalb ausdrücklich als einen Baustein ihres Weges zum Mars.
Das bedeutet allerdings auch: Solange wichtige Teile dieser Infrastruktur noch entwickelt und erprobt werden, lässt sich aus der allgemeinen Zielsetzung für den Mars kein seriöses Landedatum ableiten.
Warum der Mars so viel schwieriger ist als der Mond
Der Mond ist im Mittel rund 384.000 Kilometer von der Erde entfernt. Ein Raumschiff kann ihn innerhalb weniger Tage erreichen. Beim Mars ändern sich die Entfernungen dagegen ständig, weil Erde und Mars auf unterschiedlichen Bahnen um die Sonne laufen.
Für energieeffiziente Flüge entstehen ungefähr alle 26 Monate günstige Startgelegenheiten. Ein Marsraumschiff kann deshalb nicht einfach zu einem beliebigen Zeitpunkt starten und ebenso wenig jederzeit kurzfristig zurückkehren.
Damit verändert sich auch die Bedeutung eines technischen Problems. Bei einer Mondmission kann eine Besatzung unter bestimmten Umständen innerhalb weniger Tage zur Erde zurückkehren. Auf einem Marsflug gibt es diese Möglichkeit nicht. Mannschaft und Raumfahrzeug müssen monatelang autonom funktionieren, und eine komplette Expedition kann je nach Missionskonzept Jahre umfassen.
Schon die Reise selbst bringt Risiken mit sich. Astronauten wären lange Zeit kosmischer Strahlung ausgesetzt. Hinzu kommen die Auswirkungen geringer oder fehlender Schwerkraft, Isolation, psychische Belastung, begrenzte Vorräte und die enorme Entfernung von medizinischer Hilfe. Die NASA führt Strahlung, veränderte Schwerkraft, Isolation und Entfernung von der Erde ausdrücklich unter den zentralen Risiken zukünftiger Marsmissionen.
Auch Kommunikation funktioniert nicht mehr so, wie sie bei Missionen nahe der Erde gewohnt ist. Wegen der großen Entfernung können Funksignale je nach Stellung der Planeten viele Minuten unterwegs sein. Eine Besatzung auf dem Mars muss daher Probleme lösen können, ohne auf unmittelbare Anweisungen eines Kontrollzentrums zu warten.
Auf dem Mars beginnt das schwierigste Stück erst
Selbst wenn ein ausreichend großes bemanntes Raumschiff sicher bis zum Mars gelangt, ist die Mission noch lange nicht gewonnen. Besonders anspruchsvoll ist die Landung.
Die Marsatmosphäre ist zu dünn, um ein schweres bemanntes Landefahrzeug allein mit Fallschirmen abzubremsen, aber dicht genug, um beim Eintritt enorme aerodynamische Belastungen und Hitze zu erzeugen. Kleine Sonden und Rover sind erfolgreich gelandet worden. Eine Anlage mit mehreren Astronauten, Vorräten, Wohnmodulen und Ausrüstung besitzt jedoch eine völlig andere Größenordnung. Die NASA arbeitet deshalb weiterhin an neuen Verfahren für Eintritt, Abstieg und präzise Landungen auf dem Mars.
Danach müsste die Besatzung auf einer Welt überleben, deren Atmosphäre für Menschen nicht atembar ist und deren Oberfläche praktisch keinen natürlichen Schutz bietet. Energieversorgung, Sauerstoff, Wasser, Nahrung, Temperaturkontrolle und Strahlenschutz dürfen nicht nur funktionieren – sie müssen über sehr lange Zeiträume zuverlässig arbeiten und möglichst reparierbar sein.
Sogar der Marsstaub ist Teil der offenen Fragen. Eine NASA-Untersuchung von 2026 weist darauf hin, dass Menschen bei einer Marsmission dauerhaft feinen Partikeln ausgesetzt sein könnten, deren gesundheitliche Auswirkungen noch nicht vollständig verstanden sind.
In Houston wird ein Marsaufenthalt bereits geprobt
Ein Teil der Vorbereitung findet deshalb nicht im Weltraum, sondern auf der Erde statt. Im Johnson Space Center betreibt die NASA das Programm CHAPEA – Crew Health and Performance Exploration Analog. Vier Personen leben dabei mehr als ein Jahr lang abgeschottet in einem rund 158 Quadratmeter großen, teilweise im 3D-Druck hergestellten Habitat, das Bedingungen einer Marsmission simulieren soll.
Untersucht werden unter anderem Isolation, Ressourcenknappheit, Arbeitsbelastung, medizinische Situationen, körperliche Leistungsfähigkeit und der Umgang mit technischen Problemen. Die zweite CHAPEA-Mission läuft bis zum 31. Oktober 2026.
Natürlich kann ein Gebäude in Texas keinen wirklichen Marsflug nachbilden. Es gibt dort keine monatelange Schwerelosigkeit, keine kosmische Strahlung wie im interplanetaren Raum und keine tatsächliche Entfernung von Millionen Kilometern. Die Experimente zeigen jedoch, wie viele Fragen geklärt werden müssen, die mit Raketen allein nichts zu tun haben. Ein Marsraumschiff muss nicht nur Menschen transportieren. Es muss über einen sehr langen Zeitraum eine kleine, weitgehend selbstständige Lebenswelt erhalten.
Europa sieht den Mars ebenfalls als langfristiges Ziel
Auch die ESA verfolgt einen Weg, der von der Erdumlaufbahn über den Mond schließlich zum Mars führen soll. In ihrer langfristigen Terrae-Novae-Strategie beschreibt sie die Vorbereitung einer europäischen Beteiligung am ersten historischen bemannten Marsflug ausdrücklich als Ziel. Einen eigenen verbindlichen Starttermin nennt die europäische Raumfahrtagentur dafür allerdings ebenfalls nicht.
Das zeigt, wie sich die Marsplanung seit früheren Jahrzehnten verändert hat. Alte Roadmaps nannten mitunter konkrete Jahreszahlen, die später wieder verschwanden. Noch 2003 enthielt eine europäische Langzeitplanung beispielsweise die Vorstellung einer ersten bemannten Marslandung um 2030 bis 2033. Diese Termine wurden nicht zu einem tatsächlich finanzierten Missionsprogramm.
Gerade deshalb sollten heutige Jahreszahlen vorsichtig behandelt werden. Eine technische Vision ist noch kein Startplan.
Und was ist mit SpaceX und Starship?
SpaceX verfolgt das wohl ambitionierteste private Marsprogramm. Starship wurde von Beginn an als vollständig wiederverwendbares Schwerlastsystem entwickelt, das langfristig auch große Mengen Fracht und Menschen zum Mars bringen soll.
Die offizielle Marsdarstellung von SpaceX nennt inzwischen unbemannte Frachtflüge zur Marsoberfläche frühestens ab 2028. Einen verbindlichen Termin für den ersten Flug von Menschen nennt das Unternehmen auf dieser Seite dagegen nicht.
Das ist bemerkenswert, weil in früheren öffentlichen Aussagen wesentlich aggressivere Zeitpläne genannt wurden. Elon Musk hatte wiederholt sehr frühe Marsmissionen in Aussicht gestellt. Solche Termine wurden jedoch mehrfach verschoben. Anfang 2026 rückte SpaceX seine Marspläne erneut nach hinten und konzentrierte sich stärker auf die Entwicklung von Starship für Mondmissionen.
Dabei hängen Mond und Mars technisch durchaus zusammen. Starship muss für anspruchsvolle Missionen unter anderem das Betanken eines Raumfahrzeugs im Erdorbit zuverlässig beherrschen. Ein solches Verfahren wäre auch für spätere interplanetare Flüge von großer Bedeutung.
SpaceX könnte die Entwicklung einer bemannten Marsmission erheblich beschleunigen, falls Starship seine geplanten Fähigkeiten tatsächlich erreicht. Doch auch hier gilt: Ein für Marsreisen vorgesehenes Raumschiff ist noch keine einsatzbereite bemannte Marsmission.
Warum die 2030er trotzdem nicht unmöglich sind
Trotz aller offenen Fragen wäre es falsch, einen Marsflug in den 2030er Jahren grundsätzlich für ausgeschlossen zu erklären. Viele dafür benötigte Technologien existieren bereits zumindest in Vorstufen. Menschen leben seit Jahrzehnten über längere Zeiträume im All. Geschlossene Lebenserhaltungssysteme werden ständig verbessert. Robotische Raumfahrzeuge erreichen den Mars zuverlässig. Große Trägerraketen existieren, und leistungsfähigere Systeme befinden sich in Entwicklung.
Vor allem wird inzwischen nicht mehr nur allgemein darüber diskutiert, ob Menschen irgendwann zum Mars fliegen könnten. NASA-Ingenieure untersuchen konkrete Missionsarchitekturen, Landeverfahren, Energieversorgung, Raumanzüge und Gesundheitsrisiken. In der aktuellen NASA-Architektur ist eine erste Marsbesatzung von mindestens vier Menschen für die Oberfläche als Planungsgröße vorgesehen.
Damit ist der bemannte Marsflug technisch wesentlich konkreter als noch vor einigen Jahrzehnten.
Was fehlt, ist die Zusammenführung all dieser Elemente zu einer tatsächlich genehmigten, finanzierten und terminierten Mission. Genau dieser Schritt entscheidet darüber, ob aus „Menschen zum Mars in den 2030er Jahren“ eines Tages ein Startdatum wird.
Wann wird also der erste Mensch auf dem Mars stehen?
Nach dem Stand von August 2026 gibt es darauf noch keine Jahreszahl, die sich seriös als Termin nennen lässt. Die NASA hält bemannte Marsmissionen bereits in den 2030er Jahren grundsätzlich im Blick, entwickelt aber weiterhin die dafür notwendige Architektur. Die ESA bereitet eine europäische Beteiligung an einer späteren internationalen Marsmission vor. SpaceX entwickelt mit Starship ein System, das Marsflüge ermöglichen soll, nennt derzeit aber keinen verbindlichen Termin für die erste Besatzung.
Die 2030er Jahre bleiben damit ein mögliches Zeitfenster – nicht mehr und nicht weniger. Verzögerungen bei Mondprogrammen, Starship, Lebenserhaltung, Marslandetechnik oder Finanzierung könnten den ersten Flug ohne Weiteres in die 2040er Jahre verschieben.
Vielleicht ist deshalb nicht die spektakulärste Jahreszahl der beste Maßstab für den Fortschritt. Wichtiger ist, dass die Vorbereitung einer Marsmission inzwischen aus sehr konkreten technischen Problemen besteht: Wie landet man ein schweres Raumschiff? Wie schützt man seine Besatzung? Wie produziert und recycelt man lebenswichtige Ressourcen? Wie bringt man die Menschen wieder zurück?
Erst wenn diese Fragen nicht nur auf dem Papier beantwortet, sondern in realen Missionen zuverlässig erprobt worden sind, wird aus dem alten Traum vom Menschen auf dem Mars ein Flugplan.
Quellen
▪︎ NASA – Moon to Mars Architecture und Architecture Definition Documents
▪︎ NASA – Humans to Mars
▪︎ NASA Mars Exploration Program – Mars Mission Timeline und Technologieentwicklung
▪︎ NASA Human Research Program – Crew Health and Performance Exploration Analog (CHAPEA)
▪︎ NASA – Human Health and Performance for Mars Missions
▪︎ NASA – Mars Architecture Trade Space
▪︎ European Space Agency – Terrae Novae 2030+ und europäische Explorationsstrategie
▪︎ SpaceX – Mission: Mars und Starship
▪︎ Reuters – Berichte zur Entwicklung und zeitlichen Verschiebung der SpaceX-Marspläne
