Welcher Planet der Erde am nächsten ist, hängt davon ab, wie man „am nächsten“ definiert. Bei der geringstmöglichen Entfernung ist die Antwort Venus. Betrachtet man dagegen die durchschnittliche Entfernung über längere Zeiträume, liegt Merkur vorn.
Venus bewegt sich auf der nächstinneren Umlaufbahn zur Erde. Wenn beide Planeten günstig auf derselben Seite der Sonne stehen, können sie sich bis auf ungefähr 38 bis 40 Millionen Kilometer annähern. Kein anderer Planet kommt der Erde so nahe.
Diese Situation hält jedoch nicht lange an. Venus bewegt sich anschließend weiter und kann sich von der Erde aus gesehen auf der gegenüberliegenden Seite der Sonne befinden. Dann wächst der Abstand auf mehr als 250 Millionen Kilometer.
Berechnungen der Planetenbahnen zeigen deshalb ein überraschendes Ergebnis: Über längere Zeiträume ist Merkur im Durchschnitt näher an der Erde als Venus. Der sonnennächste Planet bewegt sich auf einer kleineren Umlaufbahn und verbringt dadurch vergleichsweise viel Zeit in geringerer Entfernung zur Erde.
Die häufige Aussage, Venus sei grundsätzlich unser nächster Planet, ist daher nur teilweise richtig. Beim engsten Vorbeiflug ist es Venus. Fragt man nach der durchschnittlichen Nähe, lautet die Antwort Merkur.
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Quellen
▪ Physics Today: „Venus is not Earth’s closest neighbor“
▪ NASA Science: „Venus: Facts“
▪ Astronomy: „Venus: Size, distance from the Sun, orbit“
